Hygiene-Portal startet

Küchendreck am Pranger

+
Hygiene-Sünden in Imbissbuden und Restaurants in Niedersachsen können ab Oktober im Internet veröffentlicht werden.

Hannover - Wo kaufe ich meine Currywurst, in welchem Supermarkt geht es schmuddelig zu, kann ich dem Pizza-Lieferanten vertrauen? In Niedersachsen hilft bei solchen Fragen künftig ein Blick ins Internet.

Hygiene-Sünden in Imbissbuden und Restaurants in Niedersachsen können von Montag an im Internet veröffentlicht werden. Ein Verbraucherportal listet künftig Betriebe auf, die gegen das Lebensmittel- oder Tierfutter-Recht verstoßen - also entweder Hygiene-Vorschriften nicht beachten oder Grenzwerte überschreiten. „Es müssen aber deutliche Verstöße sein“, erklärte ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums in Hannover. So sollen Hygienemängel nur auf die Liste, wenn dafür ein Bußgeld von mehr als 350 Euro fällig wird.

Zunächst ist die Internetseite ohnehin noch leer:Dort werden nur Verstöße auftauchen, die seit dem 1. September entdeckt wurden. Da die ertappten Betriebe sieben Tage lang Zeit haben, sich zu erklären, und dann auch noch klagen können, vergehen bis zu einem Eintrag wohl mehrere Wochen. „Erst wenn alles rechtssicher ist, wird online gestellt“, versicherte der Ministeriumssprecher. Dann bleibe der Eintrag aber für ein Jahr online.

Verbraucherschützer loben das Portal. „Man kann sein Konsumverhalten langfristig umstellen“, sagte Hedi Grunewald von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Auf Dauer würden so vermutlich Hygiene-Sünder verschwinden. Noch lieber sähe Grunewald die umstrittene Hygiene-Ampel an den Restaurant-Türen - bis die kommt, wird es allerdings noch dauern, heißt es im Verbraucherschutzministerium.

Kritik kommt dagegen vom Gastgewerbe. „Was einmal im Internet steht, das verschwindet nicht mehr“, gab Rainer Balke, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Niedersachsen, zu bedenken. Zwar seien die Kontrollen wichtig, das Gewerbe lebe schließlich von seinem guten Ruf. Für problematisch hält Balke aber, dass es keinen festen Katalog gibt, der festlegt, wie ein Vergehen bestraft wird. „Warum kostet die Uhr am Arm des Kochs einmal 150 Euro und anderswo 50 Euro?“ So fehle den Gastwirten die Sicherheit.

Tatsächlich sind es die Landkreise und kreisfreien Städte, die für die Kontrollen verantwortlich sind und festlegen, wie Verstöße geahndet werden - und ob sie im neuen Online-Register veröffentlicht werden. Im Verbraucherschutzministerium ist man zuversichtlich, dass die Behörden ihre Aufgabe verantwortungsvoll erfüllen werden. „Man kann davon ausgehen, dass Lebensmittelkonzerne anders behandelt werden als kleine Bäckereien“, sagte der Sprecher.

dpa

Kommentare