Bleigehalt im Trinkwasser

Ministerin wirbt für Trinkwassertests

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Roland Suchenwirth, Leiter der Abteilung Umweltmedizin im Niedersächsischen Landesgesundheitsamt, hält auf einer Pressekonferenz neben Niedersachsens Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) ein Wasserrohr in seinen Händen.

Hannover - In rund 100.000 niedersächsischen Wohnungen steht ein Austausch alter Bleirohre an. Der Grund: Derartige Trinkwasserleitungen sind gesundheitsschädlich, vor allem für Kinder und Schwangere. Bis Dezember haben Hauseigentümer noch Zeit für den Austausch.

Das Trinkwasser in Niedersachsen hat eine hohe Qualität – allerdings können alte Bleileitungen im Haus das gute Wasser verunreinigen. Besonders für Schwangere und Kinder kann der Bleigehalt gefährlich werden. Vom 1. Dezember 2013 an gelten deshalb verschärfte Regelungen. War bisher ein Grenzwert von 0,025 Milligramm Blei pro Liter erlaubt, gilt künftig ein Grenzwert von 0,010 Milligramm. Niedersachsens Sozial- und Gesundheitsministerin Cornelia Rundt forderte die Bevölkerung gestern auf, ihr Leitungswasser testen zu lassen, um alte Bleileitungen ausfindig machen zu können.

Während in öffentlichen Gebäuden die kommunalen Gesundheitsämter das Trinkwasser auf Blei untersuchen, ist es in Privatgebäuden Sache des Hausbesitzers, für die Qualität des Leitungswassers zu sorgen. Vor allem Gebäude, die vor 1973 gebaut wurden, sind betroffen. Damals wurden Bleileitungen gesetzlich verboten. In fünf Prozent der rund zwei Millionen Wohnhäuser in Niedersachsen könnten noch Bleileitungen verbaut sein, schätzt Roland Suchenwirth, Leiter der Abteilung Umweltmedizin im Niedersächsischen Gesundheitsamt. Mit den neuen Grenzwerten seien die allesamt unzulässig und müssen ausgetauscht werden.

Sets zur Probenentnahme gibt es bei Gesundheitsämtern

Zahlreiche Studien belegen, dass bleibelastetes Wasser bei Kindern zu Entwicklungsstörungen und Intelligenzminderung führen kann. Das beginnt schon im Mutterleib, das Nervensystem ungeborener Kinder reagiert sogar besonders sensibel. Die Landesregierung bietet jungen Frauen und Familien mit Kindern deshalb an, ihr Leitungswasser gebührenfrei untersuchen zu lassen. Für andere kostet die Wasserprobe rund 15 Euro.

Die Sets zur selbstständigen Probenentnahme gibt es bei den zuständigen Gesundheitsämtern (für Hannover: Gesundheitsamt der Region Hannover, Weinstraße 2-3, Tel.: 05 11 61 64 27 29), anschließend wir die Probe im Landesgesundheitsamt ausgewertet. Das Trinkwasser muss mindestens vier Stunden in der Leitung stehen, denn dann ist der Bleigehalt am höchsten.

Sollte Blei im Wasser nachgewiesen werden, ist der Hausbesitzer in der Pflicht, schnell zu handeln. „Genaugenommen ist die Übergangsfrist schon abgelaufen“, sagt Suchenwirth. Mieter können bis zur Sanierung eine Mietminderung geltend machen und sollten ihr Leitungswasser vor dem Trinken ein bis zwei Minuten ablaufen lassen. Zur Zubereitung von Säuglings- und Kleinkindernahrung sollte das Wasser aber nicht mehr verwendet werden.

Weigert sich der Vermieter, die alten Rohre auszutauschen, muss er mit einem Bußgeld rechnen. Theoretisch sei es auch möglich, die Wohnung stillzulegen, sagt Suchenwirth. „Das ist dann aber die letzte Keule, ich hoffe schon vorher auf die Vernunft der Vermieter.“

Anne Grüneberg / dpa

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