Bunte Bären aufgeklebt

Künstler macht Pop-Art mit Gummibärchen

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Der Künstler Johannes Cordes macht Kunst aus Gummibären nach Vorbildern von der klassischen Moderne bis zur Pop Art.

Meppen - Gummibärchen faszinieren junge wie alte Menschen, hat Künstler Johannes Cordes festgestellt. Aus seinen Werken sind die kleinen Gelatine-Figuren nicht mehr wegzudenken. Für ihn sind sie gleichzeitig Muse, Material und Markenzeichen.

Ein süßlich-klebriger Duft liegt in der Luft. Johannes Cordes hat mehrere Tüten Gummibären aufgerissen. Nicht, um sie zu essen. Er nutzt sie für seine Kunstwerke, die noch in diesem Jahr an Kunden geliefert werden müssen. Einige stehen abholbereit im Schaufenster seines Ateliers in Meppen. Andere werden noch geklebt: der Donald Duck auf Skiern, die Micky Mäuse oder sein Klassiker, die „Bärilyn“.

Die „Bärilyn“ ist der Marilyn Monroe von Andy Warhol nachempfunden. Tritt man nah an das Werk heran, ist ein aufwendig zusammengesetztes Puzzlewerk zu erkennen. Mehr als 3200 Gummibärchen sind in Reih und Glied angeordnet. „Den besten Blick hat der Betrachter bei einem Abstand von 10 bis 20 Metern.“ Cordes mag die knallige Comic-Kunst und Pop-Art: „Der Donald zum Beispiel versprüht viel Witz.“

Dennoch will sich der Künstler bei seinen Interpretationen nicht auf eine Epoche festlegen. Ob Leonardo da Vinci, René Magritte oder Porträts von Prominenten – Cordes hat schon vieles mit den Gelatine-Figuren ausprobiert. Auch politische Botschaften will er transportieren, etwa mit einem Bild des brennenden World Trade Centers des 11. Septembers.

Weil Gummibärchen in nur sechs Farben vorkommen, nutzt der 57-Jährige verschiedene Methoden, um sie einzufärben. „Ich streiche ihre Rücken an, mit speziellen Farbstiften oder mit Pinsel und Acrylfarben“, erklärt er. „Manche Bären erhalten sieben bis zehn Anstriche und Schattierungen.“ Damit seine Bilder nicht vergehen, wie es Lebensmittel tun, hat er außerdem eine Technik entwickelt, um sie zu konservieren. „Das Rezept ist geheim“, sagt Cordes. Er will sich vor Nachahmern schützen.

Viel Zeit kostet das farbliche Sortieren und das Heraussuchen geeigneter Bären. Deshalb arbeitet er mittlerweile mit Einrichtungen zusammen, die vorsortieren. Nur einen Teil der Bären könne man verwenden, erklärt Cordes. „Ungefähr die Hälfte einer Packung ist für die Bilder zu klein, zu schrumpelig, zu deformiert.“ Auch ihre Farbe sei nicht einheitlich. „Es gibt gelbliche weiße und blassere weiße.“

Der gelernte Schriftsetzer arbeitet nur mit „originalen Gummibärchen“. Er erhalte keine Vergünstigungen für seine Weingummi-Einkäufe, berichtet er. Und die fallen üppig aus: Bis zu drei Tonnen Bären verarbeite er im Jahr, umgerechnet knapp 200 Tüten pro Woche. In den fast zehn Jahren, in denen er Kunst aus Gummibären macht, habe er Millionen Bären verwendet. Seine Pop-Art-Bilder verkauft die Galerie Mensing, auch europaweit.

Angefangen hat die Bärchenkunst von Johannes Cordes mit einem Geburtstagsgeschenk für eine Freundin, die Bären aller Art sammelte. Für sie hatte er einst einen Rahmen aus Gummibären gestaltet, der gut ankam. Über die Jahre stellte er fest: „Gummibären faszinieren Menschen: Kinder, Erwachsene, ältere und jüngere.“

Kunst mit Lebensmitteln und speziell mit Süßigkeiten ist auch immer wieder Thema von Ausstellungen in Museen. Es gibt Künstler wie Sonja Alhäuser oder Ulrik Happy Dannenberg, die mit Schokolade oder Lollis arbeiten. Auch die US-amerikanische Sängerin Kina Grannis ließ sich vom Naschwerk inspirieren: 2011 produzierte sie ein Musikvideo zu ihrem Lied „In Your Arms“, das mit Bildern aus über 288 000 Gelee-Bohnen, sogenannten Jelly Beans, animiert wurde.

Gummibären-Künstler Johannes Cordes gestaltet auch Möbel mit Bärchen. Gerade entwirft er einen Flügel, an dem Pianisten Konzerte geben sollen – etwa zu besonderen Anlässen in seinem Atelier.

dpa

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