Lidl testet neue Kassenzonen

Leiser zahlen

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Foto: Leiser einkaufen durch weniger „Quengelware“ an den Kassen. Das testet Lidl gerade.

- Der Lebensmitteldiscounter Lidl testet neue Kassenzonen ohne „Quengelware“ und hofft dadurch auf mehr Umsatz.

Für viele Menschen neigt sich der Einkaufsstress dem Ende zu, wenn sie an der Kasse angelangt sind – bei Eltern, die ihre Kinder dabei haben, ist das oft anders: Wartend in der Schlange, erspähen die Kleinen garantiert all die Leckereien, die sie jetzt sofort unbedingt haben müssen. Nicht alle bitten höflich, manche aktivieren auch die bordeigene Vuvuzela. Die Süßigkeiten, schön in Augenhöhe der Kinder drapiert, nennt man deshalb auch „Quengelware“. Lidl will sie jetzt abschaffen, zumindest testweise in einigen Filialen.

Das ist ein bemerkenswerter Schritt, weil „Quengelware“ viel Geld bringt: In manchen Supermärkten liegt ihr Umsatzanteil bei bis zu sieben Prozent. Gut fürs Geschäft, schlecht fürs Gewicht: Ernährungsexperten verweisen darauf, dass schon jedes fünfte Kind in Deutschland übergewichtig ist. Foodwatch hat deshalb bereits vor Monaten eine E-Mail-Aktion gestartet, um Lidl zum Verzicht auf die ungesunde Ware an der Kasse zu bewegen, 15.000 Verbraucher sollen sich daran beteiligt haben.

Mehr beeindruckt haben dürften den Discounter eigene Erfahrungen in Großbritannien. Dort gibt es in den 600 Lidl-Filialen seit Januar keine „Quengelware“ mehr – dafür Nüsse, Obst und Fruchtsäfte. Der Lärmpegel an den Kassen ist seither extrem gesunken, der Umsatz dagegen sogar noch weiter gestiegen. Insgesamt seien die Kundenzahlen „rapide“ nach oben gegangen, berichtet die „Lebensmittelzeitung“. Offenbar hat sich Lidls elternfreundliche Strategie herumgesprochen.

Wo und wie lange in Deutschland getestet wird, mochte das Unternehmen am Freitag nicht verraten. Sicher ist jedoch, dass die lukrative Verkaufsfläche in Kassennähe niemals ganz aufgegeben wird. Denn das Modell funktioniert auch bei Erwachsenen, die sich mit Tabak, Alkohol oder Batterien eindecken. Nur quengeln müssen sie dafür nicht.

Udo Harms

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