Schutz für Saatgut

Landwirte lenken Mäuse mit Nuss-Nougat-Creme ab

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Hannover - Mit der Aussaat der Rübenpille beginnt für viele Landwirte auch der Kampf gegen eine geschützte, aber recht gefräßige Art, die sogenannte Feldwaldmaus, auch Springmaus genannt. Um den kleinen Nager von der empfindlichen Saat abzuhalten wird jetzt auf Nuss-Nougat-Creme gesetzt, mit Erfolg.

Zwar sind die Temperaturen morgens noch ziemlich frostig, doch haben sich schon viele Bauern an die Rübenaussaat gemacht. In einigen Regionen Niedersachsens seien bereits bis zu 20 Prozent der Flächen bestellt, meldet der Landvolkpressedienst. Doch mit der Aussaat der Rübenpillen beginnt für viele Landwirte auch der Kampf gegen eine geschützte, aber recht gefräßige Art, die sogenannte Feldwaldmaus, auch Springmaus genannt. Zum Schutz der Rüben kommt hier ein Mittel zum Einsatz, das manchen Erwachsenen an goldene Kinderzeiten erinnert – geröstete Gerste mit Nuss-Nougat-Creme.

„Ich habe das Rezept irgendwo mal aufgeschnappt und es erprobt – es funktioniert wirklich“, berichtet Frithjof Pape, Landwirt und Anbauberater bei Nordzucker in Nordstemmen. Die Springmäuse („lateinisch heißen sie Apodemus sylvaticus“, sagt Pape) seien auf Haselnüsse abonniert, den Stoff, aus dem die Nuss-Nougatcreme stammt. Man dürfe sie aber nicht ködern und töten, weil sie auf der Liste der gefährdeten Arten stünden. Deshalb müssten die Landwirte sie mit anderem versorgen, damit sich die Mäuse nicht an die gerade ausgesäte (der Bauer sagt ausgedrillte) Rübenpille machten. „Eine einzige Springmaus kann in einer Nacht bis zu 1000 Rübensamen auffressen“, berichtet der Anbauberater. „Sie gräbt die Pillen aus, knackt sie und frisst sie.“ Und da das nachtaktive Tier bis auf die Schleiereule kaum natürliche Feinde hat, muss der Bauer zur List greifen. „Wir empfehlen die Ablenkungsfütterung.“ So wird das Bessere zum Feind des Guten.

Wer nun allerdings glaubt, Rüben-züchtende Bauern vergrüben gewaltige Nuss-Nugat-Massen in niedersächsischen Landmassen, der irrt. Papes Rezeptur dämpft derartige Fantasien: „Man sollte für die sogenannte Ablenkungsfütterung zehn Kilogramm Getreide mit 100 Gramm Nuss-Nugat-Creme vermischen.“ Man könne statt des Getreides auch Sonnenblumenkerne nehmen. Diese Mischung, die die Maus an den Geruch der geliebten Haselnuss erinnere, werde esslöffelgroß an den Rändern der Äcker verteilt. Eine moderate Erdbedeckung wird für den ablenkenden Mausspaß empfohlen – damit der Nager nicht zu schnell, aber schnell genug an seinen Schmaus herankommt.

Ein weiterer Feind der Rübe neben der Springmaus, die nicht mit der gemeinen Feld- oder Wühlmaus verwechselt werden sollte, ist der Frost. Deshalb gelten Bauern, die sehr früh die Rübenpillen ausdrillen, als mutig. „Die Zuckerrübe ist eine anspruchsvolle Frucht und braucht Tagestemperaturen von mindestens zehn Grad. Später Frost kann den zarten Keimlingen gefährlich werden. Dann muss gegebenenfalls nachgedrillt werden, und das kostet Zeit und Geld“, heißt es beim Landvolk.

Statt Nuss-Nougat-Creme könne man für die „Schadnager“ übrigens auch Weizen mit Kakaopulver vermischen, empfehlen die Experten. Hin und wieder werden auch ganz spezielle Landeplätze am Rübenfeldrand angelegt – für Greifvögel, die nach Mausgrauem trachten.

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