Universität Lüneburg

Die Leuphana wird noch teurer

+
Foto: Stein des Anstoßes: Das von Daniel Libeskind entworfene Zentralgebäude der Uni Lüneburg. Kritiker sagen, es sei viel zu groß dimensioniert und zudem zu eigenwillig gestaltet.

Hannover/Lüneburg - Bauverzögerung, Umplanungen, wachsende Ausgaben für Material und Bauarbeiter: Der Bau des neuen Zentralgebäudes der Leuphana-Universität in Lüneburg soll doch teurer werden als bisher angenommen. In Regierungskreisen ist von „bis zu 90 Millionen Euro“ die Rede – doch Rot-Grün schweigt.

Der Bau des neuen Zentralgebäudes der Leuphana-Universität in Lüneburg wird offenbar teurer als bisher angenommen. In Regierungskreisen ist von „bis zu 90 Millionen Euro“ die Rede. Ende vergangenen Jahres hatte die Universität noch 78 Millionen angegeben. Ursprünglich waren 57 Millionen Euro angepeilt worden. Die Gründe für die Steigerung liegen wohl in der Bauverzögerung, in Umplanungen und in wachsenden Ausgaben für Material und Bauarbeiter.

Die bange Frage, ob der bis zu 14 Millionen Euro große Zuschuss der EU trotz der Verzögerungen gesichert ist, bleibt immer noch unbeantwortet. Ursprünglich sollte der Bau im August dieses Jahres fertig sein, inzwischen geht man von Herbst 2015 aus. Bislang stehen die Grundmauern. Seit Wochen ist die Anspannung in der Landesregierung groß, weil Brüssel sein Okay geben muss – schließlich wird der an feste Termine geknüpfte Förderzeitraum für die Zuschüsse überschritten. Nach inoffiziellen Hinweisen hat die Landesregierung bei den EU-Behörden immerhin erreicht, dass für den neuen Zeitplan keine besondere Genehmigung erforderlich ist. Es reicht angeblich aus, die Verlängerung des Bauzeitraums bei der EU-Kommission anzuzeigen. Allerdings sollten die Gebäudeteile, in denen die von der EU geförderten Forschungslabore untergebracht werden sollen, bis Ende 2015 am besten schon bezogen sein. Es handelt sich um Räume im Dachgeschoss des von Daniel Libeskind entworfenen Gebäudes. Wenn es hier zu Verzögerungen kommt, könnte die EU Teile des Geldes zurückhalten. Entsprechend höher müsste wohl der Landeszuschuss, der bisher auf 21 Millionen Euro begrenzt ist, ausfallen.

In der rot-grünen Landesregierung bestehen mit Blick auf die Leuphana unterschiedliche Ansichten. Während Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) das Projekt möglichst reibungslos über die Bühne bringen will, zeigen andere Sympathie für die Idee, den Bau zu stoppen und an die Stelle des aufwendigen Libeskind-Modells einen kleinen, nüchternen Zweckbau zu setzen. Schon vor Wochen hat der Landesrechnungshof gefordert, diese Alternative zum Weiterbau gründlich durchzurechnen. Geschehen ist dies offenbar noch nicht. Sowohl die rot-grüne Koalition als auch die schwarz-gelbe Opposition halten sich mit öffentlichen Aussagen seit Dezember stark zurück. Sie sind bemüht, eine erregte Debatte über das Thema zu vermeiden.

Ob das auf Dauer möglich ist, scheint aber zweifelhaft. Neben dem Landesrechnungshof ist auch die Oberfinanzdirektion dabei, die von der Uni gelieferten Daten zu überprüfen und auf ihre Tragfestigkeit abzuklopfen. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob die von der Uni berechneten Einnahmeerwartungen realistisch sind. Die Leuphana will andere ihrer Gebäude zunächst vermieten und dann verkaufen, dafür könne man 18 Millionen Euro erzielen. Außerdem will man 4,7 Millionen Euro bei der Umsatzsteuer sparen, weil das Zentralgebäude nach der Fertigstellung großzügig vermietet werden soll. Geprüft wird, ob diese Einschätzungen seriös sind. Das Wissenschaftsministerium schweigt dazu. Eine Sprecherin sagte, die Berechnungen der Oberfinanzdirektion lägen bislang noch nicht vor.

Unterdessen trägt zur Unzufriedenheit der Landesregierung mit der Lüneburger Hochschule auch der Umstand bei, dass im zuständigen Stiftungsrat bisher offenbar keine effektive Kontrolle der Uni-Leitung ausgeübt worden ist – obwohl dieses Gremium dazu gefordert ist. Wie es heißt, denkt die Landesregierung über eine Verstärkung ihres Einflusses im Stiftungsrat nach.

Kommentare