Landesregierung beendet Tradition

Letztes Halali für die Staatsjagd

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Foto: Feierlich – und stets umstritten: Staatsjagden am Jagdschloss Springe.

Hannover - Staatsjagden, zu denen das Land prominente Gäste einlädt, wird es nicht mehr geben. Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) blies am Dienstag zum letzten Halali – in Form einer lakonischen Pressemitteilung.

Die „auf hochherrschaftlichen Riten aus der Kaiserzeit“ beruhende Jagd des jeweiligen Landesherrn im Saupark Springe passe nicht mehr in die Zeit. Auch Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat kein Interesse daran, diese Tradition fortzusetzen. „Die Entscheidung des Landwirtschaftsministers ist vernünftig und richtig“, kommentierte Staatskanzleisprecher Michael Jürdens gestern den Beschluss, der auch auf die rot-grüne Koalitionsvereinbarung zurückgeht.

Die Staatsjagden fanden im Saupark Springe statt, den die hannoverschen Könige im 19. Jahrhundert errichtet hatten, ein 1200 Hektar großes, ummauertes Gelände in der Region Hannover. Offiziell hatte bereits der frühere Ministerpräsident Gerhard Schröder (1990 bis 1998) die „Staatsjagd“ abgeschafft. Doch als „Gästejagd“ mit prominenten und verdienten Niedersachsen lebte sie langsam wieder auf, etwa durch Schröders Landwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke (SPD). Der freute sich als Jäger und waffentragender Minister nach eigenem Bekunden auch darauf, dort einmal im Jahr „Beute zu machen“. Nach Protesten des Tierschutzbundes und von Schröders früherer Frau Hiltrud kamen allerdings auch Funkes „Gästejagden“ ins Gerede.

Der Christdemokrat Ernst Albrecht war der letzte Ministerpräsident (1976 bis 1990), der noch selbst zur Büchse griff, um einen Keiler, einen Rot- oder einen Damhirsch zu erlegen. Obwohl seit Albrecht kein Jäger mehr das Ministerpräsidentenamt bekleidete, luden die Regierungschefs einmal im Jahr zur Jagd nach Springe – wie auch der jeweilige Landwirtschaftsminister. So übernahm etwa der Christdemokrat Hans-Heinrich Ehlen (ein Bauer und kein Jäger) 2008 die Treiberrolle bei der alljährlichen Drückjagd in Springe.

Die bislang mit ausgewählten Prominenten und Honoratioren durchgeführten Jagden auf ausgewähltes Wild seien überholt, erklärte Agrarminister Meyer gestern. Zur Begründung wies er darauf hin, dass es immer wieder Streit um die Auswahl von Gästen gegeben habe sowie über die Veröffentlichung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Man wolle sich auch Verdruss ersparen über Ehrengäste, „die oft keinen oder wenig jagdlichen Hintergrund hätten“, erklärte Meyer. Dafür erntete er prompt Widerspruch vom jagdpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Lutz Winkelmann. Der Abgeordnete wies darauf hin, dass jeder der Gäste einen Jagdschein vorweisen musste, denn nirgendwo in Deutschland sei Jagen ohne Jagdschein erlaubt. „Es gibt seit Jahren keinerlei Privilegien mehr für Teilnehmer dieser Jagden.“ Im Gegenteil, die Teilnehmer zahlten einen um 50 Euro erhöhten Beitrag für die Organisation. In Meyers Wahrnehmung rangierten „die Jäger von heute gleich neben kaiserlichen Jagdgesellschaften“, zürnte Winkelmann.

In der Pressemitteilung des Agrarministeriums ist von „Extra-Trophäen für besondere Personen auf Kosten der Steuerzahler“ die Rede. Die würden gestrichen. „Das konnte ein guter Hirsch sein, ein älterer Keiler oder auch, wie die Fachleute sagen, ein stärkerer Muffelwidder“, erläutert Meyers Sprecher Klaus Jongebloed. Empfänger der Trophäen seien früher verdiente Niedersachsen gewesen, etwa ein pensionierter Landwirtschaftskammerpräsident oder ein katholischer Propst. Es werde allerdings auch künftig Einladungen zu Jagden in den Landesforsten geben.

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