Agrardemo in Wietze

Minister Meyer endlich unter Freunden

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Wietze - Die Agrardemo in Wietze lockte 7000 Demonstranten aus ganz Deutschland – und Landwirtschaftsminister Christian Meyer. Der konnte sich nach der Dienstwagenaffäre mal wieder "unter Freunden" fühlen, musste sich aber dennoch verteidigen: Der umstrittene Vermerk sei ihm "durchgerutscht", sagte er.

Christian Meyer steht dieser Tage mächtig unter Druck. Die Dienstwagenaffäre wirft auch auf den Landwirtschaftsminister einen Schatten, die Entlassung seines Staatssekretärs durch Ministerpräsident Stephan Weil bringt auch dessen grünen Kabinettskollegen in Verlegenheit. Umso glücklicher zeigte sich Meyer am Sonnabend beim „Bauernfrühstück“ auf einer Pferdekoppel bei Wietze, als er auf seinem ureigenen Feld der angestrebten Agrarwende punkten konnte. „Mal wieder schön, unter Freunden zu sein.“ Die Begrüßungsworte schienen wirklich von Herzen zu kommen.

Unter Applaus verkündete der grüne Minister denn auch, dass Niedersachsen künftig keine Großschlachthöfe wie in Wietze mehr fördern werde und die Ställe den Bedürfnissen der Tiere anpassen wolle und nicht umgekehrt. „Es muss endlich Schluss damit sein, dass den Hühnern die Schnäbel gekürzt und den Schweinen die Schwänze abgeschnitten werden“, sagt Meyer. „Diese grausamen Amputationen müssen ein Ende haben.“

Der Vermerk? "Ist mir durchgerutscht"

Dringenden Reformbedarf meldet der Grünen-Politiker auch bei der Etikettierung von Lebensmitteln an. „Wir brauchen eine ehrliche Kennzeichnung. Wenn Eier aus der Käfighaltung kommen, dann darf die Eierpackung keine bäuerliche Idylle vorgaukeln.“ Starker Applaus – auch als Meyer ankündigt, dass die Landesregierung die Kontrollen zur Einhaltung der bestehenden Tierschutzverordnungen intensivieren und ein Klagerecht für Tierschutzverbände einführen wolle. Der Minister fordert die Umschichtung der Agrarsubventionen zugunsten bäuerlicher Betriebe, kündigt Korrekturen beim Maisbonus an – und hat endlich wieder Grund zum Lachen, als ihm zum Dank ein blaues T-Shirt geschenkt wird. Aufschrift: „Wir haben Agrarindustrie satt.“

Nach dem „Bauernfrühstück“ aber holt ihn dann doch wieder die Dienstwagenaffäre ein, und er gesteht den hartnäckigen Journalisten auch ein persönliches Versäumnis ein. Den brisanten Vermerk über die angebliche Zustimmung Weils zu dem luxuriösen Dienstwagen Udo Paschedags habe er auf seinem Schreibtisch schlicht übersehen. „Der muss vor zwei Wochen in einem großen Stapel gelegen haben. Der ist mir sozusagen durchgerutscht." Für diesen Fehler habe er sich bereits bei Weil entschuldigt. Mit der Entlassung Paschedags habe der Ministerpräsident im übrigen eine richtige Entscheidung getroffen. Auch ihn selbst, sagt Meyer, habe sein Staatssekretär sehr enttäuscht.

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