Pariser Schokoladenmesse

Wer kreiert die beste Schokolade?

Foto: Chocolatier David Pasquiet (Schweiz) arbeitet auf der weltweit größten Schokoladenmesse in Paris an einer Kreation.

Paris - Internationale Chocolatiers kämpfen in Paris um den „World Chocolate Award“. Ihre mannshohen Schokoladen-Skulpturen sehen aus wie Porzellan-Figuren oder Holzmöbel. Doch nicht bei jedem Kandidaten hält die süße Kunst.

Luis Robledo ist hochkonzentriert. Vor dem mexikanischen Chocolatier steht eine Skulptur auf einer Theke. Robledo muss sich strecken, um das obere Ende der Schokoladen-Figur zu erreichen, an das er mit sanftem Druck eine Verzierung klebt. Passt. Die schwarze Dekoration sitzt fest auf der dunkelbraunen Figur, die an eine riesige Blume erinnert.

„Das macht er gut“, sagt Steffen Blunck. „Aber je höher die Skulptur wird, desto konzentrierter muss man sein.“ Der Konditor aus Berlin begutachtet das Werk seines mexikanischen Kollegen als eines von 23 Jury-Mitgliedern beim „World Chocolate Award“. Der renommierte Preis wird an diesem Mittwoch zum fünften Mal auf der Pariser Schokoladenmesse „Salon du Chocolat“ verliehen. Seit Montag treten Robledo und 18 weitere Finalisten aus aller Welt in insgesamt vier Disziplinen gegeneinander an.

Blunck betreibt in Berlin eine eigene Chocolaterie und Konditorei - für die Teilnahme an solchen Wettkämpfen fehle ihm inzwischen die Zeit, sagt er. „Die Teilnehmer bereiten sich zum Teil seit einem Jahr neben der Arbeit auf den Wettbewerb vor“, erklärt der Konditormeister.

Viele der Finalisten sind Chefchocolatiers in Fünf-Sterne-Hotels. Der deutsche Teilnehmer Kevin Kugel arbeitet als Chef-Patissier im Kölner „Café am Königsforst“. Die Bausteine für ihre Figuren haben er und seine Kollegen schon fertig zum Wettbewerb mitgebracht. Sie haben für den Zusammenbau am ersten Wettbewerbstag jeweils drei Stunden Zeit. „In erster Linie beurteilen wir die Kreativität“, so Blunck.

Schokolade

Als die Spanier Mittelamerika eroberten, lernten sie von mexikanischen Azteken cacahuatl kennen. Das war ein Trank aus Kakao und Wasser (caca= Kakao, atl= Wasser). Vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts brachten sie ihn erstmals nach Spanien, von wo aus er sich schnell verbreitete. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es die bekannte Tafelschokolade. Die heute so beliebte Milchschokolade wird in der Regel aus Kakaomasse, Milchpulver, Kakaobutter und Zucker hergestellt. Bei Bitterschokolade fehlt die Milch, dafür besteht sie aus mehr Kakaomasse. Bei weißer Schokolade fehlt der Kakao. Sie enthält nur die Kakaobutter, die golden wie Sonnenblumenöl ist. Als Kakaomasse werden die gerösteten und gemahlenen Kakaobohnen bezeichnet. Kakaobutter wird durch Pressen aus Kakaomasse gewonnen.Allein in Deutschland kaufte jeder Konsument im vergangenen Jahr für durchschnittlich 47,40 Euro Schokoladenwaren. Der Pro-Kopf-Verbrauch lag bei 9,78 Kilogramm.

Die geht bei dem Wettbewerb in diesem Jahr vor allem in eine Richtung: nach oben. Das Schaustück der niederländischen Chocolatière Marike van Beurden ist ein mannshoher gewundener Baumstamm mit schwarz-gelber Schoko-Biene. Der Italiener Davide Comaschi baut eine blassgraue futuristische Frauenfigur, deren Haare zentimeterhoch in Richtung Hallendecke zeigen.

Die Konstruktion des französischen Finalisten Yvan Chevalier bricht noch beim Aufbau auseinander. Denn auch wenn die Schaustücke zum Teil aussehen wie Porzellanstatuen oder Holzmöbel: Als Materialen dürfen nur Schokolade und Lebensmittelfarben verwendet werden. „Es ist schon mal vorgekommen, dass Figuren angebohrt wurden, um zu überprüfen, ob sie wirklich nur aus Schokolade bestanden“, sagt Thierry Bergthold, der den deutschen Finalisten Kugel betreut.

Die Ergebnisse des Wettbewerbs bekommt nicht nur die Jury zu sehen. Die Schaustücke der Chocolatiers werden auf der noch bis Sonntag andauernden Messe ausgestellt. Die Veranstalter rechnen wie im vergangenen Jahr mit mehr als 130.000 Besuchern. Essen wird man die süßen Kunstwerke aber auch nach dem Ende der Messe nicht. Die Schokoladen-Skulpturen werden dann in Patissier-Schulen als Anschauungsstücke verwendet.

dpa

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