Neuer Flugsimulator

Der Luftkampf am Boden

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Foto: Oberstleutnant Timo Heimbach, Kommandeur bei der Taktischen Luftwaffengruppe.

Wittmund - Flugstunden für Piloten im Kampfjet sind teuer. Da spart der neue Simulator am Fliegerhorst in Wittmund der Bundeswehr jede Menge Geld. Gestern wurde das 50 Millionen teure Gerät vorgestellt.

Kampfpiloten in Ostfriesland üben jetzt den Luftkampf am Boden. Die Luftwaffe hat dafür am Fliegerhorst in Wittmund einen Simulator für Piloten des Kampfflugzeugs Eurofighter in Betrieb genommen. Die rund 50 Millionen Euro teure Anlage bei der Taktischen Luftwaffengruppe „Richthofen“ sei der vierte und bisher modernste Flugsimulator für das neue Waffensystem, sagte der Kommandeur Timo Heimbach am Mittwoch in Wittmund.

Der Stützpunkt ist Basis für eine der deutschen Alarmrotten, die im Ernstfall den norddeutschen Luftraum sichern sollen. Die Nato schreibe rund 180 Stunden Flugzeit pro Pilot im Jahr vor, 40 davon könnten am Simulator absolviert werden. Dies spare erhebliche Kosten. Pro Pilot und Ausbilder fallen im Simulator jeweils rund 5000 Euro an, echte Flugstunden im neuen Eurofighter schlagen dagegen mit rund 75 000 Euro zu Buche. In dem Vorgängermodell Phantom lagen die Kosten bei rund 20 000 Euro pro Flugstunde, weil defekte Teile von der Bundeswehr noch selbst gewartet, ausgetauscht und repariert werden konnten. Beim computergesteuerten Eurofighter übernimmt dies der Hersteller.

Die Innenansicht des neuen Simulators ist geheim. Anders als bei bekannten Flugsimulatoren für den heimischen Computer soll die Grafik allerdings eher bescheiden sein. „Darauf kommt es auch weniger an als auf die Darstellung und Funktion der komplexen Flug- und Waffensysteme“, erklärte Heimbach. So könnten im virtuellen Cockpit ein Pilot gegen einen Gegner antreten oder zwei Piloten in zwei Eurofightern gegen mehrere „Feinde“. Ein kompletter Flug vom Anrollen im Hangar über den Start bis zur Landung lässt sich aufzeichnen und später zusammen mit den Ausbildern auswerten. Auch so kann man fliegen lernen.

Pilot Andreas Keilen zeigte sich nach einer ersten Einweisung ganz zufrieden mit der Anlage: „In extremen Luftkampfsituationen treten normalerweise sehr hohe Gewichtskräfte auf, die dem Neunfachen des eigenen Körpergewichtes entsprechen können. Davon ist im Simulator nichts zu spüren, aber die Optik und das Handling der Systeme sind schon sehr realitätsnah.“

Die Aufrüstung mit dem Flugsimulator ist Teil einer rund 140 Millionen Euro teuren Umrüstung des Fliegerhorstes Wittmund. Nach dem Ende der 40-jährigen Ära mit dem Kampfflugzeug Phantom wird das frühere „Richthofen“-Geschwader seit Jahren auf den Nachfolgetyp vorbereitet. Mit der Bundeswehrreform und einem Planungs- und Vergabestopp lag der Ausbau vorübergehend auf Eis, auch der zerlegte Simulator konnte nicht aufgebaut werden. Bei derzeit 730 Dienstposten soll die Zahl von sechs Eurofightern bis zum Jahr 2017 auf 20 Maschinen ansteigen.

Von Hans-Christian Wöste

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