Mordanschlag auf Taxifahrerin

Messerstecher soll zur Tat getrieben worden sein

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Was geschah im Taxi? Die Staatsanwaltschaft trägt immer mehr Details rund um die Messerattacke zusammen.

Hildesheim - Im Fall zum Mordanschlag auf eine Hildesheimer Taxifahrerin kommen immer mehr Details ans Licht. Weil seine Freunde dem 18-Jährigen Täter sagten, er könne nur zur Gruppe gehören, wenn er die Taxifahrerin absteche, rammte er der Fahrerin vom Beifahrersitz aus ein Messer in den Hals.

Stück für Stück kommen weitere Einzelheiten zum Mordanschlag auf eine Hildesheimer Taxifahrerin heraus. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt vier Freunde des mutmaßlichen Täters angeklagt.Hintergrund: Die jungen Hildesheimer, darunter eine 17-Jährige, sollen den Täter zu der Attacke getrieben haben. Offenbar wurde der 18-Jährige gehänselt und mit einem Elektroschocker gequält.

Sie könne sich an keinen vergleichbaren Fall erinnern, sagt Christina Pannek, die Sprecherin der Hildesheimer Staatsanwaltschaft. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die Gruppe in der Tatnacht Ende Januar ein Taxi nach Groß Düngen bestellte. Die 57-jährige Fahrerin wollte nicht die gesamte Runde mitnehmen, verlangte aber die Kosten für ihre Anfahrt. Es kam zum Streit - am Ende zahlte der mutmaßliche Haupttäter elf Euro. Seinen Begleitern missfiel das.

Bereits auf der Rückfahrt nach Hildesheim in einem anderen Taxi sollen sie den 18-Jährigen gehänselt und als „Dulli“ beleidigt haben. Als die Clique später in der Wohnung des jungen Mannes weiterfeierte, musste er weitere Attacken seiner Freunde über sich ergehen lassen. Erst verbal, dann körperlich. Wenn es stimmt, was die Anklage der Gruppe vorwirft, griff jeder mindestens einmal zu einem sogenannten Taser und versetzte dem jungen Mann damit Elektroschocks. Zum Mordversuch angestiftet haben soll ihn dann ein gleichaltriger Hildesheimer: Er könne alles wieder gut machen und weiter zur Gruppe gehören, dazu müsse er aber die Taxifahrerin „abstechen“, soll der Mann gesagt haben.

Der mutmaßliche Haupttäter soll unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden haben. Er nahm laut Anklage die Mischung aus Racheauftrag und Mutprobe an, bewaffnete sich mit einem Küchenmesser und bestellte sich die Fahrerin in die Hildesheimer Innenstadt. Er habe ein Gespräch mit ihr begonnen, das er nun fortsetzen wolle, sagte er gegenüber der Zentrale.

Staatsanwältin Pannek zufolge soll ein 17 Jahre alter Jugendlicher aus der Gruppe kontrolliert haben, ob wirklich die gewünschte Fahrerin in der Gerberstraße eintraf - er wurde nun wegen Beihilfe zum versuchten Mord angeklagt. Einer 17 Jahre alten Hildesheimerin und einem 21-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft Nichtanzeige geplanter Straftaten vor; alle vier Bekannte des mutmaßlichen Haupttäters müssen sich zudem wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Tatsächlich rammte der 18-Jährige der Fahrerin vom Beifahrersitz aus ein Messer in den Hals. Die Frau kam mit einer Stichverletzung und dem Leben davon - auch, weil sie sich laut Anklage gegen weitere Stichversuche erfolgreich gewehrt haben soll. Der Angreifer verschwand in der Nacht, wurde aber schnell ermittelt, weil er das Taxi mit seinem Handy bestellt hatte.

Er sitzt in Untersuchungshaft und soll die Tat im Wesentlichen gestanden haben. Was die Gespräche in der Wohnung angeht, stützen auch der 21-Jährige und der 17-Jährige seine Angaben. Die beiden übrigen Mitglieder der Gruppe schweigen zu den Vorwürfen. Wann der Prozess beginnt, steht noch nicht fest.

Von Christian Wolters

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