Ablehnung der Elbbrücke

„Man hat uns jahrelang belogen“

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Da die erhoffte Elbbrücke nicht gebaut wird, sind viele Menschen weiterhin oftmals auf die Fähre angewiesen. Foto: dpa

Amt Neuhaus - Sie seien wütend und enttäuscht - so haben am Dienstag viele Menschen im Amt Neuhaus auf der Ostseite der Elbe ihre Gefühle beschrieben. Am Vorabend hatte der Kreistag in Lüneburg beschlossen, dass die Elbbrücke zwischen Darchau und Neu Darchau aus Kostengründen nicht gebaut wird.

Also bleibt es bei Niedrig- und Hochwasser, Nebel und Eis, wenn die Fähre ihren Verkehr einstellt, bei weiten Umwegen über die nächsten Brücken in Lauenburg (Schleswig-Holstein) und Dömitz (Mecklenburg-Vorpommern) - für die Fahrt von Niedersachsen nach Niedersachsen.

Für Bürgermeisterin Grit Richter (parteilos) bleibt die Deutsche Einheit an diesem Punkt unvollendet. Ihr Stellvertreter Frank Fajta ergänzt: „Wir bleiben ein Stück weit abgeschnitten vom Landkreis.“ Die Nachteile für die knapp 5000 Einwohner und die Unternehmen im Amt Neuhaus blieben bestehen. Zu leiden hätten zum Beispiel Schulkinder: Fällt die Fähre aus, brauchen sie weit über eine Stunde bis zur Schule nach Bleckede.

Im Jahr 1993 wechselte ein Dutzend Dörfer in einem 30 Kilometer langen und im Schnitt zehn Kilometer schmalen Streifen auf dem mecklenburgischen Elbufer mit damals zusammen rund 6000 Einwohnern von Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen. Denn eigentlich gehörte der Streifen seit Jahrhunderten zu Lüneburg, er wurde aber 1945 von den Alliierten der sowjetischen Besatzungszone zugeschlagen.

Seit dem Länderwechsel hoffen die Menschen im Amt Neuhaus auf eine Brücke. Handwerker Wolfgang Schmidt spricht aus, was viele denken: „Man hat uns jahrelang belogen.“ Wahrscheinlich habe es nie eine Chance auf eine Brücke gegeben, sagte er.

Vor zwei Jahren hat bei einer Bürgerbefragung im Landkreis Lüneburg die Mehrheit für einen Brückenbau gestimmt, wenn die Kosten für den Kreis höchstens 10 Millionen Euro betragen. Allerdings gab es keine Zuschüsse vom Land, sodass der Kreis 29 Millionen hätte tragen müssen - bei Gesamtbaukosten von 60 Millionen Euro. Als einen herben Schlag für die Region empfindet der Neuhäuser Arzt Dieter Schmidt die Absage an den Brückenbau. „Ich habe das Gefühl, dass wir abgehängt werden“, sagte er. Er hofft auf die Kommunalwahl im nächsten Jahr und auf andere Mehrheitsverhältnisse. Vielleicht könnte das Thema dann noch einmal aufgenommen werden, meint er.

Bürgermeisterin Richter fordert, dass für die Menschen im Amt Neuhaus nun wenigstens die beiden Fähren zwischen Darchau und Neu Darchau beziehungsweise Bleckede und Neu Bleckede kostenlos werden. Auch müssten sie rund um die Uhr verkehren

Von Iris Leithold

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