Tag nach dem Absturz von Flug 4U9525

Merkel und Hollande besuchen Unglücksstelle

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Am Mittwochnachmittag traf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Besuch in der Unglücksregion ein.

Paris - Einen Tag nach dem Absturz des Germanwings-Airbusses in Südfrankreich hat die Fluggesellschaft die Zahl der getöteten Deutschen auf 72 nach oben korrigiert. Derweil setzten Helfer an der Absturzstelle die Suche nach der weiter unbekannten Unglücksursache mit Hochdruck fort.

An Bord waren nach neuen Erkenntnissen zudem Menschen aus mindestens 14 weiteren Staaten, wie Germanwings-Geschäftsführer Thomas Winkelmann am Mittwoch in Köln mitteilte. Zunächst war Germanwings von 67 Deutschen unter den insgesamt 150 Todesopfern ausgegangen. Wie die spanische Regierung in Madrid mitteilte, waren mindestens 49 Spanier an Bord der Unglücksmaschine. Nach Angaben Winkelmanns kamen je zwei Passagiere aus Australien, Argentinien, Venezuela, dem Iran und den USA, je einer aus Großbritannien, den Niederlanden, Kolumbien, Mexiko, Japan, Dänemark, Belgien und Israel.

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Die Betreuung der Angehörigen habe „höchste Priorität“, sagte Winkelmann. Es sei das Bestreben von Germanwings und der Muttergesellschaft Lufthansa, „jedem Einzelnen“ psychologische Hilfe zukommen zu lassen. Der Germanwings-Geschäftsführer wollte noch am Mittwoch gemeinsam mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr zunächst mit Angehörigen am Düsseldorfer Flughafen zusammentreffen. Anschließend sei ein Flug nach Barcelona zu Zusammenkünften mit dortigen Hinterbliebenen geplant.

Der Airbus A320 war am Dienstagvormittag auf dem Flug von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen aus ungeklärter Ursache abgestürzt. Von der nahe der Unglücksstelle gelegenen Ortschaft Seyne in den französischen Alpen wurden am Mittwochmorgen Einsatzkräfte mit Hubschraubern zu der schwer zugänglichen Absturzstelle geflogen, der gefundene Stimmrekorder des Airbus A320 zur Auswertung nach Paris zur französischen Luftfahrtermittlungsbehörde BEA gebracht. Erste Ergebnisse wurden für den späten Nachmittag erwartet.

Die zweite Blackbox, der Flugdatenschreiber, wurde zunächst nicht gefunden. Nach den Worten von Premierminister Manuel Valls wurde die Maschine „im wahrsten Sinne des Wortes pulverisiert“. Innenminister Bernard Cazeneuve betonte im Sender RTL, bei der Suche nach der Absturzursache müssten „alle Hypothesen im Einzelnen betrachtet werden“. Die Möglichkeit eines Terroranschlags sei aber „nicht vorrangig“. Valls sagte in Paris, bisher scheine lediglich „eine Explosion in der Luft“ ausgeschlossen.Die zuständige Staatsanwaltschaft von Marseille hat inzwischen Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung eingeleitet. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hob in Berlin hervor, es gebe „keine belastbaren Hinweise“ darauf, dass ein Anschlag auf das Flugzeug verübt wurde.

Merkel und Hollande in der Unglücksregion

Am Mittwochnachmittag traf Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Besuch in der Unglücksregion ein. Gemeinsam mit Frankreichs Staatschef François Hollande überflog Merkel in einem Hubschrauber der französischen Luftwaffe die Unglücksstelle und landete dann in der Ortschaft Seyne, wo die Einsatzkräfte ihr provisorisches Hauptquartier errichtet haben. Bei dem Besuch waren auch der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy und die Airbus-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) dabei.

Schweigeminute bei der Lufthansa

Die Mitarbeiter von Lufthansa und Germanwings gedachten am Mittwochvormittag mit einer Schweigeminute der Opfer der Flugkatastrophe. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sagte in Frankfurt am Main, es sei unerklärlich, wie ein „technisch einwandfreies“ Flugzeug mit zwei erfahrenen Piloten verunglücken könne.

Getrauert wurde auch am Joseph-König-Gymnasium im nordrhein-westfälischen Haltern. Bei dem Absturz waren 16 Schüler und zwei Lehrerinnen des Gymnasiums ums Leben gekommen. Spanien gedachte ebenfalls mit einer Schweigeminute der Absturzopfer.

Derweil bot Germanwings auch mit Unterstützung anderer Airlines am Mittwoch wieder nahezu alle Flüge an. Lediglich eine Verbindung wurde nach Angaben der Lufthansa-Tochter gestrichen.

dpa

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