Förster in Niedersachsen

Mehr Manager als Hegemeister

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„Es ist einfach schön, an der frischen Luft zu arbeiten“: Joachim Hansmann war 20 Jahre lang Revierförster. Mit den Heimatfilmen von früher hat seine Arbeit nichts mehr zu tun.

Meerdorf - Mit dem Bild aus den Heimatfilmen hat der Beruf des Försters gar nichts mehr zu tun. In den nächsten zehn Jahren geht die Hälfte der 550 Förster in Niedersachsen in den Ruhestand.

„Da“, sagt Joachim Hansmann und zeigt in die Baumkrone: „Viel zu ausgedünnt. Eigentlich dürften Sie da während der Laubzeit gar nicht durchschauen können.“ Auch wenn die Warnungen Anfang der achtziger Jahre vor dem „Waldsterben“ ziemlich schrill gewesen seien - in der Tendenz stimmten sie.

Joachim Hansmann, Jahrgang 1955, übt einen Beruf aus, der in Niedersachsen nach Jahren der Stellenstreichungen wieder eine große Zukunft hat. Er ist Förster, „ein toller Job“, sagt Hansmann, „weil er so vielseitig ist“. Es sei doch einfach zu schön, auch an der frischen Luft arbeiten zu können. Und dann die Bäume zu betrachten, natürlich gutachterlich, und mit der Sprühdose Zeichen setzen zu können - an Bäumen, die noch eine lange Zukunft vor sich haben, und solchen, die gefällt werden müssen. Der Förster ist, wenn man so will, Herr über Leben und Tod.

„Das hier“, sagt Hansmann und zeigt zu einer Esche, „macht uns derzeit die größten Sorgen - das Eschensterben.“ Ein Pilz, der aus Dänemark gekommen sei, setze den Bäumen zu. Das Waldsterben gehe weiter, wenn auch unspektakulärer. „Es ist ein schleichender Prozess. Früher hat man gesagt, Schwefel und Stickstoff führten zum Waldsterben. Heute ist alles viel komplexer, kommen Käfer und Pilze hinzu.“ Der Förster markiert den Baum, der bald gefällt wird, und zeigt auf einen anderen - einen „Zukunftsbaum“. Das rote Kreuz bedeutet den Waldarbeitern, die heute Forstleute heißen, „kann stehenbleiben“.

Hansmann ist einer von rund 550 aktiven Forstleuten in den Niedersächsischen Landesforsten, von denen etwa die Hälfte in den nächsten zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Deshalb prophezeit Agrarminister Christian Meyer jungen Leuten, die den Beruf des Försters erlernen wollen, „vortreffliche“ berufliche Aussichten. Lücken will der Agrarminister erst gar nicht entstehen lassen. 18 Forstinspektoranwärterinnen und -wärter hat er diese Woche vereidigt.

Für den Förster ist die Lücke auch eine Chance. Joachim Hansmann zeigt auf eine ganz kleine, von der Sonne beschienene Lichtung: „Hier, sehen Sie, haben sich wieder sehr viele junge Buchen angesiedelt, wie gewünscht.“ Förster Hansmann, der nach zwei Jahrzehnten als Revierförster jetzt Medienarbeit macht, hält eine supermoderne Spraydose in der Hand. Sie ist mit einem GPS-Empfänger gekoppelt, der Daten über die Bäume speichert. Später im Büro kann sich der Förster mit einer Luftbildkarte haargenau anschauen, wie es um seinen Wald bestellt ist.

„Es ist definitiv nicht so, dass wir Raubbau betreiben“, sagt der Förster aus Leidenschaft: „Es ist zwar richtig, dass wir mehr Holz einschlagen als früher, aber wir forsten viel gezielter auf und machen im Naturschutz wesentlich mehr als früher.“

Überhaupt hat die Arbeit des Försters heute wenig mit dem Berufsbild zu tun, das Heimatfilme nach wie vor vermitteln. Als ob die Zeit in den fünfziger und sechziger Jahren stehen geblieben wäre. „Damals ging man in grüner Uniform mit Dackel, Flinte und Schulterstücken in den Wald“, sagt Hansmann und schmunzelt. Heute sitze der Förster 30 Prozent seiner Arbeitszeit am Rechner. Hin und wieder komme er selbst zum Jagen, aber meistens organisiere er Jagden, als eine Art Jagdmanager. „Es ist keine Dienstpflicht mehr.“

Hansmann steht vor einem Stapel Holz und vermisst mit der „Kluppe“, seinem Messgerät, die Ware. „Die Maße müssen stimmen, sonst gibt’s Ärger mit den Abnehmern.“ Deutsches Holz sei bei den Chinesen sehr gefragt - trotz der riesigen Distanz. „Einen Container von Wilhelmshaven nach Schanghai zu schippern, kostet so viel wie ein Container auf dem Lastwagen von Peine bis Wilhelmshaven.“

Die Globalisierung hat auch vor dem deutschen Wald nicht haltgemacht.

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