Fernsehklassiker

Lottozahlen sollen nicht mehr live gezogen werden

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Foto: Eine Ära geht zu Ende: Liveziehungen mit Heike Maurer auf ZDF wird es ab Juli nicht mehr geben.

Berlin - Die Ziehung der Lottozahlen ist ein Fernsehklassiker – nun sollen sie möglicherweise nicht mehr live ermittelt werden.

Seit knapp 48 Jahren ist die Ziehung der Lottozahlen eine feste Instanz im deutschen Fernsehen. Doch nun soll das Konzept modernisiert werden: Eine Liveziehung der Gewinnzahlen vor Millionenpublikum wird es ab Juli zumindest teilweise nicht mehr geben. Damit sollten die Sendungen kürzer und kompakter werden, sagten die Sprecher von ZDF und Hessischen Rundfunk (HR) am Montag und bestätigten damit einen Bericht der „Welt am Sonntag“. Als Grund nannten sie „veränderte Sehgewohnheiten“ der Zuschauer.

Während im Ersten „Lotto-Fee“ Franziska Reichenbacher bei der sonnabendlichen Sendung als Moderatorin erhalten bleibt, müssen sich Lottospieler beim Mittwochslotto im ZDF von Heike Maurer verabschieden. Bei der Lotto-Sendung am Sonnabend werde es künftig eine feste Sendezeit vor 20 Uhr geben, sagte HR-Sprecher Tobias Häuser.

Bisher rollten die Kugeln im Ersten nach Ende der sonnabendlichen Unterhaltungssendung durch die Trommel – mal um 21.45 Uhr, mal aber auch erst nach Mitternacht – spät und unkalkulierbar. „Dazu gab es von Anfang an Zuschauerbeschwerden“, sagte der Sprecher. Kritik kam auch, weil die Ziehung „zu altbacken“ sei und „zu lange“ dauere.

Nun soll eine moderne, kompakte Lottosendung innerhalb der „Sportschau“-Beiträge platziert werden, sagte Häuser. Ob die Ziehung weiter live zu sehen sein werde, sei noch nicht entschieden. Die Gespräche mit dem Deutschen Lottoblock liefen noch. Beim Mittwochslotto steht schon fest: „Eine Liveziehung wird es im ZDF nicht mehr geben“, sagte der Sprecher. Vom 3. Juli an werde die Verkündung der Gewinnzahlen von fünf Minuten auf eine verkürzt. Und die jeweils um 18.54 Uhr beginnende Sendung sei „unmoderiert“. In diesem Format erhielten die Zuschauer künftig „eine raschere und auf das Wesentliche verkürzte Information“, sagte der Sprecher.

Bislang galt der Grundsatz, dass die Ziehung nur in Ausnahmen aufgezeichnet wird. Seit 1965 wurde das Konzept der Präsentation kaum verändert. Das zeigt sich auch daran, dass das Personal nicht sehr häufig wechselte. Seit Beginn der Fernsehübertragung haben bei der Ziehung des Samstagslottos mit Karin Dinslage (1965–1967), Karin Tietze-Ludwig (1967–1998) und Franziska Reichenbacher (seit 1998) nur drei „Lotto-Feen“ durch die Sendung geführt. Die wechselnden Sendezeiten der populären Samstagsziehung bereiteten hingegen Probleme.

Trotz des neuen Kopzeptes soll sich am Ziehungsverfahren nichts ändern. Der Deutsche Lotto- und Totoblock dementierte gestern zudem einen Zusammenhang zwischen der Umgestaltung der Sendung und der jüngsten Panne bei der Ziehung des Mittwochslottos Anfang April. Damals fehlten zwei Kugeln in der Trommel. Die Ziehung wurde nachträglich für ungültig erklärt und wiederholt.

Kai Kollenberg (mit: dpa)

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