18 Millionen Euro mehr

Kosten explodieren bei Leuphana-Uni

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Foto: Leuchtturm in Niedersachsen oder Fass ohne Boden? Das von Libeskind entworfene Modell des neuen Zentralgebäudes der Uni Lüneburg.

Lüneburg - Neue Hiobsbotschaften von der Leuphana-Universität in Lüneburg: Laut Wissenschaftsministerium steigen die Kosten des bisher auf 57,7 Millionen Euro geschätzten Zentralgebäudes auf 76,1 Millionen Euro – also um 18,3 Millionen Euro.

Diese Zahl habe die Uni-Leitung dem Ministerium mitgeteilt. Die Leuphana meine aber, den Mehraufwand teilweise durch eigene Einnahmen decken zu können. Diese Nachricht hat die Landesregierung in helle Aufregung versetzt. Bislang hatte die Uni-Führung immer erklärt, man rechne mit einem Mehrbedarf von 7,5 Millionen Euro.

Die neuen Zahlen, die seit wenigen Tagen in der Landesregierung kursieren, lösen bei den Politikern Betriebsamkeit aus. Möglichst bald will Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) im Wissenschaftsausschuss des Landtags die neue Entwicklung darstellen. In Parlamentskreisen wird berichtet, das Vertrauensverhältnis zur Uni-Führung sei schwer belastet. Da es sich um eine Stiftungs-Uni handelt, organisiert sie ihr Vorhaben weitgehend in eigener Verantwortung. Hochschul- und Finanzpolitiker im Landtag zeigen sich erzürnt. Wenn sich das Projekt jetzt schon, wenige Monate nach dem Start der Bauarbeiten, derart stark verteuere, müsse ein Riegel vorgeschoben werden. In den Fachreferaten der Wissenschaftsministerin wurde inzwischen ein „Ausstiegsszenario“ für den Fall des Scheiterns entwickelt. Dieses fällt aber offenbar ernüchternd aus: Wollte man die Baupläne, die Kritiker für extrem überdimensioniert halten, kräftig abspecken, so hätte der Architekt Daniel Libeskind wegen seiner Urheberrechte hohe Entschädigungsansprüche. Bei einem Stopp des Baus könnte das Land zwar seine Zuschüsse sparen (21 Millionen Euro), es drohen dann aber die Beiträge der EU (zehn Millionen) und die von Stadt und Kreis Lüneburg (sieben Millionen) verloren zu gehen.

Wie es in Regierungskreisen heißt, komme angesichts dieser Lage nur die Parole „Augen zu und durch“ in Betracht. Die Wirtschaftlichkeit dieses Gebäudes, das im Wesentlichen lediglich ein Audimax für die mit 11 000 Studenten recht kleine Uni Lüneburg sein sollte, bestehe gleichwohl schon lange nicht mehr.

Der Keller des achtgeschossigen Hauses steht bereits, die Spitze soll später bis zu 37 Meter in die Höhe ragen. Die Uni möchte den Fertigstellungstermin, der erst für Oktober 2014 angegeben war, nun auf August 2015 verschieben. Das bringt neue Probleme mit sich, denn bis Sommer 2016 muss die EU die Abrechnungen aller Vorgänge geprüft haben – ansonsten droht der Zehn-Millionen-Zuschuss aus Brüssel zu verfallen. Was hinter den aktuellen Kostensteigerungen steckt, bleibt bisher öffentlich noch unklar. Eigentlich sollte die Uni-Spitze bis Ende September neben der aktuellen Kostenschätzung gleichzeitig auch erklären, wie die Ausgaben gedeckt werden sollen. Sie blieb das aber schuldig und versprach die Nachlieferung bis Ende Oktober. Einige Bauunterlagen wurden allerdings bereits dem Ministerium übergeben. Heinen-Kljajic besteht darauf, künftig viel enger als bisher in alle Bauschritte eingebunden zu sein.Im Landtag geht die Sorge um, das Leuphana-Gebäude könne in Niedersachsen ein Fass ohne Boden werden – ähnlich wie die Elbphilharmonie in Hamburg oder die Residenz des Bischofs von Limburg in Hessen. Kritik richtet sich dabei vor allem auf den Uni-Vizepräsidenten Holm Keller.

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