Germanwings-Katastrophe

Krankenakte von Copilot an Ermittler übergeben

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Foto: Die Suche nach Opfern des Flugunglücks dauert an.

- Das Uniklinikum Düsseldorf hat am Montag der Staatsanwaltschaft die Krankenakte des Copiloten der abgestürzten Germanwings-Maschine übergeben. In Frankreich geht derweil die Bergung der 150 Toten voran. Bislang haben die Ermittler DNA von gut der Hälfte der Opfer identifiziert.

Der 27-Jährige Copilot, der nach bisherigen Erkenntnissen den Airbus mit 150 Menschen an Bord absichtlich abstürzen ließ, war vor einigen Wochen als Patient an das Uniklinikum gekommen. Dabei ging es den Angaben zufolge um "diagnostische Abklärungen", die aber nicht näher erläutert wurden. Auch blieb unklar, in welcher der vielen Abteilungen der Copilot untersucht wurde. Zwischen Februar 2015 und dem 10. März war der Mann mindestens drei Male vorstellig geworden.

Das Klinikum hatte Berichte dementiert, wonach "Andreas L. wegen Depressionen in unserem Haus in Behandlung gewesen sei". Die Übergabe der Akten war ursprünglich für Freitag angekündigt worden.

Suche nach Opfern geht weiter

In den französischen Alpen ist die Suche nach weiteren Opfern der Germanwings-Katastrophe und nach dem Flugdatenschreiber fortgesetzt worden. Um 9.30 Uhr wollte Germanwings auf einer Pressekonferenz in Marseille über das neue Betreuungszentrum für die Angehörigen der Opfer informieren. Ob die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft weitere Ermittlungsergebnisse bekanntgeben wird, war am Montagmorgen offen. Am Absturzort wurde bislang DNA von gut der Hälfte der 150 Opfer gesichert. Man habe “78 unterschiedliche DNA-Spuren“ identifiziert, sagte Staatsanwalt Brice Robin.

Von den auf dem Flugschreiber gespeicherten Daten erhoffen sich die Ermittler weiteren Aufschluss darüber, was an Bord des Airbus geschah, bevor die Maschine am vergangenen Dienstag mit 150 Menschen an Bord zerschellte. Lufthansa-Manager Kay Kratky verwies am Sonntagabend auf eine mögliche Beschädigung des Geräts: Das Flugzeug sei mit Tempo 800 und damit mit unvorstellbarer Wucht an dem Bergmassiv nordöstlich von Marseille zerschellt, sagte Kratky in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“. „Es könnte sein, dass die Belastung hier zu groß war und er keine Signale sendet.“ Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der 27 Jahre alte Copilot die Maschine mutwillig zum Absturz gebracht. Warum - darauf haben die Ermittler noch keine Antwort geben können.

Nach einer nächtlichen Unterbrechung wurden die Arbeiten am Absturzort am Montagmorgen fortgesetzt. Gleichzeitig soll ein Weg ins Absturzgebiet in der Nähe des Örtchens Seyne-les-Alpes geschaffen werden. Der Zugang könnte Montagabend fertig sein und soll vor allem ermöglichen, schwereres Bergungsgerät in die Region zu bringen. Bisher werden Ermittler und Bergungskräfte tagsüber mit Hubschraubern in das unwegsame Gebiet gebracht. Die Bergung der Toten habe absoluten Vorrang, sagte Staatsanwalt Brice Robin der Deutschen Presse-Agentur.

Weder Abschiedsbrief noch Bekennerschreiben

Aus der Düsseldorfer Behörde hieß es am Morgen, dass erst am Vormittag abzuschätzen sei, ob neue Informationen veröffentlicht werden könnten. Am Freitag hatte die Staatsanwaltschaft lediglich erklärt, es seien in der Wohnung des Copiloten „zerrissene, aktuelle und auch den Tattag umfassende Krankschreibungen“ gefunden worden.

Der 27-Jährige aus Montabaur verheimlichte seinem Arbeitgeber nach Erkenntnissen der Ermittler eine Erkrankung. Die Fahnder suchten nach Hinweisen auf ein psychisches Leiden. Sie fanden weder einen Abschiedsbrief noch ein Bekennerschreiben. Für Berichte, wonach der Copilot an starken psychischen Problemen und auch Sehstörungen gelitten haben soll, war bislang keine Bestätigung zu erhalten.

Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht gefordert

Als Konsequenz aus der Katastrophe fordert der CDU-Verkehrsexperte Dirk Fischer eine Lockerung der ärztlichen Schweigepflicht für sensible Berufe. „Piloten müssen zu Ärzten gehen, die vom Arbeitgeber vorgegeben werden. Diese Ärzte müssen gegenüber dem Arbeitgeber und dem Luftfahrtbundesamt von der ärztlichen Schweigepflicht entbunden sein“, sagte Fischer der „Rheinischen Post“. Der Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek (CDU) schlug eine Expertenkommission vor, die die Frage klären solle, wie mit ärztlichen Diagnosen bei Menschen in besonders verantwortungsvollen Berufen wie Piloten umzugehen sei.

Der Copilot soll den Airbus A320 auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich in einen Sinkflug versetzt haben, als der Kapitän das Cockpit kurz verließ. Die französische Staatsanwaltschaft schloss aus den Aufzeichnungen des Sprachrekorders, dass der 27-Jährige den Piloten aus dem Cockpit aussperrte. Französische Ermittler untersuchen allerdings weiterhin auch die Möglichkeit eines technischen Defekts der Maschine.

dpa

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