„Norwegian Getaway“ meistert Ems-Passage

Das Kreuz mit den Kreuzfahrern

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Foto: Das Kreuzfahrtschiff „Norwegian Getaway“ passiert die Ems.

Papenburg - Sie haben es schon wieder getan. Am Freitag schickte die Meyer Werft in Papenburg die „Norwegian Getaway“ auf die Reise. Das 324 Meter lange und fast 40 Meter breite Schiff schob sich rückwärts über die aufgestaute Ems in Richtung Emden.

Viele Zuschauer beobachteten trotz dichten Nebels das Schauspiel und winkten dem Schiff zu, auf dem bald 4000 Passagiere über die Weltmeere schippern sollen. Doch nicht überall werden Luxusliner wie die „Norwegian Getaway“ bejubelt.

Venedigs Bürgermeister Giorgio Orsoni würde wohl anders auf den Schiffsnamen des Meyer-Exports blicken als die meisten Beobachter am Emsufer. Das „Getaway“ steht für Aufbruch, ließe sich aber auch mit „Verschwinde!“ übersetzen. Venedig wird von Kreuzfahrttouristen geradezu überrannt. Bis zu neun große Schiffe machen pro Tag im Hafen fest. Etwa 1,7 Millionen Touristen erreichten die Stadt im vergangenen Jahr auf diesem Weg. Venedig ist voll, und weil ein Kreuzfahrtschiff sehr viele Abgase in die Luft gibt, stinkt es den Bewohnern auch im wahrsten Wortsinn. Sie protestieren in der Initiative „No grandi navi“ – keine großen Schiffe.

ßt man derweil an der „Quantum of the Seas“. Die soll im Herbst 2014 in See stechen. Das Schiff ist mit knapp 350 Metern Länge noch größer als die „Norwegian Getaway“. Den Markusplatz in Venedig werden die beiden Schiffe nie sehen dürfen – dafür sind sie zu groß.

In der vergangenen Woche hat Venedig nun Beschränkungen beschlossen. Ab November 2014 dürfen keine Schiffe mehr anlegen, deren Bruttoraumzahl (BRZ) größer als 96 000 ist. Auch die Zahl kleinerer Schiffe soll reduziert werden. Schon ab Januar dürfen keine Fähren mehr in die Stadt fahren. „Es gibt nun enge Grenzen für die Schiffe, die nach Venedig fahren wollen“, sagte Bürgermeister Orsoni.

Auch die kroatische Hafenstadt Dubrovnik ordnet nicht mehr alles dem Tourismus unter. Seit 2012 dürfen hier täglich nur noch zwei Kreuzfahrtriesen im Hafen und ein weiterer vor der Altstadt anlegen. Im Vorjahr mussten deshalb nach Angaben der Stadt 40 Anfragen von Reedereien abgelehnt wurden.

Bei der Meyer Werft in Papenburg bleibt diese Kritik nicht ungehört. Zudem wird auch im Emsland regelmäßig gegen die Belastungen durch Kreuzfahrtschiffe protestiert. „Wir verfolgen das“, sagt Werftsprecher Günther Kolbe mit Blick auf die Entscheidungen in Venedig. Man geht aber weiter von guten Geschäften aus. „Es könnte aber noch mehr boomen“, sagt Kolbe.

In der Werft schweißt man derweil an der „Quantum of the Seas“. Die soll im Herbst 2014 in See stechen. Das Schiff ist mit knapp 350 Metern Länge noch größer als die „Norwegian Getaway“. Den Markusplatz in Venedig werden die beiden Schiffe nie sehen dürfen – dafür sind sie zu groß.

Von Gerd Schild

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