Warnung für ägyptische Reiseziele

Kurswechsel vor Ägypten

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Foto: Nächster Halt Aschdod. Die „Aida diva“ fährt bis auf Weiteres von Antalya nach Limassol, Aschdod, Kreta und Marmaris. Ägypten steht derzeit nicht auf dem Plan.

Rostock - Die Große Sphinx von Giseh muss vorerst ohne Passagiere des Kreuzfahrtschiffs „Aida diva“ auskommen: Wegen der unsicheren politischen Lage und gewalttätiger Unruhen in Ägypten hat die Rostocker Reederei Aida Cruises die Fahrtroute des Urlauberschiffes geändert.

Statt des ägyptischen Hafens Port Said läuft „Aida diva“ das israelische Aschdod an.

„Wir machen uns um unsere Gäste und die Besatzung Sorgen“, erklärt Aida-Cruises-Sprecher Hansjörg Kunze. Das betreffe immerhin etwa 2300 Passagiere und 600 Besatzungsmitglieder. Bis November werde man Port Said nicht mehr ansteuern. Alle betroffenen Passagiere seien darüber informiert worden. „Bereits gebuchte Ausflüge in Ägypten wurden storniert, bezahlte Beträge dem Konto der Kunden gutgeschrieben“, sagt Kunze. Wie mit den Reisen ab November umgegangen werde, sei noch unklar. Die Entscheidung über die Routenänderung hätten Mitarbeiter des „Operation-Teams“ getroffen, abgestimmt mit dem Auswärtigen Amt, sagt der Reederei-Sprecher.

Auf der Internetseite des Ministeriums heißt es (Stand Montag): „Von Reisen nach Ägypten, insbesondere in das Nildelta, auf den Sinai sowie in das ägyptisch-libysche Grenzgebiet, wird in der aktuellen Lage vor dem Hintergrund der sehr unbeständigen Sicherheitslage dringend abgeraten.“ Dies gelte auch für die Touristenzentren in Oberägypten: Luxor, Assuan und für Nilkreuzfahrten. Vor allem vor Gewalt auf Demonstrationen sowie steigender Kriminalität – Auto- und Handtaschenraub mit Waffengewalt – werde gewarnt. Nach wie vor sei der internationale Flughafen in Kairo gut gesichert und funktioniere normal. Touristen müssten sich während eines Transitaufenthalts nicht sorgen.

Amt warnt, TUI stoppt Reisen

Reisende in ganz Ägypten sollten sich nach Einschätzung des Auswärtigen Amtes derzeit besonders umsichtig verhalten. Bislang schloss das Ministerium die Urlaubsorte am Roten Meer von seinen Mahnungen anlässlich der anhaltenden Unruhen ausdrücklich aus. Inzwischen rät es Reisenden im ganzen Land, besondere Vorsicht walten zu lassen und die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen.

Das Reiseunternehmen TUI hat vorerst bis zum 22. Juli alle Anreisen nach Kairo, Luxor und die Nilkreuzfahrten gestoppt. „Rund ums Rote Meer jedoch gelten die üblichen Reisebedingungen“, betonte eine Sprecherin am Montag. Dies werde auch von Urlaubern vor Ort berichtet. Wer für die aktuelle Zeit eine Kreuzfahrt gebucht hatte, kann diese gebührenfrei auf ein anderes Reiseziel sowie einen anderen Zeitraum umbuchen oder kostenfrei stornieren.

Auch der ADAC bietet allen Urlaubern zunächst bis zum 20. Juli 2013 kostenlose Umbuchungen und Stornierungen für Reisen nach Kairo und für Nilkreuzfahrten an. Nilkreuzfahrtgäste, die bereits an Ort und Stelle sind, werden über den Reise- und Sicherheitshinweis informiert und erhalten ein Angebot, die Kreuzfahrt abzubrechen und ihren Urlaub am Roten Meer fortzusetzen.

Derzeit kann es in Ägypten offenbar auch gelegentlich zu Benzinengpässen kommen. So berichteten Busfahrer des Veranstalters Alltours, dass sie zwischenzeitlich bis zu drei Stunden für Benzin anstehen mussten. Ähnliches haben die Mitarbeiter von DER Touristik beobachtet: Es gebe momentan Benzinengpässe in Marsa Alam an der Küste im Süden des Landes, „allerdings keine gravierenden“, berichtet eine Sprecherin.

dpa/vm

Die Lage in Ägypten werde kontinuierlich beobachtet. Auch in der Vergangenheit habe die Reederei im Interesse der Sicherheit der Passagiere gelegentlich Aschdod statt Port Said anlaufen lassen, wenn die Sicherheitslage sich kurzfristig verschlechtert habe, berichtet Aida-Cruises-Sprecher Kunze. „Aus Sicherheitsgründen wurde jüngst teilweise Istanbul in der Türkei nicht angelaufen.“ Zurzeit würden jedoch wieder Aida-Schiffe in Istanbul vor Anker gehen. „Kreuzfahrtschiffe wie die Aida diva sind ja so flexibel, dass wir täglich auf veränderte Bedingungen in den Zielländern reagieren können“, meint Kunze.

Die Route der „Aida diva“ führt laut Reederei nun von Antalya (Türkei) über Limassol (Zypern), Aschdod (Israel), Kreta (Griechenland), Marmaris (Türkei) zurück nach Antalya. Von Aschdod seien Ausflüge nach Jerusalem und Bethlehem geplant. Über die finanziellen Folgen der Routenänderung für die Reederei könne er im Moment noch nichts sagen, sagt Kunze.

Indes hat auch das Kreuzfahrtunternehmen MSC für die komplette Wintersaison, die am 25. November beginnt, das ägyptische Alexandria aus dem Programm genommen. Die Passagiere der „Fantasia“ erwartet ein Stopp auf Kreta. Zudem wird der Aufenthalt in Haifa (Israel) verlängert.

Bernhard Schmidtbauer

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