Schulungen für Stellvertreter

Konrektoren sollen aus dem Schatten hervortreten

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Foto: Zusammen geht es besser: Kai-Susann Brandes erklärt zwei Zweitklässlerinnen die Mathematikaufgaben. Auch Schulleitung ist in der Grundschule Rinteln-Süd Teamsache.

Rinteln - An der Grundschule Rinteln-Süd funktioniert Schulleitung im Team und damit vorbildlich. Das Land bildet jetzt Konrektoren zu Trainern aus, damit der Stellvertreter aus dem Schatten des Schulleiters heraustreten kann. Auch die Konrektorin der Rintelner Grundschule gehört zu den neuen Trainern.

„Wenn ich mir eine Schule bauen könnte, dann hätte die nur Glastüren“, sagt Kai-Susann Brandes. Die 47-jährige Konrektorin an der Grundschule Rinteln-Süd kann sich Schule ohne Offenheit nicht vorstellen. Seit mehr als 15 Jahren teilt sie sich das Büro mit Schulleiter Manfred Asche (59). Der eine weiß vom anderen, die Aufgaben werden geteilt, täglich gibt es Besprechungen. Mit dem Delegieren hat keiner Probleme. Im Vergleich mit vielen anderen Schulen funktioniert Leitung hier vorbildlich.

Ein Rektor, der alles macht, und ein Stellvertreter, der sich nur um Stunden- und Vertretungspläne kümmert - das kann sich das Team nicht vorstellen. Gerade kommt Brandes von einer Schulung des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung. Vieles, was sie dort von den Seminarleitern als anzustrebendes Ziel vermittelt bekommen hat, ist an ihrer Grundschule (350 Schüler, 26 Lehrer) schon längst Realität. „Die Vielfalt, auch die im Kollegium, muss man als Chance sehen“, sagt Brandes. „Wenn es um neue Projekte geht, dann gibt es immer die besonders Engagierten. Wichtig ist es aber, auch die Bedenkenträger mit ins Boot zu holen.“

Den Blick offen zu halten für alle - das hat sich Kai-Susann Brandes zur Devise gemacht. Und bei ihren Kolleginnen kommt das gut an. „Schule steht und fällt mit Teamarbeit“, betont Lehrerin Heike Batzer (43). Stina Fuhrmann hat ihr Referendariat an der Grundschule Rinteln-Süd gemacht und wollte unbedingt bleiben. Jetzt ist sie Lehrerin hier, aber alleingelassen fühle sie sich nie, sagt die 31-Jährige. In einem Klima der Offenheit kann man auch mal zugeben, wenn man mit einer Klasse oder einem Schüler nicht so gut zurechtkommt. „Man hilft sich“, sagt Katja Marquardt (38).

Statt „Ich und meine Klasse“ müsse es heißen „wir und unsere Schule“, meint Brandes. Es müsse um das Ganze, um die Schule gehen, sagt sie. „Schule ist eine Organisationseinheit, kein Freundeskreis, der sich zum Kaffeeklatsch trifft.“ Immer wieder stöhnen Schulleiter über die Aufgabenlast, die ihnen die Eigenverantwortliche Schule gebracht habe, sie müssten Konzepte schreiben, sich um Arbeitsverträge und quietschende Fenster kümmern, hinter Feuerwehrlehrkräften hinterher telefonieren. „Dass die Eigenverantwortliche Schule auch ganz viel Freiheit gebracht hat, tritt dabei leider etwas in den Hintergrund“, sagt Brandes bedauernd.

Schulleitung im Team funktioniert nur, wenn überhaupt ein Team vorhanden ist. Aber viele Grundschulen haben weniger als 180 Schüler und bekommen gar keinen Konrektor haben, geschweige denn einen Hausmeister oder eine Sekretärin. Für den Rintelner Rektor Asche ist es daher kein Wunder, dass viele offene Stellen über Monate nicht besetzt werden können, ein zweites oder drittes Mal ausgeschrieben werden müssen. „Wenn die Aufgaben so viele und die Bezahlung so schlecht ist ...“

Seit Jahren fordert der Schulleitungsverband einen Stellvertreter auch für die kleinen Schulen, eine Senkung der Unterrichtsverpflichtung für Rektoren auf maximal zehn Unterrichtsstunden in der Woche und eine bessere Besoldung. Grundschulleiter erhalten nach Angaben des Schulleitungsverbandes oft nur ein A-13-Gehalt (zwischen 3200 und 4300 Euro (je nach Dienstalter und Familienstand), manchmal noch eine monatliche Zulage von 150 Euro. Konrektoren seien mit A12 (2800 bis 3900 Euro) auch nicht besser gestellt.

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