Gloria von Thurn und Taxis

„Man müsste uns unter Artenschutz stellen“

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Gloria von Thurn und Taxis.

- Gloria von Thurn und Taxis, die am Mittwoch zu Gast auf der Marienburg war, spricht im Interview über ihre Verbindung zu Hannover, königlichen Plunder vom Dachboden – und die Bedeutung des Hochadels im 21. Jahrhundert.

Sie leben bei Regensburg - was verbindet Sie da mit dem hannoverschen Welfenhaus?

Unsere Familien sind befreundet, aber verwandtschaftliche Beziehungen gibt es nicht. Wir sind ja katholisch; am Wochenende war ich noch zur Heiligsprechung der Päpste in Rom, und hier oben ist man ja sehr evangelisch. Davon abgesehen sind die Welfen natürlich eines der ältesten Geschlechter Europas, und ich finde es gut, dass Erbprinz Ernst August mit Aktionen wie dieser Ausstellung die Erinnerung an die Geschichte präsent hält. Meine Kinder sind leider nicht mitgekommen. Aber ich habe mich mit 30 auch noch nicht für Geschichte interessiert.

Wann waren Sie zuletzt in Hannover?

Ich war zur Expo 2000 hier - und danach noch einmal zur großen Auktion auf der Marienburg ...

...die umstritten war, da die Welfen viele Kunstschätze zu Geld machten ...

...bei der viel Plunder vom Speicher verkauft wurde. Aber es war natürlich Plunder aus königlichem Besitz, da hat ja schon manche Serviette einen ganz hohen Wert.

Diese Ausstellungseröffnung ist auch ein großes Adelstreffen. Welche Rolle spielt der Adel in unserem Land eigentlich noch?

Natürlich haben alle Menschen Bürgerrechte- und pflichten. Die Bedeutung des Adels liegt im Historischen, in der Reminiszenz an die Vergangenheit. Geschichte lebt, und Adelige sind so etwas wie ihre Protagonisten. Eigentlich müsste man uns unter Artenschutz stellen. Sonst sind wir irgendwann einfach weg. Dann muss man neue Gestalten erfinden, wie in Hollywood.

Interview: Simon Benne

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