Antibiotika-Einsatz in Tiermast

Land streitet mit Bund über Datenfreigabe

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Foto: Tausende Hühner in einem Stall eines Geflügelmastbetriebes in Brandenburg.

Hannover - Niedersachsens Landwirtschaftsministerium will Daten über den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast auch weiterhin veröffentlichen – gegen den Willen des Bundes. Als Grund nannte die Behörde den Datenschutz.

„Die Anordnung, die Daten nicht herauszugeben, kann ich nicht nachvollziehen“, sagt Agrarminister Christian Meyer. Erst durch den Vergleich mit anderen Bundesländern wüssten Landwirte, ob sie ihren Antibiotika-Einsatz verringern müssten, oder nicht.

Anfang Juli hatte das Bundeslandwirtschaftsministerium die Länder in einem Schreiben aufgefordert, die Daten über den Einsatz von Antibiotika in Mastställen nur noch zur Ermittlung der Therapiehäufigkeit sowie zur Kontrolle auf Einhaltung der im Arzneimittelgesetz festgelegten Richtlinien zu erheben. An die Öffentlichkeit dürften diese Erhebungen nicht mehr gelangen. Als Grund nannte die Behörde den Datenschutz. Dagegen regt sich nun in mehreren Bundesländern Protest. Auch Niedersachsens Landwirtschaftsminister Meyer spricht von „kontraproduktiver Geheimniskrämerei“, die der Bund mit dieser Anordnung betreibe. „Das Arzneimittelgesetz sollte ja Transparenz schaffen.“ Angesichts steigender Resistenzen bei Menschen gegen Antibiotika sei das Thema „zu wichtig, um unter den Teppich gekehrt“ zu werden.

Bauern, die Mastviehzucht in größerem Umfang betreiben, sind seit vergangenem Jahr verpflichtet, alle sechs Monate Angaben darüber zu machen, welchen Wirkstoff sie wie vielen Tieren über welche Zeitspanne geben. In Niedersachsen müssen bis Ende August gut ein Viertel aller Betriebe diese Daten an das zuständige Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit senden. Landwirte, die mehr Antibiotika verabreichen als 75 Prozent des Bundesdurchschnitts, gehören zu den Spitzenverbrauchern und müssen einen Maßnahmenplan zur Senkung des Antibiotika-Einsatzes in ihrem Betrieb vorlegen. Im vergangenen Halbjahr betraf das in Niedersachsen 6000 von 21 000 Mastviehhaltern. Dabei fiel vor allem die Putenzucht negativ auf. Im Schnitt bekommt demnach eine Pute alle drei Tage ein Antibiotikum, ein Huhn etwa jeden sechsten Tag.

Das sogenannte Antibiotika-Monitoring ist allerdings umstritten, da es Mängel bei der Erfassung in der Datenbank gibt. Agrarminister Meyer hält es jedoch für ein wichtiges Instrument, dessen Ergebnisse auch bekannt gemacht werden müssten: „Wichtig ist, dass nicht nur die Menge verringert wird, sondern auch die Wirkstoffklassen in den Blick genommen werden. Die für die Humanmedizin lebenswichtigen Antibiotika müssen in der Tierhaltung verboten werden.“

Von Isabel Christian

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