Prozess um zerstückelten Hannoveraner

Kripobeamter wegen Mordes verurteilt

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Der Angeklagte Detlev G. im Landgericht in Dresden.

Dresden - Im Prozess um den grausigen Tod eines Geschäftsmannes aus Hannover hat das Landgericht Dresden einen Kriminalbeamten wegen Mordes zu acht Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Er protestierte, fantasierte, kritisierte, jammerte. Geholfen hat es dem wegen Mordes angeklagten Kriminalbeamten nicht. Die Schwurgerichtskammer in Dresden befindet nach 21 Verhandlungstagen, dass der 57-Jährige den Geschäftsmann Wojciech S. aus Hannover auch getötet hat, bevor er dessen Leiche im November 2013 mit Säge und Messer zerstückelte. Das Opfer war nach den Worten der Vorsitzenden Richterin Birgit Wiegand eine schwer gestörte Persönlichkeit und träumte davon, getötet, geschlachtet und verspeist zu werden. Detlev G. hat ihm nach Überzeugung der Richter dabei nicht nur geholfen, sondern auch selbst töten wollen. „Er war der Master und nicht der Devote.“ Das Urteil: acht Jahre und sechs Monate Haft.

Nach Einschätzung der Gutachter ist G. nicht psychisch gestört, er konnte zudem seine Homosexualität sogar in der Ehe mit einer Frau ausleben - ohne Anfeindungen. Allerdings entwickelte er nach der Wende sexuelle Fantasien, die immer aggressiver wurden und bis zu harten SM-Praktiken reichten. So prahlte er in einschlägigen Internet-Foren mit Experimenten an sich selbst. „Er wollte zeigen, dass er über dem Schmerz steht.“ Vor dem Niedersachsen, der dort am Ende tatsächlich starb, waren schon andere Sterbewillige in die Pension im Gimmlitztal im Osterzgebirge gekommen, wo G. auch ein SM-Studio im Keller hatte. Wie genau Wojciech S. dort am 4. November 2013 starb, weiß nur Detlev G..

Der gebürtige Thüringer, der 1994 ins Landeskriminalamt Sachsen kam, neigt nach Einschätzung eines Gutachters dazu, die Verantwortung für das eigene Verhalten auf andere abzuwälzen. So erzählte er vier Versionen, wie S. sich angeblich strangulierte, und passte seine Angaben jeweils den Ermittlungsergebnissen an. „Er suchte jemanden zum Schlachten“, widersprach die Vorsitzende Richterin. Die Richter fragten sich unter anderem, warum er den Selbstmord nicht aufnahm, als er das Geschehen in seinem Keller filmte. Es gebe aber keinen Beleg für Kannibalismus.

Vehement - und am Ende vergeblich - hatte G. zu verhindern versucht, dass das rekonstruierte Video im Gericht gezeigt wird. Er drohte mit Suizid wegen posttraumatischer Belastungsstörung. Letztlich wachte ein Arzt über den Angeklagten - auch noch im Gefängnis. Wiegand sprach von einer „Charade“. Dazu kamen ein erstes falsches Geständnis, weitere Lügen, Respektlosigkeit und Ehrverletzung gegenüber dem Gericht sowie die Diskreditierung des anerkannten Forensikers Hans-Ludwig Kröber. G. hatte Wiegand auch in Briefen und Postkarten aus der Haft kritisiert, angeblich aus Angst vor unfairem Prozess und Vorverurteilung als „Monster“.

Dem Kriminalisten ging es laut Wiegand um Realität statt Kopfkino, er habe im Chat keine fiktiven Rollenspiele gewollt. „Im Fokus war von Anfang an die Schlachtung, um an den Körper und die Geschlechtsteile von S. zu kommen.“ Der schwule Beamte, der früher mit einer Frau und seinen drei Kindern lebte, habe seit der Wende immer bizarrere Formen ausprobiert und den noch größeren Kick gesucht. Sein Lebenspartner, der sich inzwischen von ihm getrennt hat, hatte kein Verständnis für seine sexuellen Fantasien.

Am letzten Prozesstag gab sich G., der wieder das Blitzlichtgewitter genoss und sich stets in der Aufmerksamkeit der Medien für den spektakulären Fall sonnte, zunächst cool, grüßte ins Publikum und lächelte seine Tochter dort an. Das Urteil nahm er regungslos zur Kenntnis, der rund zweistündigen Begründung hörte er konzentriert zu, schüttelte nur zuweilen den Kopf. Er müsse erkannt haben, dass sein Verhalten in Bezug auf den Umgang mit dem Getöteten rechtlich zu beanstanden sei, sagte Wiegand. „Das Schlachten eines Menschen stellt auch für den Angeklagten einen Tabubruch dar.“

dpa

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