Krebskranker Bankräuber

Die lange Karriere des Manfred F.

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Manfred F. während eines Banküberfalls: "Gewohnt gentlemanlike".

Stadthagen - Er ist eine Kämpfernatur – aber genau so groß wie sein Überlebenswille ist auch Manfred F.s kriminelle Energie. Der Bankräuber, der am Donnerstagabend stundenlang die Polizei in Stadthagen narrte und sich nachts schließlich freiwillig stellte, hat eine lange „Karriere“ mit diversen Haftstrafen hinter sich.

Der 65-Jährige ist auch spielsüchtig und zudem schwer krebskrank – so sehr, dass er jetzt bis auf Weiteres in der Krankenstation der Justizvollzugsanstalt Hannover untergebracht ist.

„Hier bin ich, ich kann nicht mehr“, soll F. gesagt haben, als er Donnerstagnacht gegen 23 Uhr an der Hintertür des Stadthäger Polizeireviers klingelte. Die Polizisten berichteten am Freitag, der Mann habe sehr krank und schwach gewirkt. Umso erstaunlicher, dass er überhaupt die Kraft aufbrachte, einen Fluchtversuch zu unternehmen. Wie es überhaupt schwer zu verstehen ist, warum jemand wie F., der womöglich nicht mehr allzu lange zu leben hat, das Bankräubern partout nicht lassen kann. Rührselige Gründe wie etwa eine Familie, die versorgt werden muss, oder ein letzter Wunsch, den der Schwerkranke sich mit dem Geld erfüllen will, scheiden offenbar aus: F. hat keine Familie, er gilt als Frauenheld und hatte öfter wechselnde Freundinnen. Ein Antrieb ist sicher seine Spielsucht, die der gebürtige Berliner mit der Beute aus seinen Raubzügen finanzierte. Aber vor allem ist er einfach notorisch kriminell, war es schon immer und wird es vermutlich bis zu seinem Ende bleiben. „Ich bin Berufsverbrecher“, erklärte er den Polizisten in Stadthagen. Punktum.

Am Donnerstagnachmittag hatten ihn die Beamten nach Hinweisen von ihren Wuppertaler Kollegen in einer Stadthäger Spielhalle festgenommen, wo er soeben einen Teil des Geldes aus seinem jüngsten Banküberfall verspielt hatte. Den verübte er nach Angaben der „Westdeutschen Zeitung“ (WZ) am 7. August in einer Sparkassenfiliale in Wuppertal-Barmen – gewohnt „gentlemanlike“, wie die WZ schreibt. Ganz ruhig habe er in der Bank die Kassiererin angesprochen und gesagt, er müsse jetzt Geld haben. Den nötigen Nachdruck verlieh seinen Worten eine Pistole. Wie immer bei seinen Überfällen fiel aber kein Schuss, F. nahm das Geld und verschwand so unauffällig, wie er gekommen war. Seitdem wurde er per Haftbefehl in ganz Deutschland gesucht.

Dabei hätte er zum Zeitpunkt des Überfalls eigentlich noch im Gefängnis sitzen müssen, denn 2008 war er mal wieder zu einer Haftstrafe verurteilt worden – sieben Jahre und drei Monate wegen doppelten Bankraubs. Im Dezember 2011 wurde bei ihm zusätzlich zu diversen anderen schweren Erkrankungen aber auch noch Lungenkrebs diagnostiziert. F. wurde für haftunfähig erklärt und vorübergehend auf freien Fuß gesetzt, mit der Auflage, am 30. Juli 2012 wieder einzurücken. Was er nicht tat, stattdessen überfiel er die Sparkasse in Wuppertal-Barmen.

Begonnen hatte alles schon Anfang der achtziger Jahre. In Duisburg raubte F. seine erste Bank aus und wurde zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Schon damals erkannte das Gericht offenbar sein kriminelles Potenzial, denn es ordnete anschließende Sicherungsverwahrung an. 1999 kam F. schließlich auf freien Fuß und hielt sich eine zeitlang notdürftig mit diversen Jobs über Wasser – bis er 2006 wieder zwei Banken überfiel. Das brachte ihm die Haftstrafe ein, die er wegen seiner schweren Erkrankung unterbrechen durfte.

Dass es ihm ganz offensichtlich sehr schlecht geht, hat jetzt auch dazu geführt, dass die Polizei in Stadthagen mit ihm recht fürsorglich umging. Aus Rücksicht auf den angegriffenen Gesundheitszustand, erläuterte Sprecher Axel Bergmann, habe der diensthabende Beamte den 65-Jährigen nicht in einer Zelle untergebracht, sondern in einem Wachraum. Außerdem wurde ihm gestattet, das Behinderten-WC nutzen – eine Freundlichkeit, die F. prompt ausnutzte und durchs Toilettenfenster die Flucht antrat. Stundenlang suchte die Polizei mit Hunden und Hubschrauber nach ihm, ohne zu ahnen, dass er sich die ganze Zeit über in einer unverschlossenen Garage ganz in der Nähe versteckt hielt und erstaunt beobachtete, welchen Aufwand die Beamten trieben, um ihn wieder einzufangen.

Am Ende gab er wohl tatsächlich auf, weil er einsah, wie aussichtslos seine Lage war: Die Medikamente, auf die er angewiesen ist, hatte er ebenso wenig bei sich wie Geld oder Papiere. Nach einer eingehenden Untersuchung in der JVA Hannover soll er demnächst wieder ins Gefängniskrankenhaus Fröndenberg in Wuppertal zurückgebracht werden, dort, wo er den Rest seiner Haftstrafe absitzen muss.

to/ego

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