Präsidentengattin

Michelle Obama macht mit ihrem Pony Schlagzeilen

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Daumen hoch: Michelle Obama macht mit ihrer Frisur Schlagzeilen.

Washington - Man muss sich das einmal vorstellen: Da sitzt Michelle Obama beim Friseur und bittet darum, das Haar über der Stirn zu kürzen – und kurz darauf spricht die ganze Welt darüber. Seit Tagen wird im Zusammenhang mit der First Lady der Vereinigten Staaten keine Gelegenheit ausgelassen, um ihre neue Frisur zu erwähnen.

„Der Pony überschattete die Amtseinführung“ meldete der TV-Sender CBC News. Die Internetzeitung „Huffington Post“ titelte gar „Michelle Obamas Pony ist ein Schock für das System“ während das Society-Magazin „Vanity Fair“ aus der Begeisterung gar nicht mehr herausfinden konnte und die First Lady nach einem „Super süß“ in einem Atemzug mit Stilikonen und Pony-Trägerinnen wie Brigitte Bardot, Jane Birkin und Anna Wintour nannte.

In einer Ansprache auf einem der Amtseinführungsbälle sah sich schließlich auch Ehemann und US-Präsident Barack Obama dazu genötigt, zur neuen Frisur Stellung zu nehmen. „Um gleich mal das wichtigste Ereignis dieses Wochenendes anzusprechen: Ich liebe ihren Pony … Sie sieht so gut aus. Sie sieht immer gut aus“, sagte Obama charmant scherzhaft.

Ausgelöst hatte die ganze Aufregung am Donnerstag ein zunächst recht unscheinbares Foto, das die First Lady kurz nach ihrem 49. Geburtstag über ihren neuen Account im Kurznachrichtendienst Twitter versendet hatte. Die Nachricht über den eigentlichen Anlass des Tweeds, ein Empfang mit verdienten Bürgern, allerdings verpuffte. Mittlerweile ergibt die Google-Suche nach „Michelle Obama“ und „Bangs“ – dem amerikanischen Wort für Pony-Frisur – mehr als 70 Millionen Treffer. Nur mal so zum Vergleich: Albert Einstein bringt es auf gerade einmal auf 50 Millionen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Frisur eines Prominenten für Schlagzeilen sorgt. Vor etwa sechs Jahren versetzte Ursula von der Leyen die Fotografen der Hauptstadt in Aufregung, als sie ihre biedere Hochsteckfrisur gegen einen Stufenschnitt tauschte und plötzlich nicht mehr aussah wie eine Religionslehrerin. Diskussionen um die stoffummantelten Neunziger-Jahre-Haargummis von Ex-US-Außenministerin Hillary Clinton füllten ganze Internetforen. Und ebenfalls ein angedeuteter Pony war es, der Herzogin Catherine, Ehefrau von Prince William, zum Gegenstand von haarigen Diskussionen machte – auch wenn später niemand zugibt, dass er sich für ein so banales Thema interessiert.

„Haare sind ein Signal für Individualität, ein Ausdruck der Einzigartigkeit und auch für private Einstellungen“, sagt der Attraktivitätsforscher Ronald Henss. Besonders groß ist das Interesse am Erscheinungsbild der Stars und Prominenten nach Meinung des Autors und Schönheitsexperten Ulrich Renz aber auch, weil sie ihren Fans durch ihre Dauerpräsenz in den Medien paradoxerweise besonders nah und vertraut erscheinen. Da müssen bei einer einschneidenden Veränderung des Äußerlichen ebenso alle mitreden, wie bei einer Trennung. Wäre Michelle Obama allerdings weniger attraktiv, schwünde das Interesse, meint Renz. Oder weiß etwa jemand, welche Frisur die Ehefrau von Großbritanniens Premier David Cameron zurzeit trägt?

Welches Motiv hinter der neuen Frisur von Michelle Obama steht, liegt jedoch trotz zahlreiche Berichte im Dunkel. Der Sender ABC zitierte jüngst den Stylisten Johnny Wright, der seit dem Einzug ins Weiße Haus den Stil Michelle Obamas maßgeblich mitgeprägt hat, mit den Worten, dass die Frisur rein zufällig entstanden sei, und dahinter keine Aussage stehe – allerdings meinte er damit einen Schnitt aus dem Jahr 2010. Nicht selten, das ist wissenschaftlich bewiesen, bestimmt eine neue Frisur jedoch einen neuen Lebensabschnitt. Für Michelle Obama ist mit der zweiten Amtszeit ihres Mannes eine neue Ära angebrochen. Oder anders gesagt: Die Zeit im Weißen Haus läuft ab. Das Präsidentenpaar, das so vielversprechend gestartet war, muss nun zeigen, was es noch durchsetzen kann.

Dazu passt auch die neue Frisur: „Ein Pony ist sehr kraftvoll, er symbolisiert Energie und Entschlossenheit“, sagt etwa der Berliner Starfriseur André Märtens. Einem Pony wird außerdem nachgesagt, dass er ein Gesicht jünger erscheinen lasse. Nachdem es bei Barack Obama gerade einmal 44 Tage gedauert haben soll, bis er im Amt ergraute, will die „New York Times“ beobachtet haben, dass sich auch im Gesicht der allseits als wunderschöne Frau gelobten First Lady ein paar neue Falten abzeichneten.

Und nun? Wird der Pony ein neuer Trend? André Märtens glaubt nicht daran. „In Deutschland ist diese Frisur schon lange gefragt. Bisher war noch keine Kundin bei mir, die sich bei ihrem Pony auf Michelle Obama bezogen hat.“ In den USA allerdings fand die First Lady schon zahlreiche Nachahmer: Kurz nach dem ersten Foto, das Michelle Obama mit neuer Frisur zeigte, sendeten zahlreiche Amerikanerinnen über den Kurznachrichtendienst Twitter Bilder, die sie mit haarbedeckter Stirn zeigten. Ungeachtet dessen, was Trendspotter derzeit bei den Modewochen in London, Paris, Mailand und New York auf den Köpfen sichten, Amerika hat gewählt: Die Frisur des Jahres ist ein Pony.

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