Ex-Regionsdezernentin

Landtag wählt Thiel zur Datenschutzbeauftragten

Hannover - Niedersachsens Datenschutz bekommt ein neues Gesicht. Erstmals wurde eine Frau vom Landtag einstimmig zur obersten Daten-Hüterin gekürt. Die CDU-Politikerin will nicht nur still im Hintergrund wirken.

Muss eine Datenschutzbeauftragte Wächterin oder Begleiterin einer Landesregierung sein? „Beides“, sagt Barbara Thiel (CDU) und lächelt. „Sie muss prüfen und damit Wächterin sein, und sie muss beraten, und in dem Sinne Begleiterin sein.“ Thiel kann diesen Worten ab dem 1. Januar Taten folgen lassen, denn sie wurde am Donnerstag für die kommenden acht Jahre zur Landesbeauftragten für den Datenschutz ernannt.

Zuvor war sie von den anwesenden 132 Abgeordneten des Landtags gewählt worden. „Ich bin überwältigt“, sagte die 59-Jährige in den Applaus der Parlamentarier. In einer kurzen Zeremonie, für die es im provisorischen Landtag derzeit schwer ist, einen passenden Raum zu finden, wurde ihr danach von Innenminister Boris Pistorius (SPD) die Ernennungsurkunde überreicht. „Ich kenne dich ja schon so lange“, sagt der Minister in einer kurzen Rede und lobt ihre lange Erfahrung in Verwaltungsfragen. So habe sie unter anderem in der Braunschweiger Bezirksregierung gearbeitet unter dem damaligen Präsidenten Karl-Wilhelm Lange, sagt Pistorius. Falsch, unterbricht Thiel den Minister: Es war Helmut Dohr. Der Minister stutzt, redet weiter und wird wieder unterbrochen - offenbar wieder ein falsches Stichwort auf seinem Zettel.

Falsches, und sei es noch so klein, lässt sie ungern stehen. „Ich arbeite analytisch und an der Sache orientiert“, sagt sie. Außerdem sei ihre Arbeitsweise sehr stringent und strukturiert.

Thiel leitet eine 30-Personen-Behörde

Mit diesen Eigenschaften wird sie sich demnächst die 30 Personen starke Behörde führen und dabei darauf achten, dass Behörden, Unternehmen und Privatpersonen beim Einsatz von Daten, Internet oder sozialen Netzwerken den Datenschutz nicht verletzen. Ein wachsendes Aufgabenfeld, weil vor allem der Einsatz von Facebook und Twitter immer beliebter wird.

Sie selber hat ein eher distanziertes Verhältnis zu den sozialen Netzwerken. „Kein Twitter, und das sehr bewusst“, sagt sie mit Überzeugung. Mit dem Netzwerk-Riesen Facebook, dem ihr Amtsvorgänger Joachim Wahlbrink Ketten anlegen wollte, hat sie sich kurzzeitig mal eingelassen: Als sie vergangenes Jahr versuchte, Landrätin in Wolfenbüttel zu werden, hatte sich die heute 59-Jährige für den Wahlkampf ein Facebook-Konto zugelegt. Danach wollte sie die Seite wieder loswerden - ohne Erfolg. „Ich bin davon ausgegangen, dass alles gelöscht wurde, aber offenbar geht das nicht so ganz“, sagt Thiel.

Datenschutzfragen sind für die Springerin, die mit Bürgermeister Jörg-Roger Hische zusammenlebt, mit dem sie auch einen 18-jährigen Sohn hat, auch beruflich nichts Neues. Derzeit ist sie Dezernentin der Region Hannover und dabei unter anderem für den IT-Bereich zuständig. Inhaltlich will sie sich jetzt als erstes in die Fragestellungen einarbeiten. „Ich freue mich, dass mir von allen Seiten eine so gute Zusammenarbeit angeboten wurde.“

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