Deutsche Rentner wandern aus

Lebensabend unter Palmen

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Foto: Auf den Bahamas lebt es sich gut – auch im Alter.

Berlin - Ein Häuschen an der Costa Brava, ein Chalet am Genfer See oder jeden Tag Vinho Verde über der schwarzen Felsenküste von Madeira – immer mehr Rentner erfüllen sich den Traum von einem Lebensabend fernab der Heimat.

Nach einer Aufstellung der Deutschen Rentenversicherung (DRV) wurden im letzten Jahr 220.000 Renten an Deutsche überwiesen, die ihren Ruhesitz ins Ausland verlegt hatten. Das sind 100.000 mehr als noch vor 20 Jahren, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete.

Dabei zieht es die Rentner nicht nur unter Palmen, auch der Blick auf die Berge scheint bei ihnen äußerst beliebt zu sein. Jeweils 25 000 deutsche Renten wurden 2013 monatlich in die USA und in die Schweiz überwiesen. Auf Platz drei liegt Österreich mit 22.000 Rentenzahlungen. Erst an vierter Stelle kommt Spanien.

Die Empfänger von 19.000 Renten erfüllten sich den Traum vom Dauerurlaub auf Mallorca, an den Stränden Andalusiens oder in der klaren Luft Kastiliens – 65 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Danach folgen Frankreich, Kanada, Australien und die Niederlande.

Noch weitaus größer ist die Gruppe der Ausländer, die in Deutschland gearbeitet haben, im Alter aber wieder in die Heimat zurückkehren. Die Zahl der im Ausland ausbezahlten Renten wuchs laut der DRV in den letzten zehn Jahren um 400.000 auf 1,7 Millionen Euro. Bei den Zahlungen geht es um Altersbezüge, Witwen- oder Waisenrenten. Insgesamt erhalten derzeit 20,5 Millionen Ruheständler 25 Millionen Euro Rente. Jede 15. Rente wird mittlerweile ins Ausland überwiesen.

Von der Entwicklung scheint selbst die Rentenverwaltung entzückt. „Deutsche Rente gibt es auch auf die Fidschi-Inseln oder nach Grönland“, textet die Versicherungsanstalt in einer Information für die Rentner. Grundsätzlich würden alle Renten aus der Deutschen Rentenversicherung auch ins Ausland gezahlt. Das Prozedere ist simpel: einfach die internationale Bankleitzahl BIC und die internationale Kontonummer IBAN angeben, und schon kann es losgehen. So wie bei Charlotte Freese, 67-jährige Rentnerin aus Bochum, die mittlerweile in Spanien lebt. Einmal im Jahr prüft der Rentenversicherungsträger, ob Freese oder andere berechtigte Empfänger noch leben und die Rente weitergezahlt werden kann. Innerhalb der Europäischen Union machen es das Recht auf Freizügigkeit und die gemeinsame Währung leicht, den Altersruhesitz ins europäische Ausland zu verlegen. Entsprechend haben vor allem die Überweisungen in andere Länder der EU zugenommen.

Administrative oder gar moralische Bedenken, wie einst bei „Florida-Rolf“ oder „Mallorca-Karin“, scheinen nicht zu bestehen. Schließlich kassieren die Rentner keine Sozialhilfe und auch kein Arbeitslosengeld, sondern die ihnen zustehenden Bezüge für jahrelange Lohnarbeit in Deutschland.

Es gibt aber auch Ausnahmen, von denen die Rentenversicherung berichtet. Zum Beispiel bei Frührentnern, deren Rente nicht allein wegen des Gesundheitszustands, sondern auch wegen der schwierigen Arbeitsmarktsituation in Deutschland gezahlt wird. Sie sollten sich genau erkundigen, ob sie ihre Rente auch im Ausland beziehen können. Auch Heimatvertriebene wie der als Beispiel genannte 87-jährige Franz Maier aus dem ehemaligen Sudetenland können unter Umständen nicht mit der gleichen Rentenhöhe rechnen, wenn sie zu ihren Kindern ins EU-Ausland ziehen. Sogenannte Reichsgebietsbeitragszeiten werden unter Umständen nur in Deutschland berücksichtigt.

Antje Schroeder

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