Tierschutz protestiert

Land erlaubt Fütterung von Störchen

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Füttern oder nicht? Weißstorch im Flug.

Hannover - Das Land will die Fütterung von wilden Störchen erlauben, Tierschützer gehen dagegen auf die Barrikaden. Es gehe nur um eine statistische Kosmetik.

Um den Storchenschutz ist in Niedersachsen ein Streit entbrannt. Ehrenamtliche Storchenbetreuer schlagen Alarm, weil das Land eine Fütterung der wilden Vögel nicht ausdrücklich verbieten will. „Ich kann das nicht mittragen. Wir Betreuer wollen keinen künstlichen Storchenschutz, sondern einen, der auf dem Erhalt des Lebensraums der Tiere fußt“, sagt Helmut Eggers, Regionalbeauftragter für den Storchenschutz für die Region Lüneburg und Mecklenburg. Durch das Füttern verkomme der wilde Storch zum Schautier und zur Touristenattraktion, kritisiert der Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Der Konflikt schwelt schon länger. Im April 2010 teilte das Land den Betreuern mit, der Storchenschutz werde auf eine neue Grundlage gestellt. Bislang beruhte er auf bundeseinheitlichen Kriterien, die ein Fütterungsverbot vorsahen. Da wolle Niedersachsen nun ausscheren, kritisiert Eggers. Hintergrund der neuen Leitlinien ist nach seiner Ansicht der Versuch, die Erfolgsbilanz zu schönen. „Da geht es um statistische Kosmetik“. Futterplätze lockten Störche an, der Bestand werde künstlich erhöht, erklärt Eggers.

Eggers, der seit 40 Jahren Störche betreut, ärgert besonders der Umgang mit den Ehrenamtlichen. Weil er die neuen Leitlinien nicht unterschreiben wolle, habe ihm das Land die Zusammenarbeit aufgekündigt und erklärt, für die kommende Saison werde ein neuer Betreuer eingesetzt. „Es geht nach der Methode friss oder stirb“, kritisiert der 58-Jährige, der 2006 vom Land für sein Engagement ausgezeichnet wurde. „Wie die Ehrenamtlichen verprellt werden, das halte ich für beispiellos.“

Im Umweltministerium versteht man die Aufregung nicht. Nur die Hälfte der rund 25 ehrenamtlichen Storchenbetreuer verweigerten die Unterschrift, sagt Ministeriumssprecherin Silke Schaar. Mit den übrigen habe man sich geeinigt. „Dass das Fütterungsverbot in unseren Leitlinien nicht drin steht, heißt nicht, dass wir dafür sind, Störche anzufüttern“, erklärt Schaar. Es sei aber nicht zu verhindern, dass sich um Storchenstationen wie in Berne in der Wesermarsch oder um den Vogelpark Walsrode wilde Storchenpaare ansiedelten, weil sie vom Futterangebot profitierten. „Störche sind Koloniebrüter, und sie entscheiden selbst, wo sie nisten“, sagt Schaar. Der erfreuliche Zuwachs an Störchen - im vergangenen Jahr wurden landesweit rund 500 Brutpaare gezählt - sei ein Erfolg des Artenschutzes.

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