Ein Jahr nach dem Keks-Klau

„Krümelmonster als mein Spitzname lag auf der Hand“

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Ein Jahr nach der „Krümelgate“-Affäre hängt der Keks wieder an seinem alten Platz - und wird von Kameras überwacht.

Hannover - Der in Hannover verschwundene Goldkeks des Gebäckherstellers Bahlsen sorgte vor einem Jahr weltweit für Schlagzeilen. Inzwischen blickt Firmenchef Werner M. Bahlsen gelassen auf die „Krümelgate“-Affäre zurück, schließlich gab es ein Happy-End.

Die „Krümelgate“-Affäre begann am 24. Januar 2013 mit einer kleinen Polizeimeldung. Von der Bahlsen-Fassade in Hannover war aus fünf Metern Höhe das 100 Jahre alte Firmenwahrzeichen - ein vergoldeter Keks - gestohlen worden. Der Fall wurde kurios: Als sich das Krümelmonster mit einem Bekennerbrief bei der HAZ meldete, berichteten Medien weltweit. Bahlsen wurde gar unterstellt, den Keks-Klau selbst eingefädelt zu haben. „Es ehrt uns, dass man uns solche Kreativität zutraut“, sagte Unternehmenschef Werner M. Bahlsen im Interview.

Herr Bahlsen, seit dem 11. Juli hängt der goldene Keks wieder an der Fassade. Schauen Sie immer nach oben, wenn Sie vorbeigehen? Ich schaue jetzt öfter hin als früher. Auch unsere Mitarbeiter haben ein Auge auf den Keks. Außerdem haben wir einige Sicherungsmaßnahmen installiert. Was mir auffällt ist, dass viele Hannoveraner und Touristen vorbeikommen und Fotos vom goldenen Keks machen. Sogar Busse von Stadtrundfahrten halten an. Unser Keks ist fast so etwas wie ein Wahrzeichen von Hannover geworden.

Der Werbeeffekt des Keks-Krimis bezifferten Fachleute auf mindestens 1,7 Millionen Euro. Hat sich das in den Umsatz- und Gewinnzahlen im vergangenen Jahr widergespiegelt? Nein, es gibt keinen direkten Zusammenhang. Ganz sicher aber sind die Markenbekanntheit und die Sympathiewerte von Bahlsen gestiegen. Es gab eine umfangreiche Berichterstattung. Sogar das japanische Fernsehen hat die Geschichte um den Leibniz-Keks verfilmt. Ich persönlich werde bis heute darauf angesprochen.

Ihnen wurde unterstellt, die Keks-Entführung selbst eingefädelt zu haben. Sind Sie wirklich unschuldig? Es ehrt uns, dass man uns solche Kreativität zutraut. Aber nein, wir waren das nicht. Die Reaktionen zeigen, welche Bedeutung das Unternehmen Bahlsen für die Menschen in Deutschland hat.

Ist es ein Gerücht, dass Sie als Kind auf dem Schulhof als Krümelmonster gehänselt wurden? Ich empfand das nicht als hänseln. Wie Kinder so sind: Jeder bekam einen Namen verpasst. Und beim Familiennamen Bahlsen lag der Spitzname Krümelmonster ja geradezu auf der Hand.

Und dann hat ausgerechnet das Krümelmonster versucht, Sie zu erpressen und hat Schokokekse für ein Kinderkrankenhaus verlangt. War das mehr als ein Lausbubenstreit? Aus unserer Sicht war es eine Straftat, deshalb sind wir auch nicht auf die Forderungen der Erpresser eingegangen, sondern haben eine eigene Aktion gestartet.

Sie stellten in Aussicht, 52 000 Keks-Packungen an 52 soziale Einrichtungen zu spenden, sollte der goldene Keks wieder auftauchen. Tatsächlich hing er am 5. Februar am Pferdedenkmal vor der Uni Hannover. Hatten Sie noch an ein Happy-End geglaubt? Ja, denn wir hatten alles daran gesetzt, ihn wiederzubekommen. Wenn ein Kunstwerk zerstört wird, ist das eine traurige Sache. Nachdem uns die Polizei den Keks zurückgegeben hatte, mussten wir ihn erst mal restaurieren. Er war krumm, weil er offensichtlich mindestens einmal runtergefallen war.

Haben Sie mittlerweile eine Ahnung, wer dahinter steckte? Wir haben keine Ahnung und die Polizei auch nicht. Die haben den Fall jetzt zu den Akten gelegt.

Sie feiern in diesem Jahr Ihr 125. Firmenjubiläum. Stimmt es, dass Ihr Großvater Hermann Bahlsen den Keks erfunden hat? Er hat Kekse in Deutschland eingeführt und populär gemacht. Der 1891 auf den Markt gebrachte Butterkeks hieß erst Leibniz Cakes. 1911 hat mein Großvater das englische Wort cakes in Keks umgewandelt. Wenige Jahre später wurde der Keks in den Duden aufgenommen.

Die Anhänger des Philosophen Leibniz beklagen, dass viele Leibniz nur für einen Kekshersteller halten. Was sagen Sie dazu? Die sollten uns eigentlich dankbar sein, denn wir haben für die Bekanntheit des Namens eine Menge getan. Neulich habe ich zufällig das Buch „Leibniz ist mehr als ein Butterkeks“ gesehen und gekauft. Ich habe es noch nicht gelesen, aber ich dachte, da muss ich mal reingucken. Übrigens hat mein kunst- und kulturinteressierter Großvater eine Philosophen-Serie ins Leben gerufen. Dazu gehörten auch ein Duve- und ein Albert-Keks, aber die gibt es nicht mehr.

Könnte man heute nicht Kekse nach Politikern oder Schriftstellern benennen? Na ja, Politikernamen sind eher kurzlebig. Heute gibt es ein Urheberrecht, was es damals so nicht gegeben hat. Wir planen keinen Goethe-Keks und auch keinen Merkel-Keks.

dpa

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