Landwirtschaft

Konzept gegen zu viel Antibiotika

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Der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast soll reduziert werden.

Hannover - Der tonnenweise Einsatz von Antibiotika in den Ställen rückt die Landwirtschaft in ein schlechtes Licht. Niedersachsen will den Bauern nun den Weg zu weniger Tierarznei weisen. Sanktionen und Strafen sind nicht vorgesehen, wohl aber Expertenrat und ein Monitoring.

Der niedersächsische Plan zur Verringerung des Antibiotika-Einsatzes in der Landwirtschaft stößt bei den Bauern auf Resonanz. Bereits 2000 der 15.000 Tierhalter haben sich in den vergangenen Monaten von Experten beraten lassen, sagte Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) am Montag in Hannover. „Ich habe das Vertrauen darin, dass es uns gelingen wird, den Antibiotika-Einsatz in der Nutztierhaltung in den nächsten Jahren erheblich zu reduzieren.“

Die Behörden starten in Kürze mit einer systematischen Erfassung der von den Landwirten eingesetzten Antibiotika-Mengen. Höfe mit einem hohen Verbrauch sollen dann einen Plan zur Verringerung erstellen und umsetzen.

Lindemann wertete es als Erfolg, dass das niedersächsische Konzept zur Verringerung des Antibiotika-Einsatzes im kommenden Jahr im überarbeiteten Arzneimittelgesetz des Bundes festgeschrieben wird. Mit dem Konzept wird eine schrittweise Absenkung des Gesamtverbrauchs angestrebt. Landwirte mit einem überdurchschnittlichen Verbrauch werden von den Behörden ins Visier genommen und sollen Einblick in die Konzepte der Höfe mit einem geringen Verbrauch erhalten.

Strafen oder Sanktionen drohen Landwirten aber nur, wenn die Tierarznei illegal eingesetzt wird. „Natürlich will ich nicht die Nutztierhaltung aus Niedersachsen vertreiben, sondern mit einem Auge auch gucken, was leistbar ist“, meinte Lindemann. Zentraler Punkt sei Tiere so zu halten, dass sie gar nicht erst krank werden und Antibiotika überflüssig seien, meinte Lindemann. Auslöser von Krankheiten seien oft ein zu feuchtes Klima im Stall, feuchte Einstreu oder Probleme mit dem Futter etwa durch Schimmel.

Ein konkretes Einsparziel will der Minister den Tierhaltern zwar nicht auferlegen, allerdings hält er eine Halbierung der Antibiotika-Mengen in den nächsten Jahren für machbar. Überall wo es möglich sei, solle auf die Tierarznei ganz verzichtet werden, andererseits werde Antibiotika auch künftig zur Bekämpfung von Krankheiten benötigt.

Lindemann betonte, dass das Auftreten von Krankheiten und der vermehrte Einsatz von Antibiotika nach einer Erhebung des Ministeriums nicht von der Größe der Höfe abhängt. Es sei kein spezifisches Problem der Massentierhaltung, allerdings müssten dort mitunter mehr Tiere auf einen Rutsch behandelt werden, wenn Krankheiten auftreten.

dpa/kas

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