Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Lothar Lampe

Millionen in den Wind geblasen

Diepholz - Die Staatsanwaltschaft Stade ermittelt gegen den früheren Vorsitzenden des Diepholzer Landvolks wegen Untreue in einem besonders schweren Fall.

Das bestätigte Staatsanwalt Kai Thomas Breas am Dienstag. Die Ermittlungen richten sich nicht nur gegen den 68-jährigen Lothar Lampe, sondern auch gegen den ehemaligen Geschäftsführer und den Steuerberater des Landvolks. Um welche Schadenssumme es insgesamt geht, wollte der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht sagen.

Dem Vernehmen nach soll es sich um insgesamt mindestens 2,4 Millionen Euro handeln. So soll Lampe 1,23 Millionen Euro an die Firma Westwind GmbH in Kirchdorf für die Planung eines nie gebauten Windparks gezahlt haben. Das Geld hat die Firma aber mittlerweile an das Landvolk zurückgezahlt. Zudem soll Lampe unrechtmäßig Millionenspenden an Stiftungen geleistet haben, an denen er zum Teil selbst beteiligt war.

Lampe hat eine zentrale Rolle beim Ausbau der Windenergie in dem Landstrich gespielt, denn jahrelang war der Landvolk-Vorsitzende auch ehrenamtlicher Geschäftsführer von zwei Tochtergesellschaften des Bauernverbandes. Die waren für die Planung und den Betrieb von Windparks zuständig, in die örtliche Landwirte investiert hatten.

Nach Angaben des niedersächsischen Landvolkverbandes sind Beteiligungen über Tochterfirmen an Biogas- und Windkraftanlagen gang und gäbe. So würden Landwirte nicht nur ihr Land verpachten, sondern könnten auch am Gewinn teilhaben, sagt eine Sprecherin. Lampe soll das ihm anvertraute Geld aber nicht nur in Windparks investiert, sondern auch für Spenden etwa an die Deutsche Stiftung Kulturlandschaft abgezweigt haben. Hier war der 68-jährige FDP-Politiker, der auch stellvertretender Bürgermeister von Drentwede ist, bis zum Sommer noch Vorsitzender des Stiftungsrates. Auch die Berliner Sind GmbH, eine Tochterfirma des Gesamtverbandes der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeber, erhielt eine Zuwendung von rund 90 000 Euro. Lampe war lange dessen Präsident.

Dass der Landvolk-Vorsitzende automatisch auch ehrenamtlicher Geschäftsführer der Windsparte war, hält Lampes Nachfolger Theo Runge für falsch. Mittlerweile betreibt das Landvolk Diepholz indirekt zehn Windparks. Die größte Anlage mit zehn Windrädern steht in Lemförde. „Zehn Windparks mal so nebenbei zu betreiben, das geht überhaupt nicht“, sagt Runge. Er hat für die Windsparte deshalb eine hauptamtliche Geschäftsführerin eingestellt. Die Stader Ermittler haben den Fall erst vor Kurzem von der Staatsanwaltschaft Verden übernommen. Dort war ursprünglich der Vorwurf der Korruption überprüft worden. Dieser Verdacht hatte sich laut Breas aber nicht erhärtet. Nun geht es um Wirtschaftskriminalität, und dafür sind die Stader Ermittler zuständig.Ins Rollen gekommen war der Fall im Herbst 2012 durch eine Anzeige nach einer Steuerprüfung bei der Firma Westwind. „Da ist uns jemand zuvorgekommen“, sagt Birte Brackmann, Sprecherin des Landvolkverbandes Diepholz. Man habe bereits mehrere Schadensersatzklagen gegen Lampe, den Steuerberater und den früheren Geschäftsführer eingereicht. Ob noch weitere hinzukommen, werde derzeit geprüft. Lampe wollte sich nicht äußern.

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