Grace Kelly

Die Legende lebt

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Monaco - Der Kinofilm „Grace of Monaco“ soll ab Mai an die Fürstin erinnern – doch in Monaco lebt sie ohnehin fort.

Judith Gantley öffnet gleich nach dem ersten Klingeln. In der Rue Princesse Marie-de-Lorraine Nummer 9 leitet sie die „Princess Grace Irish Library“. Zahlreiche Bücher und Erinnerungen an Fürstin Gracia Patricia haben in dem unscheinbaren Wohnhaus in Monacos Altstadt ein neues Zuhause gefunden – ganz in der Nähe des prächtigen Grimaldi-Palastes. In diesem Jahr bekommt die Suche nach den Spuren der gefeierten Schauspielerin eine besondere Aktualität: Am 15. Mai kommt die Biografie „Grace of Monaco“ mit Nicole Kidman in der Hauptrolle in die Kinos.

In der Bibliothek führt Judith Gantley ihre Besucher durch einen Flur mit Bildern von Grace Kelly in eine Art Salon, der von Vitrinenschränken aus dunklem Holz und einem großen Tisch in der Mitte beherrscht wird. Hinter dem Glas sind Buchrücken zu erkennen. Vorsichtig zieht Gantley einzelne Bücher heraus und öffnet sie: Eines trägt die Widmung von Louis Armstrong, ein anderes die Signatur George Kellys. Er war Grace’s Onkel und unterstützte als Einziger aus dem Kelly-Clan die schauspielerischen Ambitionen seiner Nichte.

„To Grace, a famous actrice“, schrieb George Kelly im März 1946 – da war die kleine Grace gerade mal 16 Jahre alt. Erfolge sollte sie erst weitaus später feiern. Doch ihr Onkel glaubte an sie, schließlich war er es, der ihre Bewerbung an der namhaften American Academy of Dramatic Arts in New York unterstützte. George Kelly war ebenso wie seine Nichte eine Ausnahme im Kelly-Clan: Während alle anderen Familienmitglieder sportlich waren, liebten George und Grace Literatur und Schauspielerei.

Zeitlebens war sich Grace Kelly auch ihrer irischen und deutschen Wurzeln bewusst. Beispielsweise sammelte sie über Jahrzehnte hinweg Bücher über Irland. Und sie hat immer am Filmset gestrickt – ihre deutschstämmige Mutter Marget Majer hatte es ihr beigebracht. Deshalb findet sich neben den Büchern in der „Princess Grace Irish Library“ auch ein ganz besonderes Kleinod: das Nähkörbchen der späteren Fürstin.

„Das ist über Umwege zu uns gekommen“, erklärt Judith Gantley. Einst hatte es Margret Majer als Preis für eine wohltätige Tombola gestiftet. So kam es in den Besitz einer Familie, die das Körbchen schließlich über das Onlineauktionshaus Ebay versteigern ließ. „Eine amerikanische Familie hat den Zuschlag bekommen und es uns vermacht“, erklärt die Bibliotheksleiterin und öffnet den roten Rattankorb: „Alles ist wie damals“, sagt sie. Ein Stückchen grünes Samtband, etwas Paillettenstoff, und sogar die Etiketten der Geschwister Grace und Lizanne Kelly, die früher in die Kleidungsstücke eingenäht wurden.

Das schlichte Nähkörbchen zeigt: Die Kellys waren trotz ihres späteren Reichtums im Grunde eine sparsame Familie, die darauf Wert legte, nichts wegzuwerfen. Das meiste sind Dinge, die man zum Aufputzen von Kleidern brauchte. Denn trotz aller Sparsamkeit hatte Grace Kelly Stil. Vor allem ihre Kleider sind bis heute unvergessen.

Wer in Monaco nach Mode à la Gracia Patricia sucht, braucht nur einmal die Straße zu überqueren. Im exklusiven Laden der dänischen Designerin Isabell Kristensen lebt die schlichte Eleganz der einstigen Fürstin in wunderschönen Roben wieder auf. „Sie hat mich über Jahre hinweg inspiriert“, sagt Kristensen, die auch die neue erste Dame des Ministaates ausstattet. Die Designerin war nicht nur Ehrendame bei der Hochzeit der gebürtigen Südafrikanerin Charlène Wittstock mit Fürst Albert. Sie entwirft auch Kleider wie die weiße Robe, die die junge Fürstin 2008 zum „Panda Ball“ trug und auf der einer der schwarz-weißen Bären zu sehen war.

