Neuartige Tarnmode

Der Mantel des Schweigens

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Hannover - Ein Mantel der unsichtbar macht. Mit neuartiger Tarnmode will Stararchitekt Wolf D. Prix gegen Google, die NSA und den bösen Zauber der digitalen Ära ankämpfen.

Besonders kleidsam ist er nicht. Der „Störsender-Mantel“ sieht aus wie eine besonders unförmige Steppdecke. Dennoch ist das Kleidungsstück der Star auf der gestern eröffneten Mailänder Design-Triennale. Denn mit diesem Umhang wird der Träger unsichtbar – zwar nicht für Passanten, aber immerhin für NSA, Google und all die anderen bösen Zauberer der digitalen Ära.

Der Wiener Stararchitekt Wolf D. Prix, Mitbegründer des Büros Coop Himmelb(l)au (er entwarf die BMW-Welt in München), hat das Kleidungsstück zusammen mit Sophie Prix designt. Der Mantel enthält metallische Fasern. Sie blockieren Sendesignale und schützen so den Träger und seine Mobilfunkgeräte vor Ortung und Überwachung. Taschen für Tablet-Computer und Handys in der Innenseite machen es möglich, das mobile Büro abhörgeschützt durch die Gegend zu tragen. Nutzen kann man sie allerdings auch nicht: Schließlich haben die Geräte keinen Empfang, wenn der Mantel zugeknöpft ist.

Nicht nur gegen Handyortung, auch gegen Überwachungskameras soll der Tarnmantel-Träger gefeit sein. Das Muster aus Punkten und Wellen verwirrt angeblich Erkennungs-Software. Maschinen können nicht mehr erkennen, dass sich ein Mensch unter dem Mantel verbirgt. Die alte Idee, hinter wallender Mode die Problemzonen ihres Trägers zu kaschieren, hat der österreichische Tarnmantel also in die digitale Welt überführt.

Der Mantel reiht sich in eine ganze Reihe von neuer Anti-NSA-Kunst ein. Die Styling-Tipps des Künstlers Adam Harvey zum Beispiel ergänzen den Wiener Camouflage-Mantel perfekt. Nach drei Stunden Schminken, verspricht Harvey, wird man digital nahezu unsichtbar. Über die Augen hängende Strähnen, ein unregelmäßig geschnittener Pony und verpixelte Schminke verwirren die Computerprogramme, die auf biometrische Merkmale geeicht sind. Bereits mit einem Preisschild versehen ist Harveys „Anti-Drohnen-Mode“: Für 2500 US-Dollar (etwa 1800 Euro) gibt es eine Burka aus einem metallbeschichteten Stoff, der gegen Wärmebildkameras wirken soll, für 350 US-Dollar immerhin eine Kapuze. Die Sache hat nur einen Haken: Leider kann man sich mit dem Mantel nicht nur technisch, sondern auch modisch kaum sehen lassen.

Jan Sternberg

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