Baustelle am Salzgitter-Dreieck

Millionen-Pfusch beim Ausbau der Autobahn 7

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Dauerbaustelle: Die A7 zwischen Hildesheim und Göttingen.

Bockenem - Vier Jahre lang wurde die Autobahn 7 zwischen Bockenem und dem Salzgitter-Dreieck ausgebaut, rund 60 Millionen Euro in den Teilabschnitt investiert. Jetzt kommt heraus: Die beteiligten Unternehmen haben offenbar gepfuscht und krebserregende Stoffe verbaut. Das Verkehrsministerium verlangt eine Sanierung.

Die gerade erst auf drei Spuren ausgebaute Autobahn 7 im Kreis Hildesheim muss auf 12 Kilometern Länge schon wieder saniert werden. Grund ist nach Angaben des Verkehrsministeriums eine Belastung mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) zwischen den Anschlussstellen Salzgitter und Bockenem. Obwohl einige der PAK krebserregend sind, besteht nach Angaben des Umweltministeriums keine akute Gesundheitsgefahr. Niedersachsen hat die Abnahme der Strecke verweigert und spricht von einer „vertragswidrigen Ausführung von Leistungen“.

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Der Abschnitt der A 7 war nach drei Jahren Bauzeit im Mai 2014 für 60 Millionen Euro auf drei Spuren je Fahrtrichtung erweitert worden. Die Giftstoffe stammen aus einer Teersandschicht unter der alten, in den fünfziger Jahren errichteten Autobahn. Der Umgang mit dem Teersand war Teil der Ausschreibung. Der giftige Sand sollte eigentlich mit einer Zementschicht fixiert werden. Wie die PAK dennoch in den Mittelstreifen und die Böschung neben den Fahrbahnen gelangen konnten, ist unklar.

Verkehrsminister Olaf Lies zeigte sich am Freitag „entsetzt“ von der Nachricht. „Ich bin schon erstaunt, wie das passieren kann, wenn es ein klares Sanierungskonzept gibt“, sagte der SPD-Politiker der HAZ. „Das bedarf schon einer besonderen Erklärung.“ Das Land habe daher Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet.

Zu der Frage, ob die vier an dem Baukonsortium beteiligten Unternehmen möglicherweise Kosten sparen wollten, wollte Lies keine Einschätzung abgeben. Experten halten es aber für schwer erklärbar, dass das aus Versehen geschehen ist, da der gesamte Bauabschnitt betroffen ist. Eine Stellungnahme der Bauunternehmen war am Freitag nicht mehr einzuholen.

Sperrung der A7 am Wochenende

Autofahrer müssen am Sonnabend im südlichen Niedersachsen mit Behinderungen rechnen. Die A7 wird von 14 bis 20 Uhr zwischen Rhüden und Seesen (Kreis Goslar) in Fahrtrichtung Kassel voll gesperrt. Grund ist der Ausbau der Autobahn auf sechs Spuren. Im gleichen Zeitraum sei auch der Überholfahrstreifen in Fahrtrichtung Hannover gesperrt, teilte die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Bad Gandersheim mit. Grund sind Arbeiten im Zusammenhang mit dem sechsstreifigen Ausbau der Autobahn. Umleitungsstrecken sind ausgeschildert.

Lies möchte, dass die Sanierung so schnell wie möglich beginnt. Wann es losgehen kann, ist derzeit aber noch unklar. Die Kosten werden auf 1 bis 2 Millionen Euro geschätzt, die das Baukonsortium übernehmen soll.

Autofahrer müssen sich auf der Strecke demnächst wieder auf Behinderungen einstellen. Da der Mittelstreifen auf der gesamten Länge von 12 Kilometern ausgekoffert werden muss, muss die linke Fahrspur in beide Richtungen gesperrt werden. Auch die Sanierung der Böschung neben der Autobahn dürfte nicht ohne Behinderungen für den Verkehrsfluss bleiben. Bei Bockenem fahren nach Angaben der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr täglich mehr als 58 000 Fahrzeuge, darunter fast 11 000 Lkw. Außerdem wird die A 7 im weiteren Verlauf zwischen Bockenem und Seesen derzeit ebenfalls auf drei Spuren erweitert.

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