Versorgungslücken in Niedersachsen

Auf dem Land fehlen Psychiater für junge Leute

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Hannover - Kinder mit seelischen Problemen müssen in ländlichen Regionen Niedersachsens oft monatelang auf einen Therapieplatz warten. Besonders im Emsland, in der Südheide sowie in Ostfriesland fehlen niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater.

Dagegen gibt es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) in den Großstädten eine gute Versorgung mit ärztlichen Kindertherapeuten. Göttingen sei sogar überversorgt, sagte KVN-Sprecher Detlef Haffke am Dienstag.

Bis Ende dieses Jahres soll ein Landespsychiatrieplan entstehen, der Versorgungslücken und Lösungsmöglichkeiten aufzeigt. Die niedersächsische Gesundheitsministerin Cornelia Rundt (SPD) sagte: „Wir legen dabei ein besonderes Augenmerk auf die Kinder- und Jugendpsychiatrie, denn die Belastungen für Kinder haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt und das therapeutische Angebot muss sich auf die geänderten Bedürfnisse einstellen.“ Etwa jedes fünfte Kind und jeder fünfte Jugendliche gilt als psychisch auffällig.

Rund 10 Prozent aller Kinder seien sogar deutlich behandlungsbedürftig, sagte Alexander Naumann, Chefarzt der Lüneburger Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, bei einer Fachtagung an der Medizinischen Hochschule Hannover. „Der Leistungsdruck und der Freizeitstress nehmen zu“, sagte Naumann. Gleichzeitig gebe es für junge Leute weniger Rückhalt in der Kirche, in Sportvereinen oder in der Familie. Naumann zufolge bleiben die schweren psychischen Störungen seit Jahren konstant, allerdings steigt die Zahl der leichteren Erkrankungen.

Gestresste Kinder leiden häufig unter typischen Burn-out-Syndromen wie Einschlafproblemen, Kopf- oder Bauchschmerzen sowie Müdigkeit, geht aus einer kürzlich veröffentlichten Studie der Universität Bielefeld hervor. Landesweit gibt es derzeit 16 Kliniken mit einer kinder- und jugendpsychiatrischen Abteilung sowie rund 100 niedergelassene Kinder- und Jugendpsychiater.

Die Zahl dieser Praxen hat sich nach Ministeriumsangaben seit Mitte der Neunzigerjahre mehr als verdreifacht. Dennoch gibt es Versorgungslücken. So stehen zum Beispiel in Ostfriesland fünf Fachärzte für 107 000 Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Die KVN versucht wie bei den Hausärzten, mithilfe von Anreizen Kinder- und Jugendpsychiater aufs Land zu locken. Wer im Emsland eine Praxis eröffnet, dem winkt eine Förderung von 50 000 Euro.

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