"Wollte Diskussion anzetteln"

Künstlerin bastelt Papst-Porträt aus Kondomen

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Foto: Die amerikanische Künstlerin Niki Johnson posiert neben dem von ihr angefertigten Porträt des ehemaligen Papstes Benedikt XVI.. Es besteht komplett aus Kondomen.

Milwaukee - Die amerikanische Künstlerin Niki Johnson stellte ein Porträt von Benedikt XVI. genau in der Woche fertig, als der deutsche Papst Ende Februar seinen Rücktritt erklärte. Es zeigt das frühere Kirchenoberhaupt im bunten, päpstlichen Gewand, die Hände gefaltet. Das Material, aus dem das Kunstwerk besteht, ist ungewöhnlich: 17 000 Kondome.

Die Idee dazu kam der Künstlerin im März 2009, als sie im Radio Benedikts kontroverse Äußerung beim Afrikabesuch hörte, Aids lasse sich nicht mit Kondomen besiegen, diese könnten das Problem vielmehr noch verschlimmern.

„Das hat mich total angespornt, etwas zu tun und eine Diskussion anzuzetteln“, sagte Johnson. „Wir müssen auf Weltführer Druck machen, die sich gegen Gesundheitsförderung und sexuelle Aufklärung stellen.“ Von vorn sieht man dem Kunstwerk mit dem Titel „Eggs Benedict“ auf den ersten Blick nichts an. Es wirkt wie ein Mosaik aus bunten Knoten. Johnson zog die Präservative durch die Maschen eines Netzes, wie beim Teppichknüpfen. Ausgerollt, längs gefaltet und dann bunt gebündelt, um möglichst viele Farbnuancen zu erhalten. Von hinten wirkt das päpstliche Porträt ganz anders. „Wie ein bunter Regenbogen von Kondomen“, sagt die 35-jährige Künstlerin, die am Milwaukee Institut für Kunst und Design (US-Staat Wisconsin) unterrichtet.

Über Monate hinweg experimentierte Johnson mit den bunten Gummis. Sonnenlicht macht sie brüchig und bleich, luftdicht hinter Plexiglas in einer Atmosphäre aus Argongas halten sie am besten. Im November kam die Lieferung des Großhandels ins Haus. Die ersten hundert Kondome auszurollen, sei ja noch „lustig“ gewesen, doch dann war es Knochenarbeit, meint Johnson. Allein 135 Stunden habe es gedauert, die Knoten zu knüpfen. Anfangs sollte es nur Benedikts Gesicht sein, am Ende wuchs das Bild zum 100 x 130 Zentimeter großen Halbporträt an. „Unglaublich, was man mit Kondomen alles machen kann“, meint die Künstlerin.

Natürlich rechne sie mit „ein wenig Kontroverse“, aber in dem Bild steckten neben einer ernsten Botschaft auch Humor und Witz. Johnson bastelt derzeit noch an einem vergoldeten Rahmen. Am Ende kommt das Werk in einen Plexiglasbehälter und auf einen Sockel. Eine Galerie in Milwaukee hat „Eggs Benedict“ bereits für Juni gebucht. Die mit einem Deutschen verheiratete Amerikanerin will möglichst viele Betrachter zu Diskussionen anregen. Und das auf lange Zeit: „Luftdicht verpackt hat das Kondom-Kunstwerk bestimmt eine Lebensdauer von 50 Jahren“, hofft Johnson.

dpa

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