Öko-Landbau

Landwirtschaftsminister besucht Bio-Hühnerhof

+
Trotz des eisigen Ostwinds füttert Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) ein paar Hühner.

Wedemark - Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) hat sich ein Bild von einem Bio-Bauernhof mit mobilen Hühnerställen gemacht. Er besuchte einen Betrieb in der Wedemark.

Bei Bauer Hermann Hemme in Brelingen gab es am Montag etwas Aufregung im Hühnerstall - schließlich gerät nicht oft ein leibhaftiger Minister unters Federvieh in der Wedemark. Niedersachsens neuer Agrarminister Christian Meyer, ein Grüner, ist im schwarzen VW-Golf vorgefahren, um die Vorzüge des Ökolandbaus zu preisen. Einen mächtigen Pressetross hat er dabei. Die Hühner in Bauer Hemmes Stall, der auf Kufen steht und dadurch wie ein Schlitten hin und hergezogen werden kann, gackern um die Wette, etliche Hähne krähen. Der Minister und die vielen Radioreporter haben an diesem Stall ihre Freude. Es gibt schöne Tonaufnahmen von den Hühnern vor dem Minister.

Originell ist auch der „mobile Stall“, eine Aluminiumkonstruktion. Das Besondere am „mobilen Stall“ ist nämlich, dass der Bauer den Hühnern einen besseren Untergrund bieten kann. Sind die Grünflächen beidseits des Stalles, in dem die Hühner übernachten, vollgemistet, zieht der Bauer den 20 Tonnen schweren Stall mit dem Traktor einfach weiter. 20.000 Quadratmeter groß ist die Wiese, die Bauer Hemme dem Minister in Brelingen zeigt, 1000 Hühner picken hier herum. „Das sind 20 Quadratmeter pro Huhn, gefordert sind vier Quadratmeter“, erläutert der Biobauer, der insgesamt 2000 Hühner in der Wedemark hält und etwa 280 Eier pro Huhn und Jahr „erwirtschaftet“. Dank des großen Auslaufs und der relativ gut begrünten Auslauffläche seien seine Hühner gesünder, sagt der Bauer. Die größte Gefahr seien immer noch Habichte und Füchse. Eine Schafherde läuft zwischen den Hühnern herum. „Wir dachten, das schreckt den Habicht ab“, meint Bauer Hemme. Wohl nicht. Denn im vergangenen Jahr muss der Greifvogel oft zugeschlagen haben. Vier Prozent Schwund in der Hühnerschar.

Glückliche Hühner vor einem glücklichen grünen Minister

Trotz des eisigen Ostwinds klettert der Minister über den Zaun, füttert ein paar Hühner - der Bilder wegen: Glückliche Hühner vor einem glücklichen grünen Minister. Dies ist ein bäuerlich geführter Familienbetrieb, wie ihn Christian Meyer sich wünscht. „2000 Legehennen sind eine überschaubare Zahl, das ist noch bäuerliche Landwirtschaft“, sagt Minister Meyer. Bauer Hemme vermarktet seine Produkte selbst, auf dem Bauernmarkt in Hannover oder im eigenen Hofladen. Neben den Hühnern hat er noch ein Dutzend Milchkühe, das Futter für sein Vieh baut er selber an.

„Ökolandbau ist nicht nur eine Nische, sondern ein Wachstumsmarkt“, sagt der Minister. So wachse etwa die Zahl der Biosupermärkte, von denen es bereits 400 in Niedersachsen gebe. Jeder vierte Verbraucher zähle zur Gruppe der „Quality-Eater“, also der qualitätsbewussten Esser, die Wert auf gesunde Ernährung und Transparenz bei der Lebensmittelproduktion legten. Und wachsen könne auch der Umsatz im Ökolandbau, den Meyer für Niedersachsen mit 700 Millionen Euro angibt. „Leider stagniert seit 2009 die ökologisch bewirtschaftete Fläche“ bedauert er. Er führt dies vor allem auf stark gestiegene Pachtpreise zurück. Diese Entwicklung umzukehren, brauche einige Zeit, meint der Minister, der durch Umschichtungen in seinem Haushalt dieses Jahr 1,1 Millionen Euro mehr für die Förderung von Ökoprojekten ausgeben will.

1400 Biolandwirte gibt es in Niedersachsen. „Das sind oft auch Impulsgeber für die herkömmliche Landwirtschaft“, meint Harald Gabriel vom „Bioland“-Verband. Der mobile Stall sei auch etwas für Landwirte, die konventionell arbeiteten, meint Meyer.

Kommentare