Putins trennen sich nach 30 Ehejahren

Der Kreml-Chef geht wieder eigene Wege

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"Die Ehe ist am Ende": Wladimir Putin und seine Ehefrau Ljudmila lassen sich scheiden.

Moskau - Zum Abschied geben sich beide romantisch: Am Donnerstagabend führt Russlands Präsident Wladimir Putin seine Ehefrau Ljudmila in den Kreml-Palast aus, um sich das Ballett-Stück "Esmeralda" anzuschauen. Unmittelbar nach der Vorstellung gibt das Ehepaar in aller Öffentlichkeit seine Trennung bekannt.

"Die Ehe ist am Ende", sagt der 60-Jährige dem TV-Sender "Rossija 24". Und seine langjährige Partnerin ergänzt: "Ich ertrage diesen ständigen Rummel nicht. Außerdem arbeitet Wladimir viel zu viel."

Die Nachricht von der Trennung des berühmten Ehepaars ist im abendlichen Moskau wie ein Paukenschlag zu hören. In den Nachrichtensendungen der Fernsehsender rückt das Thema an die erste Stelle, und in den sozialen Medien des Internets wird wild über die Hintergründe spekuliert. Die russischen Journalisten halten sich mit Bewertungen allerdings auffällig zurück. Nur Alexej Wenediktow, Chefredakteur von Radio Moskau, sagt: "Eine Scheidung ist immer eine Tragödie, auch wenn die Kinder schon erwachsen sind."

Frau Putina zeigt sich gefasst und sagt: "Wir sind stolz auf unsere Töchter und werden uns auch in Zukunft nahe Menschen bleiben. Ich bin Wladimir dankbar, dass er mich unterstützt." In den vergangenen Jahren hätten sie nur wenig Zeit miteinander gehabt. Jeder habe sein eigenes Leben gelebt.

Putin, der sich nicht nur als mächtiger, sondern oftmals auch als betont maskuliner Politiker inszeniert, setzt am Donnerstag selbst den Schlusspunkt unter die Gerüchte über sein Privatleben. Seit mehreren Jahren war vor allem in Moskau und in St. Petersburg über das Aus des Paares spekuliert worden, das sich bereits vor 30 Jahren das Ja-Wort gegeben hatte und von 1985 bis 1990 in der damaligen DDR lebte. Ehefrau Ljudmila hatte sich in den vergangenen Jahren aus dem öffentlichen Leben immer weiter zurückgezogen und stets betont, dass sie für die Auftritte im Scheinwerferlicht nicht geschaffen sei. In den wenigen Interviews, die sie den russischen Medien gab, hob sie ihre Aufgabe hervor, sich um die beiden heranwachsenden Töchter Jekaterina und Maria zu kümmern.

Doch so recht glauben mochte man es nicht: In den ersten zwei Amtszeiten ihres Ehemannes, als ihre Kinder noch in die Grundschule gingen, zeigte sich das Paar regelmäßig gemeinsam auf Empfängen und bei Theaterbesuchen. Auch auf dem diplomatischen Parkett glänzte Frau Putina dank ihrer hervorragenden Fremdsprachenkenntnisse. Als ihr 2002 der Jacob-Grimme-Preis zur Förderung der deutschen Sprache in Russland verliehen wurde, gab es gleich mehrere rauschende Feste.

Spekulationen über eine Affäre ließ Putin nicht auf sich sitzen

Zu einem ersten Knall kam es jedoch 2008, als das Boulevardblatt "Moskowskij Korrespondent" über Putin berichtete, er habe sich scheiden lassen und werde die Olympiasiegerin Alina Kabajewa heiraten. Die 31 Jahre jüngere Frau gilt vielen Russen als eine Art Ikone, da sie nicht nur in den Sporthallen, sondern auch in der Moskauer Gesellschaft stets eine gute Figur machte. Ihre besondere Beziehung zum Landesvater ist unstrittig: Die politische Karriere, die sie nach den Olympischen Spielen 2004 startete, wäre ohne die Rückendeckung des mächtigen Mannes wohl kaum möglich gewesen. Seit mittlerweile sechs Jahren ist Kabajewa Abgeordnete der Staatsduma, unter anderem zuständig für Jugendfragen. Zuvor war sie in den Führungsgremien der Kreml-Partei "Einiges Russland" aktiv.

Die Spekulationen über eine angebliche Affäre mit der attraktiven Sportlerin ließ Putin allerdings nicht auf sich sitzen. Der Kremlherr war empört und reagierte auf die ihm eigene Art: Das Medienrecht in Russland ließ er verschärfen und die Boulevardzeitung kurzerhand schließen. Berichte über das Privatleben der Präsidentenfamilie gelten seitdem in der russischen Medienlandschaft als tabu.

In der Moskauer Gerüchteküche brodelte es allerdings weiter: Als Kabajewa ein Jahr später einen Sohn bekam und zu dem Vater des Kleinen keinen Angaben machte, wurde in ausländischen Medien wild über die Hintergründe spekuliert. Die russischen Zeitungen und Fernsehstationen schwiegen zu der Angelegenheit.

Eine vorsichtige Andeutung wagte am Donnerstag lediglich der Oppositionspolitiker Andrej Piwowarow: "Wahrscheinlich gibt es schon bald eine neue Hochzeit."

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