Drei Konzerte

Madonna auf Deutschland-Tournee

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Drei Jahrzehnte im Schnelldurchlauf: Madonna am Donnerstag auf der Bühne in Berlin.

Berlin - Der Mann am Piano spielt einen Viervierteltakt. Madonna, die Königin des Pop, geht in die Knie. Eine Verbeugung vor ihren Fans, vor ihrer Karriere, ihrem wohl größten Hit „Like a Virgin“. Solch leise Töne sind selten, bedenkt man das übliche Getöse um Madonna, und um ihr neues Album „MDNA“, das von den Kritikern erst zelebriert und anschließend verrissen wurde.

Die 13 100 Fans in der Berliner O²-World beim bereits seit Monaten ausverkauften Deutschlandauftakt von Madonnas Welttournee kümmert das am gestrigen Abend aber nicht. Sie wollen ihren Star tanzen sehen. Doch Madonna kommt spät, eine echte Diva lässt auf sich warten. Um 22 Uhr schwindet die Geduld, die ersten Buhrufe tönen durch die Halle. Am Ende kommt sie doch.

„Like a Virgin“ ist bis heute das Motto der mittlerweile 53-jährigen Mutter. Das Alter spielt bei Madonna keine Rolle mehr. Zeitlos will sie sein, begehrenswert. Der ins Korsett geschnürte Körper wirkt, als sei er aus Stahl. Ein Körper, der nie rostet, trainiert von zahllosen Stunden und unzähligen Privattrainern.

Dass Madonna die Meisterin der Inszenierung ist, muss sie nicht mehr beweisen. Ihr Song „Girls Gone Wild“ wird von einer Bilderflut auf den Großbildleinwänden in der Arena begleitet. Blitze zucken, Kunstblut spritzt. Das Konzert ist ein Gesamtkunstwerk, unterlegt mit dem zackigen Beat des aktuellen Albums. Die Musik wummert und dröhnt durch die Mehrzweckhalle, so dass jeder Gedanke an das zeitgleich stattfindende EM-Halbfinale der deutschen Fußballnationalmannschaft doch noch weggeblasen wird. Autoreifen quietschen, Bässe wühlen ganz tief unten in der Magengegend. Dazu tausende Arme in der Luft. Und Madonna marschiert über die Bühne. Zwo, drei, „Gang Bang“! Im Ganzkörper-Outfit räkelt sie sich, die Pistole provokant zwischen den Schenkeln, den Sklaven an der Leine. Sie ist die Strippenzieherin des mehr als zweistündigen Spektakels, einer Pop-Oper, mit der sie noch ein halbes Jahr um die Welt reisen wird.

Die Kostüme wechseln so schnell wie die drei Jahrzehnte ihrer Karriere, die Madonna an diesem Abend im Schnelldurchlauf wieder aufleben lässt. Als zackiges Funkenmariechen fordert sie „Express Yourself“. Im inzwischen legendären Jean-Paul-Gaultier-Kostüm mit dem gedrahtetem BH gibt sie den Klassiker „Vogue“. Der Abend ist ein Kostümfest für die Massen. Und eine Provokation für jene Sittenwächter, die der Queen of Pop ihren Körperkult als würdeloses Spektakel vorwerfen.

Madonna-Konzerte sind immer auch ein Statement – für die Schwulenbewegung, für die Frauen und ihre Fans. Und dafür, dass es keinen Grund gibt, sich vom Thron der Popmusik stoßen zu lassen, nur weil man dreifache Mutter ist.Berlin jedenfalls kann nicht genug von der feurigen Blonden auf der Bühne bekommen. Die Hauptstadt feiert sie gleich zweimal. Am Freitagabend ist die O²-World wieder ausverkauft.

Die Queen of Pop steigt edel ab

Bereits am Mittwoch bezog Madonnas 200-köpfige Entourage das Soho House an der Torstraße in Berlin-Mitte. Der exklusive Klub ist damit ausgebucht. Vier Lkw fuhren am Dienstag vor, um etwa ein Trampolin und einen Stufenbarren sowie Sonderwünsche der Sängerin anzuliefern. Zehn Tage will Madonna laut „B.Z.“ in Berlin bleiben. Mit dabei sind auch ihre Kinder Lourdes (15), Rocco (12) und Mercy (5) sowie ihr Dauerfreund Brahim Zaibat (24). Von Berlin aus wird Madonna die anderen Orte ihrer „MDNA“-Tour in Europa anfliegen. Aufwachen will sie aber offenbar lieber mit Blick auf den hippen Osten der Hauptstadt. Die oberen Stockwerke des Designhotels sind nur für Mitglieder zugänglich. Gäste wie Madonna erhalten auch Zugang zum dortigen Spa, dem Kinosaal, dem Fitnessstudio und dem türkischen Bad. Wer dort Mitglied wird und an einer der Bars die teuren Whiskeys trinken darf, das entscheidet allerdings ein Komitee. Einmal aufgenommen, kostet der Beitrag 900 Euro im Jahr. Wer weltweit in den Soho-Häusern in New York oder Miami absteigen will, muss 1200 Euro zahlen.Madonna, die für ihre Zickereien bekannt ist, hatte bereits vor einem Jahr im Soho House übernachtet. Im Vorfeld soll es eine Liste mit Extrawünschen gegeben haben, die rund 18 000 Euro kosteten. Offenbar verlangte sie ein neues Bett und frisch gestrichene Wände. Am Ende musste vor ihrer Ankunft der komplette Raum renoviert werden, verriet damals ein Insider dem „Closer“-Magazin. Das Soho dementierte die Geschichte. Aber vielleicht ist das auch die nötige Diskretion, die man von einem Private-Member-Klub erwarten darf.

Von Nora Lysk

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