Demo gegen Mehrarbeit

Die Lehrer werden laut

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Foto: Lehrer wollen keine Stunde mehr im Plan.

Hannover - Bei einer Kundgebung am Donnerstag in Hannover wollen die Gymnasiallehrer ihrem Ärger Luft machen. Nach Plänen des Kultusministeriums sollen die Beamten eine Stunde mehr Unterricht geben. Das passt den Pädagogen nicht.

Wenn es um ihre Arbeitszeit geht, ist mit Lehrern nicht zu spaßen. Das hat vor fünf Jahren schon die damalige Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) gemerkt, als sie den Abbau der angesammelten Überstunden verschieben wollte. Rund 11 000 Pädagogen machten bei einer Großdemonstrationen in Hannover ihrem Ärger Luft. In dieser Woche bekommt nun auch Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) die geballte Wut der Lehrerschaft zu spüren. Bei einer zentralen Kundgebung wollen die Lehrer am Donnerstagnachmittag in der Landeshauptstadt lautstark gegen die jüngsten Sparpläne der Regierung protestieren. Die Veranstalter rechnen mit 5000 bis 6000 Demonstranten.

Heiligenstadt will die Unterrichtsverpflichtung der Gymnasiallehrer von 23,5 auf 24,5 Stunden in der Woche erhöhen, zudem soll die versprochene Altersermäßigung nicht kommen. Pädagogen ab 55 Jahren hätten eigentlich eine Stunde weniger unterrichten sollen, ab 60 wären es sogar zwei Stunden weniger gewesen. Das soll nun gestrichen werden. „Das ist ein Unding“, sagen Horst Auditz vom Philologenverband und Eberhard Brandt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Die Lehrerverbände rufen gemeinsam zu der Demonstration auf. Mögen GEW und Philologen sonst oft nicht einer Meinung sein, geht es um die Lehrerarbeitszeit, marschiert man Seite an Seite.

Der Ausbau der Ganztagsschulen und die Umsetzung des gemeinsamen Unterrichts von Kindern mit und ohne Handicaps ist teuer für das Land. Das ist auch GEW-Chef Brandt klar. Es könne aber nicht sein, dass die Lehrer durch Mehrarbeit das Geld dafür aufbringen müssten, kritisiert er. Der Skandal sei nicht, dass Gymnasiallehrer weniger unterrichten müssten als Grund- oder Hauptschullehrer. Der Skandal sei, dass die Unterrichtsverpflichtung etwa der Grundschullehrer bei 28 Wochenstunden liege. Die GEW forderte nicht mehr, sondern weniger Arbeit für die Lehrer. Für alle Schulformen solle die Unterrichtsverpflichtung stufenweise herabgesetzt werden. Dies vom Fach abhängig zu machen, damit Pädagogen, die viele Klausuren zu korrigieren haben, weniger unterrichten müssen, hält Brandt nicht für sinnvoll. Wenn wie in Hamburg Lehrern theoretisch 15 Minuten Korrekturzeit für eine 16 bis 20 Seiten umfassende Oberstufenklausur zugebilligt werde, sei das Augenwischerei.

Auch Horst Audritz vom Philologenverband lehnt solche Modelle ab, weil sie die Lehrerschaft spalteten. „Das klassische Vorurteil vom Sport- und Kunstlehrer, der im Unterricht sein Hobby pflegt, trifft überhaupt nicht zu“, betont der Vorsitzende der Gymnasiallehrervertretung. Schon junge Lehrer seien bei der derzeitigen Unterrichtsverpflichtung oft am Limit. „Eine Stunde mehr, das klingt nicht viel“, sagt Audritz, aber es bedeute oft auch eine Lerngruppe mehr. Unterstützung für die Protestaktion kommt auch vom Schulleitungsverband. Die Lehrerorganisationen fordern eine neues Altersteilzeitmodell - mit einer deutlich niedrigeren Unterrichtsverpflichtung für die über 60-Jährigen. Kultusministerin Heiligenstadt will ungeachtet des Widerstandes an ihren Plänen festhalten. Sie wisse, was sie Lehrern abverlange, sagt die Sozialdemokratin, aber es gehe schließlich darum, wichtige Projekte wie den Ausbau der Ganztagsschulen zu finanzieren.

So viele Teilnehmer wie vor fünf Jahren werden dieses Mal wahrscheinlich nicht zu dem Protestmarsch kommen. Der Kultusministerin reicht der Gegenwind vermutlich auch so.

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