Freizeitunfälle

Mehr als 30 Badetote in Niedersachsen

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Foto: Badeunfälle in Niedersachsen nehmen zu: Im Raum Hannover ist zuletzt ein 60-jähriger Schwimmer in der Ortschaft Metel im Tannenbruchsee ertrunken.

Hannover - Niedersachsen nimmt bundesweit bei der Zahl der tödlichen Badeunfälle einen traurigen dritten Rang ein. „In Niedersachsen hatten wir bis zum Stichtag 8. August 32 tödliche Badeunfälle – damit liegt Niedersachsen an unrühmlicher dritter Stelle nach Bayern und Nordrhein-Westfalen“, erklärte DLRG-Sprecher Martin Janssen am Freitag.

Bayern lag bei 49, Nordrhein-Westfalen bei 33 Badetoten. Jüngstes Opfer in Niedersachsen ist eine 70-Jährige aus Elsfleth (Landkreis Wesermarsch). Ihre Leiche war am Donnerstag in der Weser entdeckt worden – die Polizei geht von einem Badeunfall aus. Bundesweit hat die Zahl der Badetoten bisher stark abgenommen.

Das schlechte Wetter hat die Zahl der tödlichen Badeunfälle bisher deutlich sinken lassen. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zählte bis zum 8. August 252 Badetote. „Im Vorjahr hatten wir bis zum Stichtag 19. August 306 solcher Unfälle“, sagte DLRG-Sprecher Martin Janssen am Freitag. Er geht davon aus, dass sich die Tendenz bis zur Präsentation der offiziellen Unfallbilanz im September bestätigen wird. Allerdings forderte der heiße Juli seinen Tribut: Die Zahl der Toten hat sich mit 71 gegenüber dem Vorjahr (34) mehr als verdoppelt.

Als besonders gefährdet gelten Menschen im Alter jenseits der 50. Im Vorjahr waren 55 Prozent aller Opfer älter als 50 Jahre, berichtete Janssen, der die Badenden mit Blick aufs warme Wochenende vor Leichtsinn und Selbstüberschätzung warnte. Der Rückgang in der vorläufigen Opferbilanz kam vor allem durch die ersten fünf Monate zustande: „Im Vorjahr haben wir zwischen Januar und Mai 189 Tote gezählt, in diesem Jahr waren es 132. Das waren aber in der Regel weniger Freizeitunfälle sondern echte Unglücksfälle.“

Fürs Wochenende warnt die DLRG Wassersportler und Urlauber vor dem unbedachten Sprung ins Wasser nach einem Sonnenbad: „Die DLRG rät allen Wasserratten und Wassersportlern bei der Hitze kühlen Kopf zu bewahren.“ Abkühlung sei unabdingbar vor dem Gang ins Wasser. Wer zu frieren beginne, solle es umgehend verlassen. Zudem gebe es in Baggerseen gefährliche Temperaturunterschiede. Während das Wasser an der Oberfläche oft warm ist, seien tiefere Schichten kälter. Die Folgen: Auskühlung, Leistungsabfall und die Gefahr von Krämpfen. Die Wassertemperatur an Nord- und Ostsee liegt zur Zeit bei 18 Grad.

Die DLRG bereitet sich auf die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen im kommenden Jahr vor. Neben diversen regionalen Veranstaltungen ist zum zentralen Festakt am 19. Oktober vor dem Berliner Reichstag eine Veranstaltung mit 100 Rettungsbooten aus ganz Deutschland geplant. Ein Seebrücken-Unfall auf der Insel Rügen hatte einst zur Gründung der überwiegend mit Freiwilligen tätigen DLRG geführt. In dem Seebad wurden beim Einsturz des Landungsstegs am 28. Juli 1912 bis zu 100 Menschen ins Meer gerissen, 16 starben.

dpa

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