Tag des offenen Hofes

Die Landwirtschaft hat viele Gesichter

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Foto: Bauern präsentieren sich am kommenden Sonntag am Tag des offenen Hofes.

Hannover - Am Sonntag ist in Niedersachsen „Tag des offenen Hofes“. Rund 100 Betriebe laden ein – vom Großbauern bis zum Öko-Landwirt. Einige haben schon vorher einen Einblick gewährt.

Eine Kuh macht „muh“. Viele Kühe hingegen machen Mühe, heißt es unter Milchbauern, Insofern dürften Christian und Mareike Büchtmann aus Burgwedel bei Hannover jeden Tag viel Arbeit haben. 130 Tiere stehen bei ihnen im Stall. „Den Beruf des Landwirts muss man leben“, sagt der 39-jährige Landwirt. „Aber wenn man auf einem Hof aufwächst, dann wird einem das in die Wiege gelegt.“ Seit 1790 bewirtschaftet seine Familie den Betrieb im Burgwedeler Ortsteil Thönse. Auch die Ehefrau dürfte die Milchwirtschaft im Blut haben. Mareike Büchtmann stammt von einem Nachbarhof, wo es auch Kühe gibt.

Vor drei Jahren hat das Paar mit den beiden Töchtern den Betrieb übernommen - und seitdem kräftig investiert. Neben der relativ neuen Biogasanlage ist bei den Büchtmanns am Sonntag Hightech im Kuhstall zu besichtigen. Hier sind Roboter am Werk. „Moderne Landwirtschaft geht so“, sagte Mareike Büchtmann und formt mit der Hand ein Telefon am Ohr. Im selben Moment klingelt das Handy ihres Mannes.

Den herkömmlichen Melkstand, in den morgens und abends die Tiere getrieben werden, gibt es auf dem Hof nicht mehr. Hier lässt die Kuh selbst melken. Wenn sie sich danach fühlt geht sie in einen Nebenraum des Stalls. Infrarotsensoren tasten dann den Euter ab, und Bürsten reinigen die Zitzen. „Das dient auch der Stimulation“, sagt Büchtmann. Dann fließt die Milch. Der Roboter registriert, ob die einzelne Kuh regelmäßig zum Melken erscheint, wie viel sie gibt und ob sie krank ist. „Morgens kann ich die Liste kontrollieren und sehen, welche Kuh überfällig ist. Das ist wie in einer Personalabteilung“, scherzt der Landwirt: „Jeder Mitarbeiter hat ne Nummer.“ Bei einer Störung klingelt das Handy, auch nachts. „Technisch sind wir sicherlich weit vorne“, sagt Christian Büchtmann.

Dass er und seine Frau Mareike mit ihren beiden Töchtern (3 und 5 Jahre alt) am „Tag des offenen Hofes“ ihren Stall öffnen, sehen sie als Imagepflege für die Landwirtschaft und auch als Beitrag zur Bildung: „Für Familien ist das wichtig. Die Kinder sollen sehen: Wie sieht das aus, was frisst die Kuh?“ Darum dürfen regelmäßig auch Kindergärten und Schulklassen vorbeikommen.

Sie glaubt, dass sich die Leute aus dem Ort am Sonntag vor allem für die Biogasanlage hinter dem Kuhstall interessieren werden. „Die Leute sind neugierig“, sagt Mareike Büchtmann. Auch deshalb, weil nicht alle einverstanden waren, als die Pläne für die Anlage bekannt wurden. Damals gab es sogar eine Bürgerinitiative, die sich gegen die Anlage im Ort zur Wehr gesetzt hat. „Das ist jetzt aber geklärt.“

Tatsächlich soll das Dorf von der Anlage profitieren. Noch in diesem Jahr sollen 50 Thönser Haushalte durch die Biogasanlage mit Nahwärme versorgt werden. Sie kann den Angaben zufolge außerdem etwa 1100 Haushalte im Jahr mit Strom versorgen. „Das spart damit 200.000 Liter Heizöl“, sagt Büchtmann.

Lange Reihe 14, 30983 Burgwedel

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