Dass Grace Kelly vor einigen Jahren noch einmal neu ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rückte, hat ihr Ehemann zu verantworten. „Nach ihrem Tod ließ Fürst Rainier alle Fotos von ihr im gesamten Staat entfernen“, berichtet der ehemalige Balletttänzer Franck Balbi, der heute Besucher durch Monaco führt. Der Fürst wolle kein Geschäft mit seiner verstorbenen Frau machen, hieß es offiziell. Erst sein Sohn, Fürst Albert, erlaubte nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2005, dass die Monegassen wieder Bilder von seiner Mutter aufstellen durften – und sie tun es gerne.

Daneben sind es die Menschen, die sich an Grace Kelly erinnern und die Geschichten einer Frau erzählen, die ihre Rolle als Fürstin ernst nahm, die die Kultur liebte, die sich sozial engagierte, die aber auch scheu war. So kursiert in Monaco eine Anekdote, die das Wesen der Fürstin beleuchtet. Gracia Patricia hatte gerade ihre Kinder in die Schule gebracht, als ein Touristenpaar auf dem Schlossplatz auf sie zukam. „Sie dachte noch: Oh Gott, was wollen die von mir?“, erzählt Judith Gantley. Ob sie ein Foto von ihnen mit dem Palast im Hintergrund machen könne, fragten die Touristen dann. Die Fürstin nahm die Kamera und machte das Bild. Die Passanten bedankten sich.

„So ist es ihr oft gegangen: Die Menschen glaubten nie, dass sie wirklich Gracia Patrizia gegenüber gestanden haben könnten“, sagt Gantley. Sie erwarteten die schöne, kühle Lady der Hitchcock-Filme, nicht die warmherzige, fast scheue Mutter und Ehefrau. „Zu Anfang hat es ihr sicherlich geholfen, dass sie Schauspielerin war“, vermutet Balbi. Schließlich hatte sie sich für eine „neue Rolle“ – die der Fürstin – entschieden. Und sie wusste mit der öffentlichen Aufmerksamkeit umzugehen.

Für die Monegassen wurde Grace Kelly auch deshalb zur Landesmutter, weil sie ihrem Land ein großes Opfer darbrachte. Alfred Hitchcock wollte seiner Lieblingsheroine 1962 in „Marnie“ die Hauptrolle geben. Die Schauspielerin Grace Kelly war außer sich vor Freude. Die Fürstin Gracia Patricia musste absagen. Am 18. Juni 1962 schrieb sie: „Lieber Hitch, es zerreißt mir das Herz, das Filmprojekt aufgeben zu müssen.“ Wie sollte sie ihm erklären, dass sie absagte, weil sie die Monegassen nicht enttäuschen wollte? Eine für Hollywood schauspielernde Fürstin hätten sie nie akzeptiert.

Grace Kelly baute stattdessen in Monaco eine Kulturszene auf, die an der Cote D’Azur ihresgleichen sucht. So gibt es nicht nur das „Theatre Princess Grace Monaco“ und die Oper im Casino, sondern auch das „Festival Printemps des Arts“, das die Fürstin einst ins Leben rief und das in diesem Jahr 30. Geburtstag feiert. Einv weiteres Ereignis, das Grace Kelly lebendig bleiben lässt.

Grace Kelly

Grace Kelly wurde 1929 als drittes von vier Kindern des Bauunternehmers John Kelly in Philadelphia geboren. Sie wurde von ihrer deutschen Mutter, dem „preußischen General“, streng erzogen. Mit zwölf Jahren stand sie das erste Mal gemeinsam mit ihrer Schwester Peggy auf der Theaterbühne. Später besuchte sie die American Academy of Dramatic Arts in New York. Anfang der fünfziger Jahre entdeckte Hollywood die Schauspielerin für sich. 1955 lernte Grace Kelly am Rande der Filmfestspiele in Cannes Fürst Rainier von Monaco kennen, den sie im April 1956 heiratete. Mit Rainier hatte sie drei Kinder, Caroline, Albert und Stéphanie. Am 13. September 1982 kam die Fürstin von Monaco bei einem Autounfall ums Leben.

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