Tag des offenen Hofes

Macht auf die Scheune

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Aus der Region sind fünf Betriebe beim Aktionstag dabei – darunter auch der Erdbeer-Hof Gleidingen.

Hannover - Beim Tag des offenen Hofes am Sonntag landen landwirtschaftliche Betriebe die Besucher ein. Anfassen und ausprobieren heißt dabei die Devise.

Elke Walter macht zum ersten Mal mit. Ihr Ziegenhof in Wettmar bei Burgwedel (Region Hannover) gehört zu den landwirtschaftlichen Betrieben, die beim Tag des offenen Hofes am Sonntag Besucher einladen. „Wir wenden uns vor allem an Kinder aus der Stadt, von denen viele gar nicht mehr wissen, wie Ziegen überhaupt aussehen“, sagt Walter. Es gibt eine Streichelwiese, eine Käserei und einen Hofladen zu besichtigen. Das Gelernte wird gleich im Hofquiz abgefragt.

Landesweit präsentieren sich 85 Bauernhöfe, fünf davon aus der Region. Sie wollen zeigen, dass Landwirtschaft viel mehr ist als Ackerbau und Viehzucht. Ob beim Treckerfahren, Biogasanlagenbesichtigen oder Kühemelken - gesucht wird das Gespräch mit dem Verbraucher. Die Bauern laden ein zum wirklichen Landleben, nicht zum romantisch-idyllischen Abbild desselben. Es ist auch ein Versuch, althergebrachte Vorurteile abzubauen - die Vorstellung von Rindern etwa, die mit Antibiotika vollgepumpt werden. Ein Bild, das genauso falsch ist wie das auf den Milchtüten von immerzu glücklich grasenden Kühen.

Eröffnet wird der Tag des offenen Hofes, der bereits zum zehnten Mal ausgerichtet wird, um 11 Uhr von Ministerpräsident Stephan Weil in Groß Eilstorf bei Walsrode. Ein buntes Programm gibt es dort auf mehreren Höfen mit Kaninchenausstellung, Biogasanlage, Schweinestall, Kräutergarten und vielen „Futterkrippen“ zum Stärken.

Ein Pendelbus bringt Besucher direkt vom Bahnhof Walsrode nach Groß Eilstorf. Der Fahrplan ist auf die Ankunftzeiten des Erixx-„Heidesprinters“ aus Hannover abgestimmt. Die Züge fahren jeweils 20 Minuten vor der vollen Stunde ab Hannover-Hauptbahnhof, Gleis 2 (S-Bahn-Steig).

Tiere dürften die Hauptattraktion für die kleinen Besucher der Bauernhöfe sein. Eine ganz besondere Ziege hat auch Ulrich Dettmer aus Pollhagen (Kreis Schaumburg) zu bieten: Er führt am Sonntag eine rechnende Ziege vor, auch wenn er eigentlich vorwiegend Galloway-Rinder, seltene Bunte Bentheimer Schweine und Milchkühe hält. „Anfassen“ heißt bei ihm die Devise. Gerade Menschen aus der Stadt hätten oft falsche Vorstellungen vom Bauernalltag.

Service

Übersicht mit allen teilnehmenden Betrieben

Dennis Gramm aus Großhehlen bei Celle macht gleich zusammen mit drei weiteren Höfen im Dorf mit. Zwischen den Betrieben pendelt eine Pferdekutsche hin und her. Der Berufsschullehrer ist zwar nur Nebenerwerbslandwirt, aber dafür einer aus vollem Herzen. Er baut Erdbeeren, Stiefmütterchen, Kürbisse und andere Pflanzen an. Ihm geht es darum, „die Praxis zu zeigen, so wie sie ist mit all ihren Vor- und Nachteilen“.

Jede Menge Tiere hat auch das Lehr- und Forschungsgut Ruthe bei Hildesheim zu bieten. Die Einrichtung der Tier­ärztlichen Hochschule Hannover war schon immer dabei. „Wir haben 82 Stationen für die Gäste“, berichtet Leiter Christian Sürie. Angeboten wird eine Ei- und Insektenverkostung: „Grillen, Heuschrecken und Mehlwürmer, alles ganz köstlich.“ Es geht um die richtige Melk- und Schafschertechnik, aber auch um den Weg vom Küken zum Putenschnitzel. Und dann sind da auch noch 18 000 Broiler, 4500 Legehennen, 3330 Enten, 90 Sauen, Ponys, Alpakas und vieles mehr. „Die Verbraucher interessieren sich mehr dafür, woher die Lebensmittel kommen“, meint Sürie, „und das ist gut so.“

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