Traditionsveranstaltung

Meyer stoppt Absage der Celler Hengstparade

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Foto: Veranstaltung mit Tradition: Hengstparade in Celle

Celle - Berichte über ein Aus der beliebten Celler Hengstparade haben Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer unter Druck gesetzt. Er hat deshalb eine Fortsetzung der traditionsreichen Veranstaltung angewiesen. Von einer Einstellung könne keine Rede sein, sagte der Grünen-Politiker.

„Eine lange Tradition geht zu Ende…“ – unter dieser Überschrift hat das Landgestüt Celle in dieser Woche viele Pferdezüchter und Reiter aufgeschreckt. Auf seiner Internetseitekündigte der seit 1735 bestehende Landesbetrieb an, dass es vom kommenden Jahr an keine Hengstparaden mehr geben wird. Die „hohen Kosten“ und „durch den Landesrechnungshof auferlegte Sparzwänge“ hätten diesen Schritt erforderlich gemacht. Angeblich ist das jährliche Defizit des Landgestüts in jüngster Zeit auf einen einstelligen Millionenbetrag angewachsen, nachdem es 2006 noch bei 108.000 Euro gelegen hatte.

Agrarminister Christian Meyer (Grüne) ist offensichtlich von der Entscheidung der ihm unterstehenden Gestütsleitung überrascht worden, genau wie alle Celler Landtagsabgeordneten. Meyer will das Aus nicht hinnehmen. Gestern Abend teilte er mit, er werde das Landgestüt anweisen, „an der bewährten und beliebten Veranstaltung festzuhalten“. Das Land habe auch „nicht die Mittel für die Hengstparaden gekürzt“. Er stehe zu der Celler Traditionsveranstaltung, sagte er der HAZ. „Auch in den nächsten Jahren werden daher die Hengstparaden für Begeisterung in Celle und darüber hinaus sorgen.“

Schaufenster des deutschen Pferdelandes Nr. 1

Das Celler Landgestüt ist 2008 mit der weltweiten Finanzkrise in eine akute Schieflage geraten. Die Stutenbedeckungen in Niedersachsen gingen seither von rund 20 000 pro Jahr auf zuletzt 14 400 zurück. Auch der weltweite Handel mit dem Sperma der Celler Hengste brach ein. Die Gestütsleitung in Celle reagierte auf die geschrumpfte Nachfrage und reduzierte die Zahl der Hannoveraner Deckhengste von einst fast 170 auf jetzt nur noch gut 100. Auch der Personalbestand wurde erheblich verringert. Zugleich erhöhte das Gestüt die Eintrittspreise. Die besten Sitzplätze für die Paraden, die in diesem Herbst noch stattfinden sollen, kosten 41,50 Euro, für einen Stehplatz werden 15,20 Euro verlangt.

Kaum hatte sich die Nachricht vom drohenden Ende der klassischen Hengstparaden herumgesprochen, da bekannten sich Politiker aller Landtagsparteien zum Landgestüt und forderten einen Fortbestand der Veranstaltung. Die CDU-Fraktion erklärte, sie erwarte, „dass die rot-grüne Landesregierung alles tut, um das Ende dieser Tradition zu verhindern“. FDP-Fraktionsvize Jörg Bode sagte: „Jetzt kann die Landesregierung beweisen, ob sie das Pferd nur im Wappen oder auch im Herzen trägt.“ Die SPD-Fraktion betonte, die Hengstparaden seien nicht nur für die Stadt Celle, „sondern auch für unser Land unverzichtbar. Sie sind seit über 100 Jahren ein Aushängeschild für Niedersachsen – und das muss so bleiben!“

Die Organisation der Pferdezüchter warf dem Landgestüt einen „Traditionsbruch“ vor, „den wir nicht gutheißen können“. Werner Schade, Zuchtleiter und Geschäftsführer des „Hannoveraner-Verbandes“, sagte der HAZ, die Hengstparaden gehörten zu Celle und zu Niedersachsen. Sie seien gewissermaßen das Schaufenster des deutschen Pferdelandes Nummer eins und für die Vermarktung der edlen Pferde aus dem hannoverschen Zuchtgebiet lebensnotwendig.

Stichwort: Hengstparade

Im laufenden Jahr sind nur noch zwei klassische Hengstparaden geplant, am 26. und 27. September. Für den 3. Und 4. Oktober hat Landstallmeister Axel Brockmann Kollegen aus den Landgestüten Redefin und Neustadt/Dosse eingeladen. Sie sollen an zwei Jubiläumsparaden mitwirken, die unter dem Motto „25 Jahre Deutsche Einheit“ stehen. Für 2016 steht in Celle bisher nur noch eine Hengstpräsentation im Terminkalender, dann heißt es schlicht: „Erlebnis Landgestüt“. vdB

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