Protest von Atomgegnern

Millionenfracht erreicht Grohnde

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Streng geheim: Am Sonntag machte sich ein zweites Frachtschiff, samt Schlepper „Werra“, auf den Weg. Es soll weitere Ersatzteile für das Kraftwerk geladen haben.

Grohnde - Begleitet von Protesten ist am Sonntag ein neuer Generator für das Atomkraftwerk Grohnde im Kreis Hameln angekommen. Das riesige Teil kam per Schiff zum Anleger des Kraftwerks an der Weser, wie ein Polizeisprecher mitteilte.

Atomkraftgegner protestierten mit Transparenten an zwei Brücken gegen den geplanten Weiterbetrieb des Kraftwerks, das derzeit auf unbestimmte Zeit für Reparaturen vom Netz ist. Auf einem Plakat stand in Anspielung auf den gebrauchten Ersatzgenerator, der Rost angesetzt hat: „Atomschrott - nein danke!“

Der Weserstand fällt, die Spannung steigt. Die Frage, die gestern lange Zeit im Raum stand, war: Wird die Millionenfracht, die für das Atomkraftwerk bestimmt ist, ihr Ziel erreichen? Die mit der Welle aus der Edertalsperre angepeilten 1,50 Meter wurden nicht erreicht. Als der Wasserstand in Hameln am Sonntagmorgen gleichbleibend bei 1,44 Metern lag, legte das Schwerlastschiff „Keisar“, das den 400 Tonnen schweren Ersatzgenerator geladen hatte, im oberen Schleusenvorhafen ab und nahm um 7 Uhr Kurs auf Grohnde. An Bord waren auch mehrere bewaffnete Polizisten. Das 82 Meter lange und acht Meter breite Spezialschiff wurde von einem Schwimmbagger des Wasser- und Schifffahrtsamts Hameln begleitet. Ohne Zeit zu verlieren, hätte der Greifer eventuelle Untiefen sofort beseitigen können. Ein paar Stunden später legte die MS „Keisar“ am Kai des Kraftwerks an und machte unter einem riesigen Hubportal fest.

Was streng geheim gehalten wurde: Ein zweites Schiff war zu diesem Zeitpunkt unterwegs in Richtung Hameln. Der Frachter wurde von einem Boot der Wasserschutzpolizei aus Nienburg begleitet. Die MS „Calbe“ aus Tangermünde hatte mit dem niedrigen Wasserstand zu kämpfen, kam zeitweise kaum von der Stelle. Dabei war Eile geboten, denn auch dieses Schiff musste die Welle nutzen. Es hätte sonst in Hameln auf unbestimmte Zeit festgesessen. Um 12.30 Uhr eilte ihr der Schlepper „Werra“ zu Hilfe. Ins Schlepptau genommen erreichte sie am Abend ebenfalls Grohnde. Unklar ist, was die 67 Meter lange MS „Calbe“ geladen hatte. Nach unbestätigten Informationen soll es sich um eine 220 Tonnen schwere Induktorwelle für das Stromaggregat handeln.

Die MS „Keisar“, die das riesige Aggregat transportierte, hatte fast eine Woche in Hameln auf ihre Weiterfahrt gewartet. Am Sonnabend wurde sie überraschend von starken Kräften der Bereitschaftspolizei Göttingen und Lüneburg an ihrem Liegeplatz im umzäunten Schleusengelände in Hameln bewacht. Auch Polizeihunde waren im Einsatz.

Ulrich Behmann

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