Semesterstart

Mehr Studenten an Niedersachsens Hochschulen

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Zum Studienstart an den meisten Hochschulen in Niedersachsen hat sich am Montag ein Ansturm auf die Hörsäle abgezeichnet.

Hannover - Die Zahl der Studenten in Niedersachsen steuert nach ersten Schätzungen auf ein Rekordhoch zu. Viele Universitäten berichten über einen deutlichen Anstieg bei der Zahl der Erstsemester. Ein Grund könnte der doppelte Abiturjahrgang in Nordrhein-Westfalen sein.

Niedersachsens Hochschulen stehen bei Erstsemestern hoch im Kurs. Nach ersten Schätzungen steuert die Zahl der Studenten auf ein Rekordhoch zu. Aktuelle Zahlen für dieses Jahr wird das Wissenschaftsministerium in Hannover zwar erst im November vorlegen. Allerdings ist der Trend deutlich: „Der doppelte Abiturjahrgang in Niedersachsen ist zwar inzwischen zwei Jahre her, dennoch verzeichnen wir derzeit immer noch sehr viel mehr Studienanfänger als vor einigen Jahren“, sagte Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) der HAZ. Im Wintersemester 2012/2013 waren landesweit rund 170 000 junge Menschen eingeschrieben. Am Montag startete das neue Studienjahr.

Vermutet wird hinter dem neuerlichen Anstieg ein Zustrom aus Nordrhein-Westfalen – trotz der noch geltenden Studiengebühren in Niedersachsen. Im Nachbarland gab es dieses Jahr einen doppelten Abiturjahrgang.

Für die Hochschulen und die Studenten hat das Konsequenzen: Die Warte­listen für Wohnheimplätze sind lang, Hörsäle und Unterrichtsräume oft überfüllt. Nach Daten des Studentenwerks in Hannover hat die Zahl der Studierenden an der Leibniz-Uni um zwei Prozent zugenommen – in Osnabrück, nicht weit von NRW, stieg die Zahl sogar um vier Prozent. Ministerin Heinen-Kljajic ­bezeichnete den Ansturm als „Herausforderung“. Die Hochschulen hätten sehr große Anstrengungen unternommen.

Sorgen bereitet Experten allerdings die Abbrecherquote in einigen Disziplinen. In Ingenieursfächern liege diese bei etwa 50 Prozent, bemängeln unisono die Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) sowie die Industrie- und Handelskammer Hannover (IHK). „Das ist eine Frage der Orientierung nach der Schule“, sagte Horst Schrage, Hauptgeschäftsführer der IHK. Berufsorientierung müsse schon in der Schule stattfinden, um die Abbrecherquote zu verringern. „Auch die Ausbildung in Betrieb und Berufsschule kann eine Karrieremöglichkeit sein.“

Berufsorientierung sollte verpflichtend sein

Volker Müller von den UVN spricht sich gar für eine „verpflichtende Berufs- und Studienorientierung in den Schulen – auch an Gymnasien“ – aus. „Wir müssen unseren Gymnasiasten helfen, die für sie richtige Bildungsentscheidung zu treffen.“ Diese sollten durchaus öfter Angebote der Wirtschaft wie etwa duale Studiengänge oder die Lehre in Betrieb und Berufsschule in Betracht ziehen. Volker Schmidt von Niedersachsenmetall verweist auf „viele Karrierechancen“ über eine Berufsausbildung mit anschließender Weiterbildung

Da die Nachrücker- und Losverfahren für die Studienplatzvergabe noch nicht abgeschlossen sind, können die Studentenzahlen noch weiter steigen. Die offizielle Bilanz wird das Wissenschaftsministerium im November bekanntgeben. Vorlesungsbeginn war nach Angaben des Ministeriums für die meisten Universitäten am Montag, doch beginnen vor allem Fachhochschulen auch zu anderen Terminen.

Auch die kleine TU in Clausthal im Harz berichtet über „deutliche Zuwächse“. „Es wird auf jeden Fall auf einen neuen Rekord in der 238-jährigen Geschichte der Universität hinauslaufen“, sagt Sprecher Manuel Juhrs. Ein Drittel der 4332 Studenten kamen im Wintersemester 2012/2013 aus dem Ausland - ein Wert, der stabil blieb.Die Universität Göttingen beobachtet einen ähnlichen Aufwärtstrend. Im Wintersemester 2012/2013 hatte sie 26.400 Studenten, davon 4.200 neue. „Seit dem Ende der 1990er Jahre haben wir einen ungebrochenen Aufwärtstrend, der sich auch diesmal mit einem leichten Anstieg fortsetzt“, sagt Uni-Sprecher Romaf Bielke.

Gleiches Bild an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg: Gab es zum Wintersemester 2012/2013 noch 2046 Erstsemester, so sind es bisher schon 2276 Studienanfänger. Insgesamt kommt die Hochschule nun auf mehr als 12.770 Studierende (12.019). Auch die Universität Hildesheim spürt einen Anstieg der Studentenzahlen: Sie stiegen innerhalb von zehn Jahren von knapp 4000 auf nun 6600. Schwerpunkt der international ausgerichteten Uni sind Erziehungs- und Kulturwissenschaften sowie zunehmend der IT-Bereich. „Mehr als drei Viertel der Kulturwissenschafts-Studenten kommen aus anderen Bundesländern“, sagte Uni-Sprecherin Isa Lange. Die Stadt, die nach der jüngsten Volkszählung unter die 100.000- Einwohner-Marke fiel, drängt die neuen Studenten zur Anmeldung des Erstwohnsitzes in Hildesheim: Sie war daher mit einer mobilen Meldestelle auf dem Campus vertreten.

Karl Doeleke / dpa

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