Renaturierung

Millionen für die Moore

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Foto: Unter Naturschutz: Im Teufelsmoor bei Worpswede wird noch Torf abgebaut, aber weite Teile sind bereits wiedervernässt.

Hannover - Die niedersächsische Landesregierung fördert die Renaturierung von Mooren, um Klima und Tiere zu schützen. Dabei sollen mehrere Millionen Euro für die Aufwertung von Mooren zur Verfügung gestellt werden.

Moore sind riesige Kohlendioxidspeicher und damit eigentlich eine wichtige Säule des Klimaschutzes. Doch seitdem Menschen den Boden etwa für den Torfabbau nutzen, hat sich dieser positive Effekt in einen negativen umgewandelt: Nun wird das in der Erde eingelagerte Kohlendioxid freigesetzt und entweicht in die Atmosphäre. Um diese Entwicklung aufzuhalten und sogar umzukehren, will die Landesregierung nun mit einem millionenschweren Schutzprogramm wertvolle Moorflächen wiedergewinnen.

In den kommenden sechs Jahren wollen Umweltminister Stefan Wenzel und Landwirtschaftsminister Christian Meyer (beide Grüne) allein aus EU-Mitteln bis zu 35 Millionen Euro für die Renaturierung von Mooren zur Verfügung stellen. Ziel sei es, sowohl das Klima als auch Tiere und Pflanzen zu schützen. Doch neben dem Naturschutz sollen auch die Interessen von Landwirten und der Torf­industrie bedacht werden – einen beträchtlichen Teil der niedersächsischen Moore nutzen Landwirte. Deshalb will die Landesregierung Bauern Flächen in entsprechenden Gebieten abkaufen oder ihnen Boden außerhalb von Mooren zum Tausch anbieten. Für diesen Landankauf stehen rund elf Millionen Euro aus EU-Mitteln zur Verfügung. Durch das Wiederbenässen der ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen sollen dann neue Moore entstehen.

Auch mit der Torfindustrie wollen die Minister im Dialog bleiben. 80 Prozent des deutschen Torfes kommen aus Niedersachsen. Etwa 2500 Beschäftigte hat die Branche hier. „Wir haben kein Interesse daran, dass der Torfabbau bei uns eingegrenzt wird, und der Torf dann aus Osteuropa eingeführt wird“, sagte Wenzel. „Dies wird aber geschehen“, entgegnet die Sprecherin des Industrieverbandes Garten (IVG), Tanja Constabel. Es gebe einfach noch zu wenige Ersatzstoffe für Torf, die in der Landwirtschaft oder im Garten genutzt werden könnten.

Unabhängig von den Plänen der Landesregierung haben die Torfindustrie und der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ein eigenes Konzept zur Zukunft der Moore entwickelt. Es sieht vor, dass die Unternehmen über die bisher vorgesehenen Abbauflächen hinaus in ausgewählten weiteren Gebieten Torf abbauen dürfen. Sie werden aber gleichzeitig dazu verpflichtet, Flächen wiederzuvernässen und sich zum Ausgleich auch um die Revitalisierung weiterer Moorareale zu kümmern.

Geschützt werden sollen mit der Renaturierung der Moore auch die Tiere, die dort leben. Dazu zählen neben dem Kranich auch bedrohte Arten wie das Birkhuhn, die Bekassine, der Hochmoorperlenmutterfalter, die Nachtschwalbe und der Moorfrosch. „Ohne die Moore ist der Lebensraum dieser Tiere zerstört“, sagte der niedersächsische Nabu-Vorsitzende Holger Buschmann.

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