Fund in Schleswig-Holstein

Mann baute riesige Kriegswaffensammlung auf

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Foto: Ermittler von Staatsanwaltschaft und Polizei präsentieren am 14. Juli 2015 in Husum eine Auswahl von Waffen und Munition aus dem Waffenlager eines Weltkriegssammlers im nordfriesischen Winnert.

Winnert/Husum - Sprengstoff, Panzerfäuste, Maschinengewehre, Revolver: Das alles sammelte ein Nordfriese bei sich zuhause. Zwei Tage brauchten die Ermittler, um die Weltkriegswaffen und die Munition abzutransportieren.

Eine Woche nach dem Fund eines Waffenlagers im nordfriesischen Winnert rätseln die Ermittler, woher der 35 Jahre alte Besitzer die zum Teil hoch explosive Sammlung hatte. "Dem wird nachgegangen", sagte die Flensburger Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt am Dienstag bei der Präsentation einer Auswahl der beschlagnahmten Waffen. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden gab sich der Mann als harmloser Sammler. "Ob es weitere Motive gibt, werden wir in der nächsten Zeit überprüfen", sagte Stahlmann-Liebelt.

Auf die Spur des 35-Jährigen waren Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) durch Zufall gekommen. Auslöser waren Routine-Ermittlungen des BKA im Zusammenhang mit sogenannten Dekorationswaffen. Der Mann soll über das Internet fünf Stück aus der Slowakei gekauft haben. Solche Waffen dürfen in Deutschland ohne Erlaubnis erworben werden, solange sie entsprechend den Gesetzen nicht oder nur eingeschränkt schussfähig sind. Im Ausland gelten jedoch zum Teil laschere Vorschriften, sodass die Waffen nach BKA-Angaben mit vergleichsweise geringem Aufwand wieder "kriegstauglich" gemacht werden könnten.

Waffennarr ist auf freiem Fuß

Bei einer Überprüfung im Haus des Nordfriesen hatten die Beamten dann unter anderem 90 Kilogramm TNT-Sprengstoff, zwei Panzerfäuste und eine russische Landmine entdeckt – und dazu 39 Gewehre, Maschinengewehre und Maschinenpistolen sowie diverse Revolver, Kisten mit Munition und illegale Feuerwerkskörper. Sprengstoffexperten mussten eine Handgranate im Garten sprengen, weil der Sicherungsstift durch einen Kabelbinder ersetzt war. Zwei Tage brauchten die Spezialisten, um das Arsenal des 35-Jährigen abzutransportieren. "Ich kann mich nicht erinnern, dass wir jemals ein solches Arsenal gefunden haben", sagte Stahlmann-Liebelt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Mann wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Dazu kommen mögliche Verstöße gegen das Waffengesetz. "Es wurden sehr viele Waffen sichergestellt. Jetzt muss im Einzelnen geprüft werden, welche Genehmigung man benötigt für welche Waffe", erklärte Stahlmann-Liebelt. "Soweit uns bekannt ist, lag überhaupt keine Genehmigung vor." Einen Haftbefehl will die Staatsanwaltschaft nicht beantragen: "Dazu fehlen die Haftgründe." Der Waffennarr hat den Angaben zufolge keine Vorstrafen.

Von Wolfgang Runge

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