Urteil im Landkreis Hildesheim

Lebenslang für Mord an Lebensgefährtin

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Lebenslange Haft: Hartmut T. vor dem Hildesheimer Schwurgericht.

Hildesheim - Hartmut T. mordete, um seine Lebensgefährtin zu bestrafen: Weil sie sich von ihm trennen wollte, und weil sie einen neuen Mann kennengelernt hatte. Daran ließ das Schwurgericht Hildesheim in seiner Urteilsbegründung keinen Zweifel - und verurteilte ihn wegen Mordes.

Die Kammer verurteilte Hartmut T. aus Eberholzen (Landkreis Hildesheim) wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Sie hält den Mann für voll schuldfähig. „Wohl eine Spontantat und kein Affekt“, betonte der Vorsitzende Richter Peter Peschka. Der Angeklagte habe die 53-Jährige am Mordtag, dem 15. September 2013, zur Rede stellen wollen, ihr seine Beweise - heimlich ausgespähte Liebesmails - vor den Kopf geknallt. Immer wieder stellte der misstrauische Mann die Kernfrage: „Er oder ich? Du musst dich entscheiden.“ Das hatte die Frau wohl längst getan, sprach die gewollte Trennung unmissverständlich aus. Doch Hartmut T. wollte diesen Entschluss nicht wahrhaben. Vor der verriegelten Badezimmertür - dorthin war die Frau während des Streits geflüchtet - fasste er den Entschluss, sie umzubringen.

Provokation fehlte

Der Angeklagte brach die Tür auf und fiel seine arglose Frau von hinten an. Er würgte sie zweimal - minutenlang. An den Folgen starb die Frau einen Tag später im Krankenhaus. „Mit dieser Gewalt konnte sie nicht rechnen“, sagt Richter Peschka zum heimtückischen Vorgehen des kräftigen Mannes. Wortgefechte habe es in der kriselnden Beziehung des Angeklagten viele gegeben, Gewalttätigkeiten dagegen vorher nie. „Wenn Sie sie nicht haben können, dann soll sie auch kein anderer bekommen“ - so umschreibt der Richter den Vorsatz des Eberholzeners. Ähnliche Androhungen hatte der Handwerksmeister auch schon vorher mal geäußert. Aber: Der Mann habe weder blitzartig noch wie von Sinnen getötet. Es fehle die Provokation oder der Auslöser. „So überraschend ist die Entwicklung mit dem neuen Mann ja nicht gewesen“, sagt Peschka.

Nach der Tat habe sich der 60-Jährige spürbar erleichtert gefühlt. Bei einer Affekthandlung hätte ihn spätestens nachher das blanke Entsetzen über sein Tun eingeholt. Wie sich der Täter verhalten und gefühlt hat, das weiß das Gericht nur über das umfassende und detailreiche Geständnis. Auch die Aussagen in der Verhandlung haben sich größtenteils mit seinen Angaben vor der Polizei gedeckt.

Eine Entschuldigung bei seinen beiden Söhnen - sie sind als Nebenkläger aufgetreten - habe der Mann hingegen nicht fertiggebracht. Die Kammer habe nur ansatzweise „so etwas wie Reue“ bei ihm feststellen können, stellte der Richter fest. Der Verurteilte hörte diesen Worten regungslos zu.

Der Vorsitzende hatte kaum geendet, da meldete sich Verteidiger Henning Sonnenberg zu Wort. „Mein Mandant nimmt das Urteil sofort an. Er will damit seinen Söhnen ermöglichen, einen Schlussstrich ziehen zu können.“ Staatsanwalt Wolfgang Scholz lobt diesen Entschluss ausdrücklich, sei das doch auch als Zeichen von Reue zu werten. Die beiden Söhne des Opfers, 23 und 20 Jahre, registrieren das nun bereits rechtskräftige Urteil mit versteinerter Miene. Immerhin ist der Mann, der ihre Mutter ermordet hat, auch zehn Jahre ihr Stiefvater gewesen. „Ich will das hier endlich beenden. Was mit ihm wird, ist egal“, sagt der ältere Sohn des Mordopfers nach dem Prozess.

Von Renate Klink

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