Todespfleger von Delmenhorst

Krankenhaus übernimmt Haftung im Fall Niels H.

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Foto: Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. wurde im Februar verurteilt.

Delmenhorst - Die Angehörigen der Opfer des sogenannten Todespflegers Niels H. können auf eine Entschädigung hoffen. „Das Klinikum Delmenhorst hat in einem Brief die Haftung vollständig anerkannt“, sagt die Anwältin der Opferfamilien, Gaby Lübben.

Ihre Mandanten seien sehr erleichtert, da sie nun voraussichtlich auf eine Zivilklage und damit ein weiteres Verfahren verzichten können.

Niels H., der unter anderem als Krankenpfleger im Klinikum Delmenhorst arbeitete, war Ende Februar wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte Patienten ein Herzmittel verabreicht, um sie dann wiederzubeleben. Doch dies gelang nicht in allen Fällen. Die genaue Zahl der Opfer ist immer noch Gegenstand der Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft.

An den Verhandlungen über die genauen Summen nehme das Klinikum nicht teil, betont der Anwalt des Krankenhauses, Erich Joester. Das sei Sache des Kommunalen Schadensausgleichs als Versicherer des Klinikums und der Anwältin der Opferfamilien, erläutert Joester weiter. „Wir hoffen, dass die Parteien schnell zu einer Einigung kommen. Ich finde, man muss mit den Angehörigen angemessen umgehen“, sagt der Anwalt. Er kündigte unterdessen an, mit Niels H. persönlich über mögliche weitere Taten sprechen zu wollen. Auf einen entsprechenden Brief an dessen Anwältin habe er aber bislang keine Antwort erhalten.

Über den genauen Betrag für die Angehörigen kann die Anwältin noch nichts sagen. Sie werde nun in vier der fünf Fälle, die in dem Gerichtsverfahren verhandelt wurden, jeweils individuell eine Summe beziffern. Einer der Fälle sei verjährt, sagt die Juristin. Diese Summen - es handelt sich sowohl um Schmerzensgeld als auch um Schadensersatz - werde sie der Gegenseite zuschicken. „Dann entscheidet sich, ob die Versicherung dies akzeptiert, oder ob wir verhandeln müssen.“ Sie rechne aber damit, dass sich beide Parteien schnell einigen. „Ich glaube nicht, dass wir weit über 10 000 Euro pro Fall hinauskommen werden“, so Lübben weiter. „Es ist ein Symbol für die Angehörigen, um das Erlebte zu verarbeiten und Ruhe zu finden.“ Sollten weitere Opfer ermittelt werden, werden auch für deren Hinterbliebene Entschädigungen ausgehandelt, betont Lübben.

Unterdessen hat die Sonderkommission Kardio gestern bekannt gegeben, dass 19 weitere potenzielle Opfer von Niels H. exhumiert werden. Ein durch die Staatsanwaltschaft beauftragter Gutachter hält demnach den Todeseintritt in 19 Fällen für „nicht ausreichend plausibel“. Die Leichen sollen bis Mitte Juni auf einem Friedhof in Delmenhorst exhumiert werden.

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